Touri-Paar steigt mit sechs Koffern in Zug – brauchts Ticketpflicht?

Touristen suchen in einem Intercity-Zug erfolglos Platz für mehrere Koffer. Das Zugpersonal stellt bei Reisenden immer mehr und grösseres Gepäck fest.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein asiatisches Paar rollt sechs Koffer in einen Eurocity-Zug – und findet keinen Stauraum.
- Die SBB plant Anpassungen.
- Für E-Trottis wird wegen Platzproblemen bereits eine Ticketpflicht gefordert.
In wenigen Minuten fährt der Eurocity-Zug im Hauptbahnhof Zürich in Richtung Lindau Reutin (DE) ab. Ein asiatisches Paar steht vor einem kniffligen Rätsel. Die beiden Touristen haben sechs Koffer dabei. Das dreistöckige Gepäckregal beim Eingang des Wagens ist aber bereits voller Gepäckstücke.
Keine Chance: Auch «Kofferraum-Tetris» schafft keine Lücken. Eine hilfsbereite Passagierin platziert ihren Koffer erfolglos um.
Die Gepäckablage über den Sitzen ist zudem zu schmal für die grossen Koffer. Mit den Rollkoffern im Schlepptau trottet das Touristenpaar davon und parkiert die Koffer irgendwo in der Nähe ihres Abteils. Ein anderer Passagier fackelt nicht lange – und lädt vor der Gepäckablage ein riesiges Paket plus Rucksack ab.
Im August sorgte ein ähnlicher Fall für Schlagzeilen. Ein Facebook-User zeigte einen komplett mit Gepäck zugestellten Gang im Eingangsbereich eines Zugs.
«Anzahl und Grösse der Gepäckstücke hat zugenommen»
Mangelt es im Zug an Stauraum für das Gepäck, ist dies nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich.
«Für das Personal ist wichtig, dass die Türen und Gänge frei bleiben», sagt René Zürcher auf Anfrage. Er ist Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV). «Es darf keine Stolpergefahr für Kunden und Personal bestehen und Fluchtwege müssen immer frei bleiben.»
Dies wird zunehmend zu einer Herausforderung. «Das Personal beobachtet, dass die Anzahl und Grösse der Gepäckstücke zugenommen hat», sagt Zürcher.
Die SBB erhebt zur Entwicklung des Gepäckvolumens keine Zahlen. Fest stehe, dass insgesamt deutlich mehr Menschen mit dem Zug reisten, sagt Mediensprecherin Sabrina Schellenberg. «Die Zahl der Reisenden pro Tag stieg in den letzten Jahren stetig auf 1,43 Millionen im Jahr 2025.»
SBB plant Verbesserungen
Der Stauraum ist nicht in allen Zugtypen gleich. Für Gepäck stehen Ablageflächen über, unter und zwischen den Sitzen sowie die dafür vorgesehenen Gepäckbereiche zur Verfügung.
Der vorhandene Platz könne knapp werden, sagt Sabrina Schellenberg. «Insbesondere bei stark ausgelasteten Zügen und wenn viele Reisende gleichzeitig mit grossen Gepäckstücken, Kinderwagen oder Velos unterwegs sind.»
Das Bahnunternehmen plant Anpassungen.
Die SBB hat laut der Mediensprecherin den Raum für Gepäck, Kinderwagen und Velos in den letzten Jahren bereits deutlich erhöht. «Und optimiert», sagt Sabrina Schellenberg.

Auch bei künftigen Fahrzeugbeschaffungen seien je nach Zugtyp und Einsatz weitere Ausbauten und Optimierungen vorgesehen. Dabei gelte es, eine ausgewogene Balance zwischen Stauraum und Sitzplätzen zu finden. «Denn zusätzlicher Stauraum geht in der Regel zulasten von Sitzplätzen.»
Durchgänge, Einstiegsbereiche und Fluchtwege müssten aus Sicherheits- und Barrierefreiheitsgründen jederzeit frei bleiben, so Schellenberg.
Gepäck aufgeben anstatt in den Zug schleppen
Bei der Anzahl Gepäckstücke gibt es in den Zügen keine Limite.
Philipp Bosshard, Mediensprecher der Branchenorganisation Alliance SwissPass, sagt zu Nau.ch: «Wichtig ist: Reisende müssen ihr Gepäck selbstständig und problemlos ein- und ausladen und sicher verstauen können.» Wenn Reisende keinen geeigneten Platz für ihr Gepäck fänden, könnten sie sich an das Zugpersonal wenden.
Reisende mit viel Gepäck könnten dieses auch aufgeben oder zu Hause abholen lassen, sagt Bosshard.
Braucht es Ticketpflicht für Koffer? «Nicht vorgesehen»
Regelmässig für Ärger sorgen auch E-Trottis, die in den Zügen im Weg stehen. Das SEV fordert deshalb eine Ticketpflicht für Trottinette.
Würde im Falle des Gepäcks eine Ticketpflicht pro Koffer die Situation entschärfen? René Zürcher verweist an die Alliance SwissPass.
«Gemäss den geltenden Tarifbestimmungen wird Handgepäck unentgeltlich befördert», sagt Philipp Bosshard. «Eine Anpassung des Tarifs ist derzeit nicht vorgesehen.»









