Stadt Zürich

Zürcher Schauspielerin spielt neben Angelina Jolie!

Reinhold Hönle
Reinhold Hönle

Zürich,

Die Zürcher Schauspielerin Ella Rumpf (31) beeindruckt im französischen Filmdrama «Couture», das jetzt ins Kino kommt, neben Superstar Angelina Jolie.

Ella Rumpf
Die in Zürich aufgewachsene Ella Rumpf ist im internationalen Filmemarkt erfolgreich unterwegs. - Christian Lanz

Ella Rumpf ist einer der talentiertesten und international gefragtesten Schweizer Schauspielerinnen. Die poliglotte Tochter eines Schweizers und einer Französin, die in Paris geboren wurde und in Zürich aufwuchs, hat mit ihren erst 31 Jahren schon in zahlreichen Haupt- und wichtigen Nebenrollen ihr Talent und ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt.

2014 sorgte sie in «Chrieg» erstmals für Aufsehen und feierte mit «Tiger Girl» Berlinale-Premiere. Den Durchbruch brachten Produktionen wie die Pay-TV-Serien «Freud» und «Tokyo Vice» sowie «Le théorème de Marguerite», für das sie 2024 den César als beste Nachwuchsdarstellerin und den Schweizer Filmpreis erhielt.

Eindringlich ist auch ihre Leistung in ihren jüngsten Filmen «Des preuves d’amour» und «Couture». Letzterer zeigt das Modebusiness aus der Warte von drei Menschen, deren berufliche, soziale und persönliche Situation kaum kontrastreicher sein könnte, aber ähnlich dramatisch ist.

Couture
Filmszene mit Ella Rumpf als Maskenbildnerin in «Couture». - PD

Redaktion: Die drei Hauptfiguren haben nur wenige gemeinsame Szenen. Wie haben Sie Superstar Angelina Jolie dabei erlebt?

Ella Rumpf: Wir hatten nur kurze, aber schöne Gespräche. Sie ist eine emphatische Person. Ich finde, sie ist eine in jeder Hinsicht beeindruckende Persönlichkeit.

Redaktion: Wie fühlte es sich an, bei «Couture» nicht nur wie bei jedem Film geschminkt zu werden, sondern selbst eine Maskenbildnerin zu spielen?

Rumpf: Maskenbildnerinnen sind oft die ersten Personen, mit denen ich persönlich zu tun habe, wenn ich am Morgen aufs Filmset komme. Sie spüren, wie es mir geht, und flüstern mir ein paar Worte ins Ohr, um mir Mut zu machen, wenn ich an mir zweifle.

So habe ich mich speziell gefreut, dieser Figur Tiefe verleihen zu können. Angèle beherrscht ihr Handwerk, befindet sich jedoch im Hamsterrad der Modeindustrie und versucht sich durch das Schreiben eines Buches zu befreien. Darin hinterfragt sie ihr Leben und versucht ihre Erfahrungen als Schriftstellerin zu verarbeiten.

Redaktion: Welche Parallelen sehen Sie zwischen der Film- und der Modewelt?

Rumpf: Beide sind flüchtig. Die meisten Filmschaffenden, mit denen du teilweise eng zusammenarbeitest, siehst du nie wieder. «Couture» ist für mich ein Spiegel unserer Zeit.

Es zeigt eine Welt, in der die Dinge schnell gehen müssen, der menschliche Austausch immer weniger Platz hat und deswegen das Verlangen nach Verbindung und Menschlichkeit wächst.

Das gilt nicht nur für Angèle, sondern auch für die anderen Hauptfiguren, die Filmregisseurin und das Model, die von Angelina Jolie und Anyier Anei verkörpert werden.

Redaktion: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Rumpf: Ich habe drei Monate lang mit Maskenbildnerinnen über ihren Beruf gesprochen und von ihnen gelernt, wie man schnelle Pinselbewegungen macht. Bis ich ihn nur einigermassen beherrschte, mussten viele meiner Freundinnen als Testpersonen herhalten.

Rumpf
Ella Rumpf hat 2024 einen César erhalten. - keystone

In meiner Freizeit lege ich nämlich nur selten Make-up auf. Ich halte es mit meiner Grossmutter, die sagte, für die Haut sei es das Gesündeste, das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen.

Redaktion: Bei welchem Ihrer Filme haben Sie am meisten Zeit in der Maske verbracht?

Rumpf: Wahrscheinlich für die Netflix-Serie «Freud» und den Horrorfilm «Grave», wo an einigen Drehtagen viel Blut floss.

Bei «Des preuves d’amour» hatte ich das Glück, dass nicht ich, sondern Monia Chokri meine Frau spielte, die schwanger ist, da es täglich vier Stunden dauerte, bis ihre Brust- und Bauchprothesen angepasst waren.

Redaktion: Wie stark hat es Sie beschäftigt, dass sich «Couture»-Regisseurin Alice Winocour und Angelina Jolie wie die Regisseurin im Film in der Realität zu einer Brustamputation entschliessen mussten?

