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    Zoo Zürich – Severin Dressen: «Vielschichtige Amphibien»

    Severin Dressen
    Severin Dressen

    Zürich,

    Was lange als eine Tierart galt, sind in Wirklichkeit mehrere. Severin Dressen zeigt, wie neue Forschungsmethoden den Artenschutz verändern.

    Severin Dressen
    Severin Dressen ist Direktor im Zoo Zürich. - zVg

    Das Wichtigste in Kürze

    • Severin Dressen, Direktor Zoo Zürich, schreibt regelmässig eine Kolumne.
    • Dressen berichtet über Neues und Wissenswertes aus seinem Tiergarten.
    • Heute geht es um Krokodilmolche aus Nordvietnam und Südchina.

    Es war einmal ein Stachliger Krokodilmolch. Der lebte mit vielen anderen Stachligen Krokodilmolchen in den subtropischen Wäldern Nordvietnams und Südchinas. Dort vermehrte er sich und führte ein sicheres Dasein.

    An dieser Stelle könnte die Geschichte bereits zu Ende sein. Ist sie aber nicht. Denn die Natur zeigt uns immer wieder eindrucksvoll, dass sie vielschichtiger und spannender ist, als wir häufig meinen.

    Andere Gene, neue Arten

    So auch in diesem Fall. Etwa ab den 2000er Jahren wurden molekulargenetischen Methoden einfacher anwendbar für die Untersuchung von Arten. Die vermehrte Anwendung in Verbindung mit Feldforschungen führte dann zu einigen Überraschungen, so auch beim Stachligen Krokodilmolch (Tylototriton asperrimus).

    Hinter dieser vermeintlich «einen Art» verbargen sich mehrere verschiedene Arten. Eine davon erhielt erst 2013 ihren wissenschaftlichen Namen: Zieglers Krokodilmolch (Tylototriton ziegleri). Dieses Phänomen nennen Fachleute «kryptische Diversität».

    Vielschichtige Amphibien
    Wurde erst im Jahr 2013 als eigene Art erkannt: Zieglers-Krokodilmolch im Zoo Zürich. - Zoo Zürich; Tim Benz

    Kryptische Arten sehen sich so ähnlich, dass sie lange Zeit für dieselbe Art gehalten werden. Erst moderne Forschungsmethoden offenbaren die verborgenen Unterschiede. Das mag nach akademischer Haarspalterei klingen, hat aber grosse Konsequenzen für den Artenschutz.

    Denn aus einer vermeintlich häufigen Art wird plötzlich eine Vielzahl von Spezialisten mit kleinen Verbreitungsgebieten und oft deutlich höheren Risiken auszusterben. Das gilt auch für den Zieglers Krokodilmolch. Auf den ersten Blick wirkt der Molch eher unscheinbar.

    Erst bei genauerem Hinsehen fallen die orange-roten Finger- und Zehenspitzen auf. Solche auffälligen Farben dienen oft als Warnsignal. Sie können möglichen Fressfeinden signalisieren: Vorsicht, mit mir ist nicht zu spassen.

    Regen bringt Kindersegen

    Überraschend ist auch die Fortpflanzungsstrategie des Molchs, mit der er sich perfekt an seinen Lebensraum angepasst hat. Die Art existiert nur noch in kleinen Populationen in wenigen feuchten Bergwäldern Nordvietnams und im angrenzenden China. Hier entstehen Kleingewässer oft nur während der Regenzeit.

    Gehst du gerne in den Zoo Zürich?

    Anders als viele Amphibien legt das Weibchen seine Eier daher nicht direkt ins Wasser. Stattdessen werden sie an feuchten Stellen abgelegt. Erst die schlüpfenden Larven gelangen dann durch starke Regenfälle in neu entstandene Kleingewässer, wo sie ihre Entwicklung fortsetzen.

    Ein raffinierter Schachzug der Natur, der aber nur funktioniert, solange solche Nischen existieren. Waldrodungen und Bergbau lassen den spezifischen Lebensraum des Molchs zunehmend schrumpfen. Und so gilt der Zieglers Krokodilmolch bereits kurz nach seiner Entdeckung als gefährdet.

    Seit Kurzem leben auch im Zoo Zürich 16 Tiere, die Teil einer internationalen Reservepopulation sind – eine wichtige Massnahme, um die Art langfristig zu bewahren. Damit ist die Art noch nicht für immer gerettet. Aber ihre Chancen auf ein märchenhaftes Happy End sind damit zumindest um einiges besser.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #6401 (nicht angemeldet)

    Mit Dressen geht's nur noch bergab....

    User #5407 (nicht angemeldet)

    Der Zürich Zoo, hat sich massiv verändert, wann wird die nächste Tierart verdrängt ! Für Kriechtiere ist 32 Fr Eintritt zu viel ! Schade 🤔🤨

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