Zürcher Bootsfahrlehrer: Noch 15cm – «dann ist Game Over!»

Der Zürichsee-Pegel lag zuletzt einen halben Meter tiefer als im August üblich. Ein Bootsfahrlehrer kann seine Schüler nicht mehr aus dem Hafen fahren lassen.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Nau.ch hat in Erlenbach ZH den Bootsfahrlehrer René Chochard besucht.
- Seinen Unterricht muss er infolge des tiefen Wasserstands des Zürichsees anpassen.
- Sinke der Pegel weitere 15 Zentimeter, komme er mit dem Boot nicht mehr heraus, so Chochard.
Die Hitzewelle der vergangenen Wochen liess den Zürichsee immer tiefer sinken. Der Wasserpegel erreichte mit 404,45 Metern über Meer sogar den tiefsten Stand seit Messbeginn im Jahr 1951.
Das hat nicht etwa nur für die Fähre zwischen Horgen und Meilen Konsequenzen, die nur noch beschränkt benutzbar ist. Auch kleinere Boote sind betroffen – und damit Bootsfahrlehrer wie René Chochard.
Nau.ch hat ihn in Erlenbach ZH besucht (Video oben).
Chochard macht Der tiefe Wasserstand des Zürichsees Sorgen. Sinke er noch um weitere 15 bis 20 Zentimeter, «dann ist Game Over mit Hinausfahren», sagt er.
Bootsfahrlehrer lässt Schüler nicht mehr aus dem Hafen manövrieren
Zuhinterst im Hafen würde der Propeller der Boote bereits den Grund berühren, erklärt Chochard. Es verbleibe nur eine enge Fahrrinne, auf der er sein Boot sicher auf den See hinaus steuern könne. «Und das aber auch nur, wenn man den Propeller hinten hochnimmt.»
Im Hafen selbst fährt aufgrund des tiefen Pegelstandes nur Der Lehrer selbst – die Schüler übernehmen erst auf dem tiefen See.
Wasserstand bleibt stabil, aber «stark unterdurchschnittlich»
Eine erste – wenn auch nur kleine – Erleichterung erlebte der Zürichsee Ende der letzten Woche. Nach den Regenfällen stieg der Wasserstand um rund zehn Zentimeter an. Am Dienstagnachmittag betrug er 405,54 Meter.
Der Regen von heute Dienstagmorgen wird aber nicht wirklich einen weiteren Anstieg verursachen, schreibt das Bundesamt für Umwelt auf Anfrage. Der See werde auf stabilem Niveau bleiben, «voraussichtlich auch während der nächsten Tage».

Heisst: «Der Zürichsee wird auf stark unterdurchschnittlichem Niveau verbleiben.»
Zurück nach Erlenbach: Als Bootsfahrlehrer sei man während einer Hitzewelle «brutal belastet», sagt René Chochard zu Nau.ch.
Der Sonne und Hitze sei man auf dem Wasser, je nach Arbeitspensum, tagelang «voll ausgesetzt». Biete ein Boot keinen Schutz vor der Sonne, würden die Lehrer ihre Lektionen reduzieren.
Folglich kommen auch Gedanken über die Zukunft auf. Die Frage lautet für Chochard, ob der Hitzesommer 2026 «eine einmalige Geschichte ist oder zur Normalität wird».
Letzteres hoffe man «natürlich nicht», sagt Der Bootsfahrlehrer.
Teil der Bootsprüfungen fällt wegen tiefem Pegel weg
In der Gegenwart müssen sich Chochard und Co. den Bedingungen anpassen. Das betrifft auch die Prüfungen, denen sich ihre Schülerinnen und Schüler unterziehen müssen. Einige Unterrichtsinhalte können derzeit nicht getestet werden.
«Der Ablauf der Prüfungen hat sich verändert. Bei gewissen Häfen können wir gewisse Manöver nicht mehr machen», erklärt Chochard.
Im Hafen von Horgen sei etwa das Ankermanöver momentan nicht mehr möglich. Dazu sei das Wasser zu wenig tief «und hat vor allem zu viele Algen».
Immerhin: Es sei nun absehbarer, in welche Häfen die Experten bei den Prüfungen gehen, sagt Bootsfahrlehrer Chochard. «Also können wir dort besser trainieren und die Schüler sind besser darauf vorbereitet.»


















