Stadt Zürich

Auch Schweizer wohl von Skandal-Arzt missbraucht

Laurin Zaugg
Laurin Zaugg

Zürich,

Ein Arzt aus Graz (Ö) sitzt aktuell wegen Verdacht auf Missbrauch in Zürich in U-Haft. Nun meldet sich ein Schweizer, der zu den mutmasslichen Opfern gehört.

Skandal-Arzt
Ein Schweizer wurde offenbar Opfer des österreichischen Skandal-Arztes. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein österreichischer Arzt sitzt aktuell wegen Missbrauchsvorwürfen in Zürich in U-Haft.
  • Auch ein Schweizer ist unter den mutmasslichen Opfern.
  • Er ist der erste Mann, der über seine Erfahrungen mit dem Skandal-Arzt berichtet.

«Ich bin wütend und fühle mich vergewaltigt», sagt ein Schweizer zur «Kronen Zeitung». Er gehört mutmasslich zu den Opfern eines österreichischen Arztes, der seine Patientinnen und Patienten missbraucht haben soll.

Wie Nau.ch vergangene Woche von der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft erfuhr, befindet sich der 65-jährige Gastroenterologe in Zürich in Untersuchungshaft.

Gemäss der österreichischen Zeitung soll sich eine verdeckte Ermittlerin als Patientin ausgegeben haben und ihn anschliessend festgenommen haben. Bisher wurde angenommen, dass sich nur Frauen unter den Opfern des Arztes befinden. Das ändert sich nun.

«Er hat dasselbe 2023 mit mir gemacht», sagt ein Schweizer gegenüber der Zeitung und beschreibt, was vorgefallen war. Er habe Beschwerden gehabt und deshalb im Telefonbuch nach einem Arzt gesucht. Daraufhin besuchte er die Zürcher Zweitpraxis des Österreichers.

Bereits im Wartebereich ungutes Gefühl

Bereits bei seiner Ankunft im Wartebereich wurde er etwas stutzig: «Da lag ein Kunstbuch, das Menschen beim Geschlechtsakt zeigte, das war unpassend.»

Beim Betreten des Untersuchungszimmers wurde es nicht besser. Der Gynäkologen-Stuhl, auf dem er untersucht wurde, «sah aus, als hätte er ihn beim Flohmarkt gekauft», so der Schweizer. Im Nachhinein geht er davon aus, gefilmt worden zu sein: «Ja, das glaube ich.»

Der Mann musste sich zur Untersuchung auf den Stuhl setzten und seine Hose bis zu den Knien runterziehen. «Es wirkte, als würde sie ihm als Sichtschutz dienen, da ich die Beine spreizen musste», sagt er.

«Ich wurde auch nicht gefragt, ob ich sediert werden will»

Dabei blieb es nicht: «Ich wurde auch nicht gefragt, ob ich sediert werden will. Mein Geschlechtsteil musste ich mit blossen Händen halten.»

Die Untersuchung sei furchtbar schmerzhaft gewesen. Das schien dem Arzt jedoch egal gewesen zu sein. Er habe den Patienten angeschnauzt, er solle sich nicht so anstellen.

Arzt
Die Behandlung sei sehr schmerzhaft gewesen, der Arzt zudem unfreundlich. - keystone

Doch nicht nur der Arzt an sich sei irritierend gewesen: «Er hatte eine lasziv wirkende Gehilfin. Die Frau hatte knallrote Lippen, einen tiefen Ausschnitt, aus dem ein ebenso roter BH hervorblitzte, und rote Stöckelschuhe. Sie streichelte mir immer wieder über die Schulter.»

Der Schweizer litt nach dem Horror-Arztbesuch drei Tage lang unter Schmerzen. Er wendet sich an weitere Betroffene: «Nun möchte ich anderen Opfern Mut machen: Geht zur Polizei!»

Das sind die Vorwürfe

Dem Grazer Gastroenterologen wird vorgeworfen, jahrelang Patientinnen heimlich gefilmt, teilweise sediert und missbraucht zu haben. Ins Rollen brachte den Fall eine Frau, als sie in einer Nastüechli-Box eine versteckte Kamera entdeckte. Sie erstattete daraufhin Anzeige.

Hast du schon unangenehme Situationen beim Arzt erlebt?

Laut der österreichischen Zeitung führte der Mann Handlungen im Intimbereich durch, die nicht den Beschwerden entsprachen.

Acht Betroffene sind bekannt. Die Polizei geht von weiteren Opfern aus. Die Staatsanwaltschaft Graz teilte am Montag mit, dass mindestens ein Opfer minderjährig war.

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