Rumpf: Es ist zwar ein Unterschied, dass Alice Winocour wegen Brustkrebs eine Mastektomie vornehmen liess und Angelina Jolie präventiv, da Frauen in ihrer Familie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit daran erkranken, doch lenkten beide Fälle meine Aufmerksamkeit auf eine Zahl, die mich als Hypochonder besonders erschreckte: In der westlichen Welt haben die Hälfte aller Menschen mindestens einmal im Leben Krebs.

Redaktion: Wie erklären Sie sich das?

Rumpf: Es gibt sicher tausend individuelle Gründe, aber ich denke, in der kapitalistischen Gesellschaft wird das Materielle oft höher gewichtet als gesundheitliche Aspekte.

In letzter Zeit las ich jedoch immer wieder mal Drehbücher, in denen es um Krebs ging, oder sah Filme mit diesem Thema. Es scheint, als würden sich die Leute mehr damit beschäftigen.

Redaktion: Ein erster Schritt zur Besserung?

Rumpf: Ich glaube, wir brauchen einen radikalen Wandel im Denken und Handeln, um von unserer katastrophalen Überkonsumation wegzukommen.

Solange wir alles machen, was technisch möglich ist, und in diesem hohen Tempo, wird der Mensch auf der Strecke bleiben. Es macht doch keinen Sinn, den Mars besiedeln zu wollen, statt dem eigenen Planeten Sorge zu tragen!

angelina
Angelina Jolie präsentierte am Filmfestival in Rom ihren Film «Couture», in dem auch Ella Rumpf spielt. - keystone

Redaktion: Wo setzen Sie Prioritäten?

Rumpf: Ich übernehme meistens Rollen, die mich dazu bringen, mich zu hinterfragen und mich herausfordern. Momentan werden mir solche authentischen Charaktere vor allem von Regisseurinnen angeboten.

Ich habe das Glück in der heutigen Zeit Schauspielerin zu sein, in der mehr Frauen Filme über relevante zeitgenössische Themen machen können, jedoch immer noch zu wenig.

Es fehlt in unserer Gesellschaft weiter an Strukturen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Was die soziale Absicherung von Künstlern angeht, ist Frankreich immerhin deutlich weiter als die Schweiz. Allerdings sind die Gagen deutlich niedriger.

Kennst du Ella Rumpf bereits aus früheren Filmen?

Redaktion: Sie wurden bereits mit einem César und zwei Schweizer Filmpreisen ausgezeichnet. Verdienen Sie da nicht genug?

Rumpf: Es ist ein weit verbreiterter Irrtum, dass Künstler, die man kennt, keine finanziellen Sorgen mehr haben. Das mag an den Tagen stimmen, an denen sie Arbeit haben, aber an allen übrigen verdienen sie nichts.

Da ich nicht aus einer begüterten Familie stamme, habe ich deshalb von Anfang an so viele Rollen wie möglich übernommen, sofern diese meinen Ansprüchen genügten.

Redaktion: Ein Spagat?

Rumpf: Absolut. Meine grösste Angst ist, über meine Verhältnisse zu leben und in Filmen mitwirken zu müssen, die mir qualitativ oder inhaltlich nicht entsprechen.

So lebe ich lieber bescheiden und kann es mir leisten, bei Projekten mitzuwirken, an denen mein Herz hängt, zumal die schlecht finanzierten Erstlingsfilme oft am visionärsten sind. Ich bin überzeugt, dass sich diese Strategie über die Jahre auszahlt.

Weitere Informationen

«Couture» läuft ab 6. August in den Kinos Arthouse Le Paris, Arthouse Piccadilly, Houdini, Kinokoni.

Redaktion: Sie pendeln zwischen Paris, wo Sie sehr viel drehen, und Zürich, wo Sie aufgewachsen sind. Was bedeutet Ihnen Ihre Heimatstadt?

Rumpf: In meiner Jugend fand ich Zürich schön, aber langweilig. Ich wollte so schnell wie möglich weg und zog mit 18 nach London, um dort auf die Schauspielschule zu gehen.

Inzwischen ist es mir wichtig, in Zürich ein Standbein zu haben, weil meine Familie und meine Freunde hier zuhause sind. Ich möchte mit ihnen auch teilen, was ich im Ausland mache.

Leider liegt «Soul Of A Beast», der letzte Film, den ich in der Schweiz gedreht habe, schon wieder fünf Jahre zurück.

Redaktion: Woran liegt das?

Rumpf: Es gibt zwar immer mehr junge, begabte Filmemacher in der Deutschschweiz, aber man vertraut ihnen noch zu wenig und unterstützt sie nur selektiv mit Fördermitteln.

Und die Medien sparen zuerst bei der Kultur, die in der Romandie noch einen merklich höheren Stellenwert haben.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #3864 (nicht angemeldet)

Melanie Winiger ist top. Dreht sie Western in LA

User #3566 (nicht angemeldet)

Bravo!

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