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    Zoo Zürich – Severin Dressen: «Mini-Sumpf hinter Glas»

    Severin Dressen
    Severin Dressen

    Zürich,

    Ein neues Paludarium im Zoo Zürich vereint Wasser- und Landlebensräume. Severin Dressen erklärt, wie es bedrohten Tierarten einen geschützten Lebensraum bietet.

    Severin Dressen
    Severin Dressen ist Direktor im Zoo Zürich. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Severin Dressen, Direktor Zoo Zürich, schreibt regelmässig eine Kolumne.
    • Dressen berichtet über Neues und Wissenswertes aus seinem Tiergarten.
    • Heute schreibt er über ein neues Paludarium, das drei bedrohten Tierarten einen naturnahen Lebensraum bietet.

    Sie alle wissen, was ein Aquarium ist. Auch unter Terrarium können Sie sich etwas vorstellen. Aber wissen Sie auch, was ein Paludarium ist?

    Seit kurzem gibt es ein solches bei uns in der Forschungsstation. Paludarium leitet sich vom lateinischen Wort Palus ab, was «Sumpf» oder «Feucht- gebiet» bedeutet.

    Ein Paludarium (gr. Bild) ist ein Kleinbiotop für Wasser- wie landbewohnende Tierarten. Bild: Zoo Zürich; Tim Benz
    Ein Paludarium ist ein Kleinbiotop für Wasser- wie landbewohnende Tierarten. - Zoo Zürich; Tim Benz

    Ein Paludarium ist also eine Kombination aus Aquarium und Terrarium und somit ein Lebensraum, der beide Welten miteinander vereint. Es bildet ein Feuchtbiotop nach, wie man es beispielsweise in Mangroven oder tropischen Regenwäldern findet.

    Heimat für bedrohte Arten

    Wasser- wie landbewohnende Arten leben im Paludarium gemeinsam. In unserem konkreten Fall sind dies Orangeaugen-Laubfrösche, Gestreifte Blattsteiger und Vierpunkt-Kärpflinge. Was klingt wie Figuren aus dem neusten Harry-Potter-Band, sind hoch- bedrohte Tierarten aus Mittelamerika.

    Besuchst du gerne Zoos?

    Das natürliche Verbreitungsgebiet von Orangeaugen-Laubfröschen und Gestreiften Blattsteigern, ebenfalls eine Froschart, sind die tropisch feuchten Tieflandregenwälder Costa Ricas. Dort und im benachbarten Panama gibt es auch zahlreiche flache, langsam fliessende Gewässer mit dicht- bewachsenen Uferbereichen. Das ist die Heimat des Vierpunkt-Kärpflings.

    Perfekte Nischen

    Genau diesen Lebensraum bildet das Paludarium bei uns im Zoo nach: Auf lichte Stellen im oberen Bereich folgen grosses Blattwerk und verschlungene Lianen, die übergehen in eine dichte Laubschicht entlang von Wurzelwerk und Geäst und schliesslich in ein flaches, dunkles Gewässer mit zahlreichen Nischen münden.

    Mitten hindurch schlängelt sich ein kleiner Flusslauf. Das Klima ist tropisch-feucht. Im Paludarium findet jede Art die für sie perfekte Nische.

    Die nachtaktiven Orangeaugen-Laubfrösche verbringen den Tag schlafend. Dafür kleben sie sich in den oberen Stockwerken des Lebensraums unter Blätter oder auch mal direkt an die Glasscheiben.

    Mini-Sumpf hinter Glas
    Orangeaugen-Laubfrösche im Zoo Zürich. - Zoo Zürich; Tim Benz

    Eine Eigenart, die unseren Gästen einen einmaligen Blick auf die Unterseite dieser faszinierenden Frösche gewährt. Die Bewohner des mittleren Stockwerks sind für unsere Gäste dagegen meist erst zu hören und später zu sehen.

    Das charakteristische Rufen oder Trillern von Blattsteiger-Arten ist auch ausserhalb des Paludariums gut wahrnehmbar. Die Tiere halten sich vornehmlich in den dicht bewachsenen, dunkleren Ecken des Lebensraums auf.

    Mit ein bisschen Geduld und Suchen lassen aber auch sie sich entdecken. Und wer sich dann noch hinhockt, kann schliesslich einen Blick auf die Vierpunkt-Kärpflinge im untersten Stockwerk des Paludariums werfen.

    Zugegeben ist auch hier genaues Hinschauen gefordert, denn Vierpunkt-Kärpflinge werden maximal vier Zentimeter gross. Ihren Namen verdanken sie vier Punkten, die ihre Flanken zieren.

    Interessante Einblicke

    Alle drei Arten sind in ihrer Heimat vor allem durch menschliche Eingriffe wie grossflächige Entwaldung und den Eintrag von Umweltgiften in ihren Lebensraum bedroht. Mit dem Paludarium schaffen wir interessante Einblicke, einen spannenden Lebensraum und schützen zeitgleich drei bedrohte Arten.

    Hinweis

    Diese Kolumne ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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