«Carlabelle»: «Lasst uns die modernste Rennstrecke Europas bauen!»

Im Ausland werden Risiken genommen, die Schweiz präsentiert sich übervorsichtig. Stösst ausgerechnet ein gekipptes Verbot jetzt mal die Innovations-Türe auf?

Das Wichtigste in Kürze
- Carla Welti ist von Autos und vom Motorsport «komplett angefressen».
- Auf Instagram folgen der Zürcherin unter «Carlabelle» rund 18’000 Motorsport-Fans.
- Bei Nau.ch teilt Welti ihre Erlebnisse aus der automobilen Welt.
Letztens war ich in Italien.
Und irgendwie sieht die Welt heute einfach anders aus. In Mailand war ich für Meetings – und anstatt Fiat fahren gefühlt heute alle Dacia.
Aus Italien bin ich nach München geflogen für die Weltpremiere des XPENG LO3 und die Vorstellung all ihrer technischen Ambitionen – und anscheinend soll unsere Zukunft von «Physical AI» übernommen werden.
Von der Reiserei zurück in der Schweiz angekommen – und auf einmal ist das auf 1955 zurückgehende Rundstreckenrennen-Verbot aufgehoben. Irgendwie wirkt kaum noch etwas unmöglich gerade. Wie ihr das bewerten wollt, überlasse ich vorerst euch.

1958 entschied sich die Schweiz – als Folge des schweren Unfalls beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans drei Jahre zuvor – gegen Rundstreckenrennen.
Bestehen blieb dieses Verbot während 69 Jahren. Das allein sagt eigentlich schon ziemlich viel darüber aus, wie die Schweiz tickt: Lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu mutig, und lieber besonders lange überlegen.
Mein Motorsport-Herz freut sich natürlich riesig über die aufgehobene Barriere. Gleichzeitig stellt sich sofort die nächste Frage: Wo sollen wir überhaupt fahren?
Bis auf die kleine Anlage des «Circuit de Lignières», die nun wirklich nicht als aktive Rennstrecke betitelt werden kann, besitzt die Schweiz keine Rennstrecke, die internationalem Motorsport gerecht werden würde.

Die Tür zum Bau einer neuen Strecke scheint damit geöffnet. Irgendwie wirkt das ganze aber doch wie eine klassische «Road-Runner-Situation», die auf die Felswand gepinselte Tunnel: Vor uns scheint ein Weg zu liegen – bis man merkt, dass da eigentlich keiner ist.
Unzählige Bewilligungsverfahren und jahrelange Einsprachen stehen denjenigen bevor, die den Traum einer Schweizer Rennstrecke verwirklichen wollen, und nicht zuletzt braucht es für den Bau überhaupt erst einmal genügend Land.
Die Schweiz als Motorsport-Vorreiterland?
Nennt mich ruhig wahnsinnig, aber ich sehe hier eine Chance, nicht einfach «nur» eine Rennstrecke zu bauen – sondern die modernste Europas. Eine Strecke, die Energie zurückgewinnt, konsequent erneuerbare Energien nutzt, Biodiversität mitdenkt und zeigt, dass Motorsport und Nachhaltigkeit sich längst nicht mehr ausschliessen müssen.
Das dazu nötige technische Know-how besitzen wir in der Schweiz. Die finanziellen Mittel sind im Grossen und Ganzen auch da. Vielleicht braucht es manchmal genau solche Entscheidungen zu solchen Passionsprojekten, damit ein Land nicht nur seine Vergangenheit verwaltet, sondern seine Zukunft gestaltet.

Jetzt fehlt es nur noch an jemandem, der oder die verrückt genug ist, dieses Herzensprojekt anzupacken. Damit wir endlich auch hier wieder im Kreis fahren können. Falls ihr jemanden kennt – ihr wisst ja, wo ihr mich findet.





