Stadt Zürich

Angelica Moser: «Will in Zürich zuoberst auf das Podest»

Sacha Beuth
Sacha Beuth

Zürich,

An der Leichtathletik-EM in Birmingham hat Stabhochspringerin Angelica Moser (28) ihren Titel souverän verteidigt. Nun will sie auch in Zürich angreifen.

Angelica Moser
Will auch bei Weltklasse Zürich hoch hinaus: Die frischgebackene EM-Titelverteidigerin im Stabhochsprung, Angelica Moser. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • An der EM in Birmingham springt Angelica Moser (28) zum Titel.
  • Nun tritt die Zürcherin beim Diamond-League-Meeting im Letzigrund an.
  • Welche Ziele sie dort verfolgt, verrät die Stabhochspringerin im Interview.

Redaktion: Gratulation zum erneuten EM-Sieg. Kaum gewonnen, müssen Sie an Weltklasse Zürich schon wieder einen Wettkampf absolvieren. Wann kamen sie das erste Mal mit Weltklasse Zürich in Kontakt?

Angelica Moser: Ich könnte jetzt nicht einmal das genaue Jahr sagen. Aber weil meine Eltern beide früher ebenfalls Leichtathleten waren, besuchten wir das Meeting häufig als Zuschauer. Im Rahmen des Meetings habe ich auch oft an «Jugend trainiert mit Weltklasse Zürich» teilgenommen.

Es war damals schon ein Ereignis für mich, weil es halt so nah war und so viele Top-Athletinnen und -Athleten aus der ganzen Welt da waren. 2015 habe ich mich dann selber dem LCZ angeschlossen, da wurde das Verhältnis noch ein wenig spezieller. Jetzt bin ich seit vielen Jahren schon Botschafterin dieses Meetings.

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Angelica Moser fühlt sich beim Meeting in Zürich immer besonders wohl. - keystone

Redaktion: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt bei Weltklasse?

Moser: Ja, ich erinnere mich gut. Das war 2015, und es waren spannende Wochen für mich. Zuerst durfte ich in der letzten Augustwoche erstmals an den Weltmeisterschaften der Elite in Peking teilnehmen, da war ich 17-jährig.

Und als wir heimkamen, fand gleich Weltklasse Zürich statt. Alle flogen von Peking direkt nach Zürich. Das war schon eine Ehre für mich, dass ich so jung schon dabei sein durfte.

Zuvor war ich an der WM 4,15 m in der Qualifikation gesprungen und verpasste den Final. In Zürich schaffte ich dann 4,17 m – und wurde Letzte (lacht). Aber es war ein guter Anfang, wir sprangen im Letzigrund, die Stimmung war mega.

Angelica Moser
Angelica Moser beim Diamond League Meeting in Zürich im Jahr 2018. - keystone

Redaktion: Welche Bedeutung hat für Sie eine Teilnahme an Weltklasse Zürich? Wo stufen Sie sie in der Werteskala aller Wettkämpfe – Schweizer Meisterschaften bis Olympia – ein?

Moser: Die Teilnahme hat schon eine riesige Bedeutung. Weltklasse Zürich und Athletissima Lausanne sind für uns Schweizer Athleten die coolsten Diamond-League-Meetings des Jahres. Man spürt den Heimbonus, die Freunde sind da, die Familie schaut zu – das ist immer speziell.

In Zürich ist es noch ein wenig spezieller, weil wir einen Tag vor dem Hauptmeeting mitten im Hauptbahnhof springen. Dort sind wir dem Publikum extrem nah. Da sieht man immer wieder bekannte Gesichter.

Gewinnt Angelica Moser den Wettkampf in Zürich?

Es ist super zu sehen, wie viele Leute mitfiebern, das hilft enorm. Aber klar, Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften haben eine andere Bedeutung: Sie finden nicht alle Jahre statt, und es werden Titel verteilt, die einen dann begleiten. Ich war jetzt zwei Jahre lang «Europameisterin Angelica Moser» und werde es zwei weitere Jahre sein.

Aber ich möchte die einzelnen Events gar nicht vergleichen, weil alle ihre Bedeutung haben. Auch Schweizer Meisterschaften. Sie sind für unseren Sport im Land enorm wichtig.

Redaktion: Welches Ziel haben Sie sich für die diesjährige Austragung gesetzt?

Moser: (schmunzelt) Ich stand diese Saison schon einige Male auf dem Podest mitsamt der EM, also sollte es in Zürich nicht anders sein. Am liebsten natürlich auch zuoberst. Dafür muss ich aber die ganze Weltelite schlagen, Olympiasiegerin Nina Kennedy, Katie Moon, die Weltmeisterin von letztem Jahr, und es gibt noch einige mehr, die das Gleiche wollen wie ich.

Angelica Moser
Angelica Moser mit ihrer Goldmedaille von der EM in Birmingham. - keystone

Redaktion: Ist es eher ein Vor- oder eher ein Nachteil, so kurz nach der EM wieder an einem hochkarätigen Wettkampf teilzunehmen?

Moser: Wir treten ja am nächsten Freitag noch in Lausanne an, und erst dann folgt Zürich. Aber es ist sicher ein Vorteil, speziell jetzt für mich, weil ich zwischendurch noch an einer Verletzung laborierte. Wer an der EM glänzte, kann den Schwung in die Diamond League mitnehmen – hoffe ich jedenfalls.

Und wem die EM nicht gut gelang, der bekommt nochmals mehrere Chancen. Die Stabhochsprungdisziplin wird normalerweise im Hauptbahnhof oder auf dem Sechseläutenplatz ausgetragen.

Redaktion: Fühlt man sich da nicht als Leichtathletin zweiter Klasse, weil man nicht im Letzi-grund und nicht am Haupttag des Meetings auftreten darf beziehungsweise kann?

Moser: Nein, überhaupt nicht! Ich sehe das eher umgekehrt: Wir Stabhochspringerinnen bekommen eine exklusive Bühne, ein eigenes Publikum und sehr viel Aufmerksamkeit, die wir im Letzigrundstadion vielleicht nicht einmal hätten.

Diamond League
Spezielle Kulisse: Der Stabhochsprung-Wettkampf im Rahmen des Diamond League Meetings in Zürich in der Bahnhofshalle. - keystone

Redaktion: Was macht Weltklasse Zürich so besonders? Und wo gibt es gegebenenfalls noch Luft nach oben?

Moser: Die erste Frage ist einfach: Dieses Meeting hat eine so grosse und lange Tradition, dass es allen Spitzenleichtathleten der Welt ein Begriff ist. Man hat es immer geschafft, die Besten am Start zu haben, und man hat es verstanden, ihnen ein familiäres Umfeld zu bieten.

Denn man darf nicht vergessen, dass viele Athleten aus Übersee den Sommer in Europa verbringen – für die Meetings.

Dann ist es schön, an einen Ort zu kommen, wo speziell für einen gesorgt wird. Auf die zweite Frage weiss ich keine Antwort. Ich glaube, sowohl dem Publikum als auch uns wird das Bestmögliche geboten.

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #4654 (nicht angemeldet)

Am Donnerstag gibt es im Letzigrund ein Andelsänger-Fingerfäst..

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