Moritz Bauer: Vom Old Trafford «back to the roots» aufs Flüeli

Moritz Bauer zog einst von Veltheim aus, um die grosse Fussballwelt zu erobern. Nun ist er aufs Flüeli zurückgekehrt.

Das Wichtigste in Kürze
- Drei Jahre nach dem Ende seiner Profikarriere kehrt Moritz Bauer zum Jugendclub SC Veltheim zurück.
- Ansprüche habe er keine, sagt der ehemalige Nationalspieler Österreichs im Interview.
- «Für mich ist die Rückkehr eine passende Abrundung meiner Karriere», so Bauer.
Am letzten Freitag traf die «Winterthurer Zeitung» Moritz Bauer auf dem Sportplatz Flüeli – unmittelbar vor seiner ersten Trainingseinheit mit dem SC Veltheim.
Bauer stand von Zürich her im Stau und liess durchs Telefon entschuldigend verlauten, die erste Runde im Stadionbeizli gehe auf ihn.
So unkompliziert, sympathisch und geerdet entpuppte sich der 34-Jährige, der einst in der russischen Liga bei Rubin Kazan den Durchbruch als Profi schaffte, dort auch Österreichs damaligen Nationaltrainer Marcel Koller auf sich aufmerksam machte, für das Geburtsland seines Vaters sechs Partien, darunter WM-Qualispiele, absolvierte, um danach in die Premiere League zu wechseln, auch im Gespräch.

Zwei Saisons spielte er dort an der Seite Xherdan Shaqiris, wurde aber nach dem Abstieg in die 2. Liga zu Celtic Glasgow nach Schottland verliehen, wo er in der Saison 2019/20 Meister und Ligapokalsieger wurde. In den Reihen von Servette Genf beendete er seine Karriere 2023 aufgrund seiner Hüftprobleme.
Redaktion: Im Alter von 12 Jahren traten Sie dem SC Veltheim bei, wie kam es dazu?
Moritz Bauer: Es ist zwar nicht die bekannte Strassenfussballer-Story. Mit meinen Freunden kickte ich als Kind jedoch in jeder freien Minute auf dem roten Platz beim Schulhaus Rennweg. Da muss ich aufgefallen sein.
Heini Suter (SCV-Legende, langjähriges Vorstandsmitglied u.a. Juniorenobmann) lud mich in ein Training ein und schenkte mir meine ersten Schienbeinschoner. Diese trug ich seither in der ganzen Karriere und bis heute (lacht).

Redaktion: Später wechselten Sie zu GC und kehrten zwischenzeitlich zum FCW nach Winti zurück. 2011 wechselten Sie von der U21 des FCW zu jener von GC und waren auch Mitglied in der Schweizer U21-Nati.
Bauer: Es war eine verrückte Zeit. Im Alter von 19 Jahren hätte ich aufgrund meiner Hüftprobleme eigentlich mit Leistungssport aufhören müssen.
Unter anderem mit Pilates bekam ich die Schmerzen aber in den Griff. Mit gut 20 Jahren wollte ich dann mit dem Fussball aufhören, weil ich zwar nach wie vor leidenschaftlicher Kicker war, aber mit dem ganzen Fussballgeschäft enorme Mühe hatte.
Redaktion: Wie meinen Sie das?
Bauer: Schauen Sie, ich koche auch leidenschaftlich gerne, könnte aber nie als Koch in einem grossen 5-Stern-Hotel arbeiten. So ists auch mit dem Fussball. Stehe ich auf dem Platz, wie jetzt nach der Hüftoperation endlich wieder, möchte ich nach wie vor das Beste geben und meine Erfahrung auch jungen Spielern mitgeben können.
Sonst interessiert mich der Fussball überhaupt nicht. Ich besitze auch kein TV-Gerät, schaue und besuche keine Matches.

Redaktion: Nicht mal jene des FCW mit Torhüter Markus Kuster, mit dem Sie in der österreichischen Nati das Zimmer teilten?
Bauer: Mit ihm traf ich mich zu einem Kaffee weg vom Fussballplatz.
Redaktion: Sie haben auch die Pilotenlizenz, sind Sportlehrer und besitzen ein Pilatesstudio, trotzdem wollen Sie es beim SCV nun auch als Fussballer wieder wissen?
Bauer: (lacht) Eigentlich ists ein cooler Marketing-Gig von Veltheim. Sportchef Fabrizio Borsani vernahm, dass ich mit anderen einstigen Fussballkollegen ab und zu Fussball spiele. Er fragte mich letzten Montag spontan an und jetzt bin ich hier.
Für mich ist die Rückkehr eine passende Abrundung meiner Karriere. Priorität hat meine Hüfte. Kann ich mich nach der OP im Januar wieder beschwerdefrei auf dem Rasen bewegen, kann ich mir ein paar Teileinsätze für den SCV durchaus vorstellen. Schliesslich habe ich noch nie auf dem Hauptplatz des Flüeli gespielt.
Redaktion: Wie lange läuft der Vertrag auf dem Flüeli?
Bauer: (lacht) Ich habe keinen Vertrag unterschrieben, ich möchte hier ausloten, ob ich auf dem Rasen der Mannschaft noch etwas bringen kann, mehr nicht. Wenns sein muss, bezahle ich gar den Mitgliederbeitrag.
Redaktion: Sportchef Borsani meinte, dass Sie im Heimspiel gegen Wald (31.10.) erstmals auf dem Platz stehen könnten?
Bauer: Ich höre auf meinen Körper. Fühle ich mich nach ein paar Trainings bereit, entscheidet der Trainer, ob er mich aufstellen will oder nicht. Ich habe keine Ansprüche.
Redaktion: Immer wieder begrüsst Bauer eintreffende Spieler des SCV herzlich. Ihn freut es sichtlich.
Bauer: Da sind einige dabei, mit denen ich bereits mit den SCV-Junioren gekickt habe. Eine wirklich schöne Rückkehr.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.





