Vor Outing: Journalistin wollte schwulen Influencer «verführen»

Während seiner Mister-Schweiz-Teilnahme 2012 verschwieg Steven Epprecht seine Homosexualität noch. Dies brachte eine Journalistin offenbar auf wilde Gedanken …
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Das Wichtigste in Kürze
- Der heutige Influencer Steven Epprecht war 2012 Mister-Schweiz-Kandidat.
- Eine Journalistin vermutete bereits, dass er auf Männer steht, wollte aber das Gegenteil beweisen.
- Nach einem Showauftritt reagierte die Frau mit Flirtversuchen, es kam zum Kuss.
Ein Kuss auf dem roten Teppich, verliebte Fotos am Strand, Spaziergänge Hand in Hand ...
Für Steven Epprecht (38) war das nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Viele Jahre behält er für sich, was andere offen ausleben: seine Sexualität.
Als Teenager merkt der Zürcher, dass er anders fühlt als seine Schulkollegen: Er steht auf Männer.
Dazu stehen kann er damals noch nicht – weder im Freundeskreis, noch in der Familie. Mit 16 Jahren verliebt er sich in einen Jungen, führt mit seinen Gefühlen jedoch ein Versteckspiel. Niemand soll davon erfahren – nicht zuletzt auch wegen des öffentlichen Drucks, der später auf Epprecht lastet.

Mit den ersten Modeljobs baut sich der heute 38-jährige Influencer das Image eines klassischen Frauenschwarms auf. Von dem er sich länger nicht mehr loslösen kann. Zwischenzeitlich datet er auch Frauen. Als er 2012 für die Mister-Schweiz-Wahl kandidiert, weiss nur das engste Umfeld über sein Inneres Bescheid.
«Du bist doch schwul»
Erste Gerüchte, er könnte doch Männer lieben, kommen dennoch auf. Zu Gast im «Momentum»-Podcast von Kevin Keller-Mazza spricht Epprecht nun über einen unerwarteten Vorfall. Dieser ereignete sich im Vorfeld des Schönheitswettbewerbs.

Der Influencer erinnert sich: «Während der Mister-Schweiz-Wahl gab es eine Journalistin, die hat gesagt: ‹Du bist doch schwul› und wollte mich dann verführen, um das Gegenteil zu beweisen.»
Um nicht aufzufliegen, lässt er sich zunächst auf die damals «recht junge» und «gutaussehende» Frau, deren Namen er nicht nennt, ein.
Heute sagt er: «Das Risiko oder die Angst, dass es rauskommen könnte, war mega.»
Doch Epprecht zieht rasch die Reissleine und distanziert sich von den Anspielungen. «Ich habe dann gesagt: Hey nein, stopp.»
«Wir haben auch rumgemacht»
Passiert sei dies nach einem ihrer Showauftritte, die die Kandidaten vor der Wahl absolviert hatten, verrät Epprecht gegenüber Nau.ch. Bereits mehrfach wurden die Männer von der besagten Journalistin begleitet, so auch an jenem Abend.
Da einer der Auftritte in der Nähe seines damaligen Wohnortes stattfand, entschied sich die Truppe, den Abend bei Epprecht zuhause ausklingen zu lassen. Dort sei die Frau «recht flirty» geworden – besonders mit ihm, erinnert sich der Influencer.
«Ich hatte das Gefühl, dass sie mich anmacht, um herauszuspüren, ob ich jetzt schwul bin oder nicht. Oder ob ich wirklich auch Interesse an Frauen habe.» Epprecht betont: Für ihn wäre es zu diesem Zeitpunkt «recht schlimm» gewesen, wäre seine wirkliche sexuelle Orientierung an die Öffentlichkeit gelangt.

Die Anspielungen der Frau erwiderte er deshalb zunächst so, wie er es jeweils auch im Ausgang mit Kollegen handhabte. «Ich wollte nicht, dass sie herausfinden, dass ich nicht an Frauen interessiert wäre.»
Womit die Journalistin das Model schliesslich verführt hat? Epprecht verrät: «Wir haben auch rumgemacht, wenn ich mich richtig erinnern mag.» Doch er setzte eine klare Grenze: Nach einem Kuss war Schluss.
Als übergriffig empfindet er die damalige Situation trotzdem nicht: «Es war ein Stück weit in Ordnung für mich, weil ich den Schein ja wahren wollte, dass ich auf Frauen stehe.»
Ehemann brachte ihm zum Umdenken
Epprecht schafft es bei der Mister-Schweiz-Wahl auf den dritten Platz, treibt seine Modelkarriere erfolgreich voran. Und etabliert sich zu einem der bekanntesten Schweizer Influencer.
Doch das Versteckspiel um den privaten Steven geht noch fast zehn Jahre weiter. Nichts Verdächtiges, was seinem Image möglicherweise schaden könnte, darf vor die Kameralinse. «Ich habe geschaut, dass ich nicht irgendwelche Sachen poste, von denen man ausgehen könnte, dass ich schwul bin», erklärt er.
Als er im Juni 2021 seinen heutigen Ehemann Marcos kennenlernt, wird Epprecht klar: Jetzt hat er genug lange geschwiegen. «Er hat mir einfach gezeigt, wie es ist, offen zu leben. Und eigentlich möglichst wenig darauf zu geben, was andere Leute von dir denken.»

Doch nicht nur sein Partner sorgt für ein Umdenken. Wenige Wochen vor der eidgenössischen Volksabstimmung über die «Ehe für alle» im September 2021 entscheidet er sich schliesslich, seine Beziehung öffentlich zu machen.
Zwar habe er auf Instagram durch das Outing und ein späteres Kussfoto mehrere tausend Follower verloren. Und doch berichtet Epprecht von «fast durchwegs» positiven Reaktionen. Der von ihm befürchtete Karriereknick blieb aus – und auch in der Liebe läuft es bis heute rund.
Traumhochzeit in Madrid
Nach fünf Jahren Beziehung geben sich die beiden Männer im Juli 2026 in Madrid das Jawort. Ein emotionaler Moment, der den Influencer noch immer zu Tränen rührt. «Du erlebst so viel Liebe und alle Leute sind nur wegen dir dort», schwärmt er von der Traumhochzeit.
Heute kann Steven Epprecht seine Liebe offen zeigen – ohne sich Gedanken darüber zu machen, was andere davon halten. Für viele eine Selbstverständlichkeit, für den Influencer jedoch ein jahrelanger Prozess. Umso mehr geniesst er heute die Freiheit, mit Marcos an seiner Seite durchs Leben zu gehen.






