Stadt Zürich

Quartierblock: Zwist um Verkehrsfluss in Zürcher Quartier

Pia Meier
Pia Meier

Zürich,

Der geplante Quartierblock in Riesbach sorgt für Streit. Die FDP übt Kritik. Die Stadt wiederum hat das Projekt angepasst.

Zwist um Verkehrsfluss
Die Kreuzung Dufour-/Hornbachstrasse: Hier hätte ein neuer Quartierplatz entstehen sollen. - Pia Meier

In Riesbach gehen die Vorstellungen von Quartierverein und FDP über die Ausgestaltung des geplanten Quartierblocks weit auseinander. Nun hat die Stadt einen Kompromiss ausgearbeitet und das Projekt angepasst. Eine markante Änderung: Die Aufwertung der Kreuzung Dufour-/Hornbachstrasse ist nicht mehr als Massnahme aufgeführt.

Dort hätte ein Platz ähnlich dem Röntgenplatz im Kreis 5 entstehen sollen. Der Quartierblock soll im Gebiet Dufour-/Hornbachstrasse entstehen. Unter anderem soll die Hornbachstrasse im Zusammenhang mit der Renaturierung des Hornbachs aufgewertet und die Baurwiese bewahrt werden.

Riesbach ist eines von vier Pilotgebieten, in denen das Tiefbauamt derzeit das Konzept «Quartierblöcke» entwickelt. Die weiteren befinden sich in Aussersihl, Unterstrass und Seebach.

Die Quartierblöcke sollen die Quartierstrassen vom motorisierten Durchgangsverkehr entlasten und mehr Platz für das Quartierleben und Grünraum schaffen.

Auch der Kommunale Richtplan Verkehr sieht vor, die Stadtquartiere in kleinere Quartierblöcke aufzuteilen. «Strassenräume müssen verstärkt Platz für Aufenthalt, Hitzeminderung und den Fuss- und Veloverkehr bieten», so das Tiefbauamt. Quartierblöcke umfassen mehrere Quartierstrassen und Häuserreihen.

Mit verkehrlichen Massnahmen wie beispielsweise Einbahnstrassen oder Sackgassen soll der Durchgangsverkehr unterbunden werden. Die Zu- und Wegfahrt von Anwohnenden, Beschäftigten, Notfalldiensten sowie für die Entsorgung sollen allerdings gewährleistet bleiben.

Der FDP gebeugt?

Drei Veranstaltungen und eine Onlineumfrage wurden zum Quartierblock Riesbach durchgeführt.

«Im Vergleich zu den anderen Pilot-Quartieren war die Zustimmung zu den Massnahmen im Quartierblock Riesbach geringer. Das zeigte sich sowohl im Dialog mit den Teilnehmenden der Mitwirkungsveranstaltungen als auch bei der Onlineumfrage», fasst das Tiefbauamt zusammen.

Von Seite der FDP sei eine Petition «zur kritischen Überprüfung der Notwendigkeit des Quartierblocks» und vom Quartierverein ein Schreiben mit der Forderung «nach weiterführenden Massnahmen» eingegangen.

Der Quartierverein Riesbach setzt sich stark für den Quartierblock ein. «Das Projekt wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig unterstützt», betont der Vorstand. «Nach einem positiven Start standen aber plötzlich bezüglich Durchgangsverkehr nur noch kosmetische Massnahmen im Mittelpunkt.»

Der Vorstand habe daraufhin Tiefbauvorsteherin Simone Brander Vorschläge unterbreitet, wie der Verkehrsfluss trotzdem reduziert werden könnte. So schlug er vor, dass die Abbiegemöglichkeiten von der Baurstrasse und von der Seefeld- in die Alderstrasse unterbunden werden könnten.

Das Tiefbauamt betonte, dass Verkehrsmessungen notwendig seien, diese aber erst nach Abschluss der Bauarbeiten an der Bellerivestrasse durchgeführt werden könnten.

«Offensichtlich hat sich die Stadt den Argumenten der FDP gebeugt, die eine Petition eingereicht hat», moniert der Vorstand.

Ein Marschhalt

Die Petition der FDP verlangt von der Stadt einen Marschhalt. «Wir sind nicht per se gegen Quartierblöcke. Wir hinterfragen aber die Notwendigkeit solcher Konzepte», sagt FDP-Gemeinderätin Alana Gerdes.

Riesbach sei bereits ein sehr lebenswertes Quartier, welches – mit Ausnahme der jetzigen Baustelle an der Bellerivestrasse – an sich kein ersichtliches Verkehrsproblem habe.

Zusätzlich befürchte die FDP negative Auswirkungen auf das Gewerbe, eine Verkehrsverlagerung auf weitere Quartierstrassen sowie eine erhöhte Lärmbelastung durch den Suchverkehr.

«Vertreterinnen und Vertreter der FDP 7+8 werden im Gemeinderat eine schriftliche Anfrage zum geplanten Quartierblock einreichen, da die Antwort des Stadtrats nicht vollständig überzeugt hat und nicht auf alle Anliegen eingegangen ist.»

Gemäss Tiefbauamt sollen die angepassten Massnahmen einen Mittelweg zwischen den unterschiedlichen Forderungen darstellen. Damit ist allerdings noch nicht entschieden, wie stark der Durchgangsverkehr künftig eingeschränkt wird.

Der Verkehr soll nach Abschluss der Bauarbeiten an der Bellerivestrasse voraussichtlich Anfang 2027 gemessen werden. Danach sollen die Massnahmen festgelegt und publiziert werden.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

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