Winterthur

    Tössemer Märli feiert 50-Jahr-Jubiläum

    Claudia Naef Binz
    Claudia Naef Binz

    Winterthur Stadt,

    Das Tössemer Märli des Dramatischen Vereins Töss (DVT) feiert das 50-Jahr-Jubiläum. Vereinsmitglied Peter Rothlin blickt zurück.

    Peter Rothlin, langjähriges Aktivmitglied des Dramatischer Vereins Töss.
    Peter Rothlin, langjähriges Aktivmitglied des Dramatischen Vereins Töss. - zVg

    Peter Rothlin ist ein langjähriges Aktivmitglied des Dramatischen Vereins Töss, sein Vereinseintritt erfolgte 1980. Dieses Jahr spielt er im Stück «Frau Holle» mit, im kommenden Frühling wird er in einem Erwachsenen-Stück Regie führen.

    «Keiner kennt den Verein wohl so gut wie er», sagt die Vereinspräsidentin Christine Bachmann. Im Interview erzählt er, dass die Idee der Märchenaufführungen mehr oder weniger aus der Not entstand und wie er sich auf seine aktuelle Rolle als Gärtner vorbereitet .

    Redaktion: Sie sind seit 1980 Aktivmitglied, offenbar das langjährigste. Was hat Sie motiviert, so lange dabei zu sein?

    Peter Rothlin: Es gibt auch andere, langjährige Mitglieder, aber ja, ich bin dem Verein ohne Unterbrechung treu geblieben, aus einem einfachen Grund: Theaterspielen ist einfach toll.

    Herr Uhu Schuhuh und das kleine Gespenst (2023). - Märchenaufführungen: DVT
    Herr Uhu Schuhuh und das kleine Gespenst (2023). - Märchenaufführungen: DVT

    Redaktion: Welche Funktionen hatten Sie während dieser Zeit inne?

    Rothlin: So ziemlich alles, vom Einsatz an der Kasse, im Saaldienst, auf der Bühne, hinter der Bühne, als Lichttechniker – und auch Vorstandsmitglied war ich während zehn Jahren.

    Redaktion: Bei Frau Holle spielen Sie den Gärtner Blättli. Wie bereiten Sie sich auf die Rolle vor?

    Rothlin: Nicht speziell, da ich Frau Holle schon selber inszeniert habe, denn alle paar Jahre lassen wir ein Stück wiederaufleben. Wie bei allen Stücken lerne ich als erstes die Rolle auswendig. Als Kostüm reichen ein grosser Strohhut und eine grüne Schürze.

    Es gibt Vorgaben aus dem Drehbuch, wie diejenige, dass der Gärtner den «Pfnüsel» hat. Ich überlege aber, wie sich eine Rolle ausgestalten lässt, redet der Gärtner schnell oder langsam, was hat er für eine Haltung? Im Idealfall deckt sich das mit den Ideen der Regie.

    Redaktion: Sie werden nächstes Jahr Regie für ein Erwachsenen-Stück führen. Eine Premiere für Sie?

    Rothlin: Nein, ich habe bereits früher Regie geführt. Ich freue mich darauf, «Das (perfekte) Desaster-Dinner» auf die Bühne zu bringen. Ich habe die Adaption aus dem Österreichischen erarbeitet.

    Märchenhaft
    «Der Froschkönig» in einer Dialektfassung von Jörg Schneider unter der Regie von Emil Moser feierte am 21. November 1976 Premiere. - Märchenaufführungen: DVT

    Redaktion: Der Dramatische Verein wurde 1898 gegründet. Was gibt es dazu zu erzählen?

    Rothlin: Das war zu einer Zeit, als es noch nicht ein so grosses Unterhaltungsangebot gab. Unser Verein war 1906 Gründungsmitglied des Zentralverbandes Schweizerischer Dramatischer Vereine (heute Zentralverband Schweizer Volkstheater).

    Redaktion: Was gab vor 50 Jahren den Ausschlag, das Tössemer Märli ins Leben zu rufen?

    Rothlin: Die klassischen Abendunterhaltungen gingen zurück, es wurde schwieriger ein Publikum, aber auch Bühnendarsteller zu finden. Da wagte sich der Verein an die Märchenaufführungen, die dank der fixen Daten im November zu einem Publikumsmagnet wurden.

    Redaktion: Was hat sich in den 50 Jahren verändert?

    Rothlin: Wir haben uns vermehrt an Musicals gewagt, wie «Jim Knopf» von Michael Ende oder «Die Zauberorgel» von Jörg Schneider und Emil Moser.

    Redaktion: Was ist gleichgeblieben?

    Rothlin: Noch immer werden Kinder kribbelig. Es ist schön zu erleben, wie sie mitsingen und mitmachen.

    «Di chli Häx» nach dem Buch «Die kleine Hexe» nach Ottfried Preussler wurde letztes Jahr gespielt.
    «Di chli Häx» nach dem Buch «Die kleine Hexe» nach Ottfried Preussler wurde letztes Jahr gespielt. - Märchenaufführungen: DVT

    Redaktion: Sind Märchen immer noch zeitgemäss?

    Rothlin: Wir führen nicht nur Grimm-Märchen, sondern auch moderne Geschichten auf wie von Otfried Preussler, wie «Die kleine Hexe» und «Das kleine Gespenst». Und eben, wir haben uns an Musicals gewagt.

    Redaktion: Dieses Jahr findet das Märli zum letzten Mal in Seuzach statt. Was ist der Grund?

    Rothlin: Der Aufwand für die Verschiebung der ganzen Kulisse wurde einfach zu gross und ist mit den Mitgliedern nicht mehr zu stemmen.

    Redaktion: Was war besonders in der Zeit?

    Rothlin: Wir durften viele Gastspiele aufführen, wie in Neftenbach, Wiesendangen und Seuzach. Einmal wurden wir von einem Gartencenter in Schinznach eingeladen, «Jim Knopf» zum Jubiläum aufzuführen, der Transport des Bühnenbilds war organisiert.

    Ein anderes Mal hatten wir bei Räuber Hotzenplotz einen so grossen Andrang, dass wir eine Zusatzvorstellung anboten, wir spielten an einem einzigen Sonntag drei Mal hintereinander.

    Märchenhaft
    Neuauflage des «Froschkönig» 2014, Regie Peter Rothlin. - Märchenaufführungen: DVT

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.

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