Wenige Sekunden grün: Diese Ampeln sorgen am häufigsten für Frust

Kaum grün, schon wieder rot: In vier Schweizer Städten wurden Ampeln im Stossverkehr gestoppt. Am kürzesten leuchtete Grün in Winterthur – nur 6,5 Sekunden.

Das Wichtigste in Kürze
- Ampeln in Winterthur, Luzern, Zürich und Baden zeigen teils nur wenige Sekunden Grün.
- Zu Stosszeiten kommen deshalb manchmal nur zwei bis vier Autos über die Kreuzung.
- Laut Schweizer Norm muss eine Ampel mindestens vier Sekunden grün sein.
Zu Stosszeiten reicht eine Grünphase an manchen Schweizer Kreuzungen nur für zwei bis vier Autos. Das zeigen Messungen des Portals «Streetlife» in Winterthur ZH, Luzern, Zürich und Baden AG. Die Reporter stoppten Grün- und Rotphasen im Morgen- oder Feierabendverkehr und zählten die Fahrzeuge.
Auf die kurzen Grünphasen folgten an einzelnen Ampeln Wartezeiten von bis zu zwei Minuten. Das sorgt für Frust: In Winterthur wurde etwa angehupt, wer beim Umschalten nicht sofort losfuhr – und einige Lenkende fuhren bei Orange oder Rot noch über die Kreuzung.
Das sind laut dem Bericht die nervigsten Ampeln der Schweiz:
• Winterthur ZH, Seenerstrasse: Wer links auf die Frauenfelderstrasse abbiegt, hat meist 6,5 Sekunden Grün. Zwei bis drei Autos kommen durch, danach heisst es 80 bis 90 Sekunden warten.
• Luzern, Hünenbergstrasse: Grün dauert acht Sekunden, vier Autos schaffen es. Die Wartezeit schwankt zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten.
• Zürich, Max-Högger-Strasse (Europabrücke): Grün dauert meist acht bis zehn Sekunden, es passieren maximal drei Autos oder ein Lastwagen. Rot dauert meist eine Minute bis 80 Sekunden, einmal waren es 95 Sekunden.
• Zürich, Alfred-Escher-Strasse: Linksabbieger haben neun bis elf Sekunden Grün. Drei bis vier Autos kommen durch.
• Baden AG, Seminarstrasse: Wer links auf die Hochbrücke abbiegt, hat acht Sekunden Grün und wartet danach rund zwei Minuten. Geradeausfahrende haben 30 Sekunden Grün, müssen aber rund 130 Sekunden warten.
Verkehrsbelastung ist Schuld an kurzen Grünphasen
Die Behörden erklären die kurzen Grünphasen mit der Verkehrsbelastung. «Linksabbieger stehen mit deutlich mehr Verkehrsbeziehungen in Konflikt als Rechtsabbieger», sagt etwa Michael Graf vom Tiefbauamt Winterthur.
In Zürich sollen Autofahrende laut Dienstabteilung Verkehr im Mittel weniger als eine Minute warten. Das hängt aber davon ab, ob eine Ampel mit festen Zeiten läuft oder verkehrsabhängig. Der öffentliche Verkehr wird bevorzugt.
Auch im Aargau werden Busse bevorzugt. Dort wird der Autoverkehr an manchen Stellen zudem bewusst zurückgehalten, um Staus zu verhindern.
Gesetz schreibt mindestens vier Sekunden Grün vor
Die Schweizer Norm VSS 40 837 schreibt vor, dass eine Ampel mindestens vier Sekunden grün sein muss. Die kürzeste gemessene Grünphase lag mit 6,5 Sekunden darüber. Eine allgemeine Obergrenze für Rotphasen gibt es nicht.
Die Tiefbauämter wissen aber, dass «sehr lange Rotzeiten zu Unverständnis und Rotübertritten führen können», sagt Daniel Fagone vom Tiefbauamt Aargau.

Dennoch beschweren sich Autofahrende laut dem Bericht nur sehr selten. Gleich drei Tiefbauämter betonen, dass sich viel häufiger Fussgängerinnen und Fussgänger melden. Der Grund: Ihre Ampel schalte zu schnell wieder auf Rot.





