SRF spart beim Studio – und die Zuschauer können dabei zusehen

SRF spart – und die Zuschauer sehen gleich mit, wie. Bei den «Super League Highlights» läuft hinter der Glaswand bereits der Betrieb fürs nächste Programm.
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Das Wichtigste in Kürze
- SRF produziert einzelne Fussballsendungen neu im News- und Sportcenter.
- Grund dafür ist die Schliessung des bisherigen Studios im Zuge von «SRF 4.0».
- Im TV-Bild sind neu teils Einblicke ins Nachbarstudio zu sehen – in beide Richtungen.
Wer am Sonntagabend die «Super League Highlights» auf SRF zwei schaut, bekommt neuerdings mehr zu sehen als bloss Fussball.
Während vorne über Tore und Tabellen gesprochen wird, herrscht hinter einer Glaswand bereits Betrieb für eine andere Sendung. Im Hintergrund ist Moderatorin Monika Schoenenberger (56) zu sehen, die live die «Tagesschau» moderiert.

Zufall ist das nicht. Hinter der neuen Studiolösung stecken auch die Sparmassnahmen des Senders.
Sport zog erst gerade um
Auf Anfrage von Nau.ch bestätigt SRF, dass einzelne Sportsendungen erst seit dem 10. Oktober, also seit zwei Tagen, neu aus dem Studio 402 im News- und Sportcenter produziert werden. Dazu gehören insbesondere «Super League Live» und die «Super League Highlights».
Zuvor kamen diese Sendungen aus dem Studio 2. Dieses wurde im Zuge des Sparprogramms «SRF 4.0» geschlossen.
Der Umzug ermögliche «eine effizientere Nutzung der vorhandenen Studioinfrastruktur und eine bessere Auslastung der Produktionsflächen», erklärt SRF.
Dass diese Optik automatisch nach Sparprogramm aussieht, glaubt Medienexperte Vinzenz Wyss allerdings nicht. Der ZHAW-Professor sagt zu Nau.ch: «Ich denke nicht, dass ‹Wir sparen› hier die Botschaft ist, sondern ‹Wir gehen verantwortungsvoll mit Gebührengeldern um›.»

Gerade jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer seien offene Studiolandschaften aus Videopodcasts oder Creator-Formaten längst gewohnt, sagt Wyss. Für sie müsse die Optik deshalb nicht billig wirken, sondern könne durchaus zeitgemäss erscheinen.
«Tagesschau» direkt neben dem Fussball
Ganz dasselbe Studio teilen sich Sport und «Tagesschau» allerdings nicht.
Die «Tagesschau» wird aus Studio 401 ausgestrahlt, der Fussball aus Studio 402.
Beide liegen direkt nebeneinander und sind akustisch vollständig voneinander getrennt. Dazwischen befindet sich eine Glastrennwand.
Visuell gehören die beiden Räume aber klar zu einer gemeinsamen Studiolandschaft. Deshalb kann das Publikum während einer Sportsendung mitunter sehen, was nebenan passiert.
Und der Blick funktioniert sogar in beide Richtungen: Bei den «Super League Highlights» auf SRF2 ist im Hintergrund das «Tagesschau»-Studio zu sehen. Umgekehrt blickt das Publikum während der «Tagesschau» auf SRF1 ins angrenzende Sportstudio.

Das sei Teil des Konzepts, erklärt SRF. In der «modernen, teilweise automatisierten Produktionsumgebung» könnten parallel mehrere Sendungen produziert werden.
Für Wyss hat genau dieser Blick hinter die Kulissen einen Effekt. Die offene Gestaltung vermittle Transparenz und Nähe und könne den Eindruck eines lebendigen journalistischen Betriebs schaffen.
«Die Botschaft ist: ‹Hier wird gearbeitet, nichts ist versteckt›», sagt er.
Weniger Studiofläche, tiefere Kosten
Auch wirtschaftliche Überlegungen spielen eine Rolle. SRF macht daraus keinen Hehl.
«Mit der Reduktion der Studioflächen können Einsparungen realisiert werden», hält der Sender fest. Gleichzeitig könne die vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt und die Produktion modernisiert werden.
Wyss sieht darin durchaus einen Vorteil: Wenn vorhandene Technik für mehrere Angebote genutzt werde, könne dies einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln vermitteln und unnötige Doppelspurigkeiten vermeiden.
Ganz ohne Risiko ist das aber nicht.
«Es kann der Eindruck einer Produktion von der Stange entstehen, wenn verschiedene Formate nahezu identisch aussehen», sagt der Medienexperte. Dadurch könne eine Sendung an wahrgenommener Eigenständigkeit verlieren.
Insgesamt glaubt Wyss jedoch, dass ein Einblick in gemeinsam genutzte Infrastruktur durchaus als professionell wahrgenommen werden kann.
SRF ist mit dem Konzept nicht allein
Die Entwicklung ist laut Wyss kein Schweizer Sonderfall.
Sender wie BBC, SWR oder RTL setzen demnach längst auf sogenannte «gläserne Newsrooms», flexibel nutzbare Flächen und stärker automatisierte Produktionen.
Der Blick durch die Glaswand bei den «Super League Highlights» ist damit mehr als nur eine neue Studio-Optik: Er macht sichtbar, wie SRF seinen Fernsehbetrieb unter Spardruck neu organisiert.









