Bildung: Gymiprüfung nicht bestanden – diese Wege stehen offen

Mehr als die Hälfte der Kinder besteht die Zürcher Gymiprüfung nicht. Welcher Weg danach offensteht, hängt vor allem vom Alter ab.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Schuljahr 2025/26 wurden im Kanton Zürich 15'759 Aufnahmeprüfungen abgelegt. Bestanden wurden 8060.
- Für ein Gymnasium lag die Bestehensquote bei 48,2 Prozent.
- Wer nach der 2. Sekundarklasse scheitert, darf aus der 3. erneut antreten.
- Die Laufbahnberatung im biz kostet für unter 20-Jährige nichts.
Es sind zwei Zeilen auf einem Blatt Papier, und sie kippen die Stimmung in einer Wohnung für Wochen. Die Prüfung wurde nicht bestanden.
Wer das gerade zu Hause hat, sollte zuerst eine Zahl kennen. Im Schuljahr 2025/26 wurden im Kanton Zürich 15'759 Aufnahmeprüfungen abgelegt. Bestanden wurden 8060.
Für ein Gymnasium lag der Anteil bei 48,2 Prozent, wie die Bildungsdirektion im Mai mitteilte. Beim Langgymnasium treten von hundert Sechstklässlern rund 29 an, rund 15 bestehen.
Durchfallen ist in diesem System eingebaut. Was danach möglich ist, hängt vor allem vom Alter ab.
Darf man die Prüfung wiederholen?
Ja, grundsätzlich schon. Die Zürcher Aufnahmeverordnung sagt in Paragraf 41: «Die Prüfungen können am ordentlichen Prüfungstermin wiederholt werden.» Eine Höchstzahl an Versuchen nennt sie nicht.

Die Einschränkung liegt woanders. Wer nach der 6. Primarklasse scheitert und dann in die Sekundarschule wechselt, ist zur Langgymnasiums-Prüfung nicht mehr zugelassen.
Für die Sekundarschule gilt das Gegenteil. Antreten darf, wer die 2. oder die 3. Klasse besucht. Aus der 2. Sek bestanden 40,2 Prozent, aus der 3. Sek 47,0 Prozent.
Gibt es einen Weg ohne Prüfung?
Nein. Wer im Kanton Zürich ein Gymnasium besuchen will, muss die Zentrale Aufnahmeprüfung bestehen. Eine Empfehlung der Lehrperson ersetzt sie nicht.

Prüfungsfrei kommt nur weiter, wer bereits an einer Mittelschule ist. Auch nach einer nicht bestandenen Probezeit gibt es keinen Wiedereintritt ohne Prüfung.
Lohnt sich ein Rekurs?
Der Rechtsweg steht offen, hat aber zwei Haken. Die Bildungsdirektion schreibt selbst, dass ein Rekurs gegen einen Prüfungsentscheid nicht dazu führt, «dass die Prüfung als bestanden gilt». Und wer verliert, zahlt mindestens 1000 Franken Grundgebühr.
Welche Wege gibt es neben dem Gymnasium?
Im Kanton Zürich gehen 73,6 Prozent der Jugendlichen nach der Volksschule in eine Berufsbildung, 24,2 Prozent an ein Gymnasium. Die Lehre ist der Normalfall, nicht die Ausweichlösung.

Und sie schliesst die Matura nicht aus. Die Berufsmaturität lässt sich während der Lehre erwerben oder danach. Sie öffnet den prüfungsfreien Zugang zu einem verwandten Studiengang an einer Fachhochschule.
Wer an eine Universität will, legt danach die Passerelle ab. Diese Ergänzungsprüfung gilt zusammen mit der Berufsmaturität als gleichwertig zur gymnasialen Matura.
Und wenn es die Matura sein soll?
Dann gibt es einen Weg, der keine Vorbildung voraussetzt: die schweizerische Maturitätsprüfung, oft eidgenössische Matura genannt. Wer im Prüfungsjahr 18 wird, darf antreten, egal welche Schule er vorher besucht hat.
Die Prüfung nimmt die Schweizerische Maturitätskommission ab, nicht die Schule. Die Vorbereitung ist frei, an einer privaten Maturitätsschule oder im Selbststudium. Das Staatssekretariat für Bildung merkt an, dass Letzteres «eher selten gelingt».
Wie lange dauert der Umweg?
Wer die Matura später nachholt, ist im Schnitt zwischen 18 und 20 Jahre alt. Das sind zwei bis vier Jahre nach dem Zeitpunkt, an dem der Weg übers Gymnasium begonnen hätte.
Magda B. hat ihn genommen. Sie schloss 2020 ab und schrieb danach: «Am Anfang sehr anspruchsvoll, aber mit dem Material war das echt gut möglich. Ich habe die Matura mit sehr guten Noten geschafft und studiere jetzt an der HSG.»
Was Eltern jetzt tun können
Die konkreteste Hilfe ist kostenlos. Die Laufbahnberatung in den sieben Berufsinformationszentren des Kantons kostet für alle unter 20 Jahren nichts.

Lilian Dobler, Fachperson bei Pro Juventute, rät Eltern, auf Vorwürfe und Druck zu verzichten. Sie könnten dem Kind sagen, «dass eine schlechte Note nicht so schlimm ist, dass das jeder Person passieren kann und Noten nur eine Momentaufnahme sind». Jugendliche erreichen die Beratung rund um die Uhr unter der Nummer 147.
Eine unbequeme Wahrheit gehört dazu. Das Bildungssystem ist durchlässig, aber durchlässig heisst nicht voraussetzungsfrei. Die meisten dieser Wege verlangen Berufspraxis, eine Ergänzungsprüfung oder ein zusätzliches Jahr. Sie dauern länger. Verschlossen ist keiner.
Recherchiert und verfasst von der Academic Gateway AG in Zürich. Die Zahlen stammen aus der Medienmitteilung der Bildungsdirektion vom 12. Mai 2026, aus der Prüfungsstatistik des Mittelschul- und Berufsbildungsamts und vom Bundesamt für Statistik. Academic Gateway bereitet Erwachsene auf die eidgenössische Maturitätsprüfung vor und ist damit selbst einer der hier beschriebenen Wege. Stand: September 2026.





