Katze «riecht nach fremdem Parfüm»: Fremdfütterer entlarvt

Frauchen und Herrchen sprechen vermehrt Fütterungsverbote aus. Denn regelmässig landen Katzen beim Tierarzt, weil sie auswärts Futter bekommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Katzen in Zürich bleiben weg, nehmen zu oder werden krank, weil Fremde sie füttern.
- Die Vereinigung für Kleintiermedizin warnt vor den gesundheitlichen Folgen.
- Wer Katzen anfüttert, kann sich auch strafbar machen.
Der Napf mit dem Trockenfutter bleibt immer öfter voll. Anders als früher. «Selbst wenn Lulu eine Maus gefressen hatte, frass sie immer noch Trockenfutter.» Dies sagt R.F.* aus Meilen ZH zu Nau.
Sporadisch taucht die Katze seit Juli zu Hause auf – mit ein paar Gramm mehr auf den Rippen. «Es fiel mir sofort auf, dass Lulu zugenommen hat, da sie sehr schlank ist», sagt F. über die zweijährige Katze. Dazu kommt sie regelmässig nachts nicht mehr nach Hause.

Auffällig ist zudem der Geruch der Katze. «Sie roch stark nach einem fremden Parfüm», sagt F. Für sie sei klar gewesen, dass irgendjemand Lulu füttere.
Im September bittet sie in einer lokalen Facebook-Gruppe die fremde Person, damit aufzuhören. Auch schreibt sie: «Wie wir es merken? Sie riecht nach Ihrem Parfüm.»
«Er ist auf Spezialfutter angewiesen»
Das Frauchen geht davon aus, dass der Post genützt hat. «Lulu kommt inzwischen wieder wie gewohnt nach Hause und riecht nach Katze, Wiese, Wald und Laub», sagt F.
Auch M.K.* aus Bern versucht den Schmaus auswärts zu verhindern. «Wer füttert Kater ‹Larry?›», steht auf dem Plakat, das er in der Stadt aufhängte. Er komme nicht mehr nach Hause.
«Zudem ist er auf Spezialfutter angewiesen», schreibt er über den 12-jährigen Kater. «Bitte hören Sie auf, fremde Katzen zu füttern», steht mit drei Ausrufezeichen.
Später erfährt das Herrchen, dass sich sein Tier im Park neben einer Klinik verköstigt.
Mitarbeitende und Patienten hätten dies gesehen, sagt K. «Er wird mit allerlei ‹Chabis› wie Wursträdchen gefüttert.» Dies sei besonders problematisch, da der Kater wegen seiner Nierenprobleme Spezialfutter brauche. «Beim Tierarzt stellten sich auch vermehrt schlechte Nierenwerte heraus.»
«Musste notfallmässig zum Tierarzt»
Ein Frauchen aus Elgg ZH warnt in einer lokalen Facebook-Gruppe vor der Fremdfütterung ihres Katers Pipo. «Heute musste ich notfallmässig mit ihm zum Tierarzt, da es ihm wirklich schlecht ging», schreibt sie Ende September. Es habe sich herausgestellt, dass Pipo eine chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündung habe.
«Er braucht nun Spezialfutter. Sonst werden seine Beschwerden schlimmer.» Deshalb bittet sie, ihn nicht zu füttern.
Wie es dem Kater aktuell geht, ist unklar. Die Redaktion konnte das Frauchen nicht erreichen.
Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK-ASMPA) bestätigt, dass fremdgefütterte Katzen regelmässig beim Tierarzt landen. «Am häufigsten beobachten wir eine ungewollte Gewichtszunahme», sagt Mediensprecherin Nicole Jegerlehner. Dies, wenn Katzen zusätzlich auch auswärts gefüttert würden.

Übergewicht könne erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit einer Katze haben, sagt Jegerlehner. «Häufig treten Erkrankungen des Bewegungsapparates auf, da Gelenke und Wirbelsäule stärker belastet werden.» Zudem steige das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Auch Diabetes mellitus werde bei übergewichtigen Katzen deutlich häufiger festgestellt als bei normalgewichtigen Tieren. «Darüber hinaus kann Übergewicht die Lebensqualität und Lebenserwartung einer Katze beeinträchtigen.»
«Bereits kleine Mengen können Beschwerden auslösen»
Katzenfreunde, die meinen, mit köstlichem Futter einem fremden Büsi zu helfen, können Schaden anrichten.
«Problematisch kann Fremdfütterung zudem bei Katzen sein, die auf eine spezielle Ernährung angewiesen sind», sagt Nicole Jegerlehner. Dies aufgrund von Allergien oder Unverträglichkeiten. «Bereits kleine Mengen ungeeigneten Futters könnten bei diesen Tieren gesundheitliche Beschwerden auslösen.»
Die Fremdfütterung kann laut Jegerlehner den Therapieerfolg erheblich beeinträchtigen. «Im Fall von Nierenerkrankungen oder einer chronischen Pankreatitis kann dies langfristig sogar zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands führen.»
GPS-Tracker für Katzen könne helfen
Die Katzenklappe zu schliessen, scheint die sicherste Methode gegen die fremden Mahlzeiten zu sein.
«Eine vorübergehende Einschränkung des Freigangs kann in Einzelfällen sinnvoll sein», sagt Nicole Jegerlehner. Dies etwa, um die Situation genauer abzuklären oder kurzfristig eine Gewichtsreduktion einzuleiten.
«Langfristig ist dies jedoch meist keine ideale Lösung, da freilaufende Katzen ihren gewohnten Bewegungsraum und ihre Umweltreize benötigen.» Viele Tiere reagierten auf eine dauerhafte Einschränkung des Freigangs mit Stress oder Verhaltensänderungen.
In erster Linie empfiehlt es sich laut der Mediensprecherin, das Gespräch mit den Personen zu suchen, die die Katze fütterten. «Und sie auf die möglichen gesundheitlichen Folgen aufmerksam zu machen.» Oft seien sich diese Personen der Problematik nicht bewusst und handelten aus Tierliebe.
«Ist unklar, wo die Katze zusätzlich Futter erhält, kann ein GPS-Tracker am Halsband vorübergehend helfen.» So könnten die Halterinnen und Halter die Aufenthaltsorte der Katze nachvollziehen und die Ursache identifizieren.
Lockt jemand eine Katze regelmässig oder systematisch zu sich, können die Halter eine Zivilklage einreichen. Eine Zürcher Rentnerin kassierte 2025 eine bedingte Geldstrafe. Dies wegen unrechtmässiger Aneignung. Diese hatte den Kater der Nachbarin zehn Monate lang systematisch gefüttert.
*Name der Redaktion bekannt.














