Steve Merson: «Wenn etwas schiefläuft, mache ich eine Bäckerei auf»

Steve Merson mobilisiert mit seinen Social-Media-Auftritten Tausende Fans. Mit Nau.ch spricht er über Geld, seine schwierige Jugend und sein Liebesleben.
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Das Wichtigste in Kürze
- Steve Merson erreicht auf Social Media mehr als eine Million Menschen.
- 2025 verschenkte er 21 Roller, insgesamt waren es bereits 50 bis 60.
- Privat ist der Influencer nach einer siebenjährigen Beziehung wieder Single.
- Wenn seine Karriere kippt, will er mit seinem Team eine Bäckerei eröffnen.
Steve Merson (33) ist ein junges Internet-Phänomen. Wo der Influencer auftaucht, mobilisiert er die Massen, vor allem junge Fans. Was dann passiert, kann stellenweise schon etwas von Belagerungszustand haben.
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Nau.ch trifft ihn dort, wo alles begann: in seiner alten «Hood» im eher beschaulichen Adliswil ZH. Hier ist Merson aufgewachsen, lange bevor ihm auf Social-Media Hunderttausende Menschen folgten.
Die Sonnenbrille sitzt auch beim Interview auf der Nase. Sie ist längst sein Markenzeichen. Auf Instagram, TikTok und Snapchat erreicht Merson nach eigenen Angaben zusammen mehr als eine Million Follower.

Wie gross der Rummel werden kann, erlebt er regelmässig selbst. Bei einem seiner Events seien rund 1200 Menschen gekommen, erzählt er. Einige hätten stundenlang gewartet, nur um ihn zu sehen.
Auch ein normaler Besuch im Einkaufszentrum kann für den Influencer schnell zum Ereignis werden. Menschen erkennen ihn, laufen ihm hinterher, wollen Fotos oder Videos.
Manchmal müsse er sich deshalb sogar überlegen, wann er einkaufen gehe. Gelegentlich schicke er stattdessen einen Mitarbeiter.
Dabei ist Steve Merson eigentlich Stefano.
Aus Stefano wurde Steve
Der Spitzname begleitet ihn schon seit seiner Jugend und passte später auch zu seiner Zeit in der Gamer-Szene.
«Steve ist kurz und knackig», sagt er.
Seinen eigentlichen Namen mag er trotzdem. Seine Herkunft sei ihm wichtig, Merson ist halb Italiener, halb Schweizer.
Auch die Sonnenbrille wurde mit der Zeit Teil der Figur. Zu Beginn seiner TikTok-Zeit habe er noch stärker mit auffälligen Looks experimentiert, erzählt er.
Heute brauche er das nicht mehr. Die Brille ist geblieben. «Man braucht ein Markenzeichen», sagt Merson.
In Adliswil kommen derweil andere Erinnerungen hoch. Hier spielte er als Kind Fussball und wuchs bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf.
Seine ersten Jahre beschreibt er als glücklich. Doch die Familiengeschichte hat auch eine schwierige Seite.
Mit 14 zum drogensüchtigen Vater
Sein leiblicher Vater spielte zunächst kaum eine Rolle in Mersons Leben. Laut dem Influencer hatte dieser Drogenprobleme und kam erst wieder stärker in sein Leben, als Steve etwa 13 Jahre alt war.
Der Teenager fühlte sich von seinem Vater verstanden und akzeptiert. Wenig später zog er zu ihm nach Schlieren ZH.
Heute sieht Merson diesen Schritt kritisch. Sein Vater habe zwar ein gutes Herz gehabt, sei aber nicht darauf vorbereitet gewesen, mit einem Teenager zusammenzuleben.
«Es war auch ein Fehler», sagt Merson über den Umzug. Danach sei es bei ihm «ein wenig bergab gegangen». Dabei hatte er in der Schule ursprünglich ganz andere Pläne.
Sein Traum war die ETH
Merson bezeichnet sich selbst als früheren «Streber». Sein Berufswunsch damals: Elektroingenieur an der ETH.
Daraus wurde nichts. Stattdessen absolvierte er eine Ausbildung zum Informatiker.

Technik habe ihn schon immer fasziniert, erzählt er. Später arbeitete er bei der Landi und kam dort verstärkt mit Marketing und Social-Media in Berührung.
Dabei merkte er, dass ihm die kreative Arbeit liegt.
«Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas machen kann», sagt er heute über seine Karriere.
Inzwischen bezeichnet Merson Social-Media als seine Berufung. Er sieht sich als einen der Pioniere der Schweizer Influencer-Szene und sagt, sein Team habe Formate aufgebaut, an denen sich später auch andere orientierten.
Für ihn gehört ständige Veränderung dazu. Oder wie er es lieber nennt: Weiterentwicklung. Ein wichtiger Teil davon sind die Geschenkaktionen, mit denen Merson heute einen grossen Teil seiner Community erreicht.
Bereits 50 bis 60 Roller verschenkt
Bekannt wurde Merson vor allem mit diesen Aktionen. Roller, Handys, Erlebnisse oder Luxusartikel landen regelmässig bei seiner Community.
Allein 2025 verschenkte er nach eigenen Angaben 21 Roller. Insgesamt seien es inzwischen «sicher 50 bis 60». Bezahlt hat er diese allerdings nicht alle selbst. Viele Roller würden inzwischen von Unternehmen gesponsert.
Merson verzichtet dafür nach eigenen Angaben teilweise auf seine Gage und verschenkt stattdessen das Produkt. Vor allem früher habe er einen grossen Teil seiner Einnahmen wieder in die Community gesteckt.
Dass hinter den kurzen Clips ein Geschäft steckt, ist offensichtlich. Merson arbeitet inzwischen mit einem Team, in dem jeder sein Spezialgebiet habe.
Dabei betont er immer wieder, wie wichtig ihm Loyalität ist. Ohne die richtigen Leute sei sein Erfolg kaum möglich gewesen.
Steve Merson lebt von 1500 Franken
Nur beim eigenen Lohn gibt sich Merson erstaunlich bescheiden. Er zahle sich persönlich lediglich 1500 Franken im Monat aus, sagt er.
Wie man davon als erfolgreicher Influencer lebt? Merson lacht. «Da muss ich die Buchhaltung fragen.»
Dann wird er ernster: «Ich lebe okay.»
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Auf Nachfrage bestätigt er, dass er tatsächlich von diesen 1500 Franken lebe.
Ganz ohne Luxus ist sein Leben allerdings nicht. Am Handgelenk trägt Merson eine Rolex, die er sich irgendwann bewusst gegönnt habe. Auch ein Auto besitzt er, einen Seat.
Geld sei für ihn dennoch nicht das Wichtigste.
«Geld ist wichtig. Man braucht Geld zum Leben», sagt er. Viel entscheidender sei für ihn der «Impact», den er mit seinem Team habe.
Hinter 30 Sekunden Video steckt viel Arbeit
Was auf Social-Media locker und spontan aussieht, ist laut Merson oft das Gegenteil. Hinter grösseren Aktionen steckten detaillierte Planungen, Sicherheitskonzepte und teilweise wochenlange Vorbereitungen.
Dass er sich mit dem Thema auskennt, kommt nicht von ungefähr. Bei der Landi war Merson nach eigenen Angaben zusätzlich Sicherheitsbeauftragter.
Heute arbeitet er bei grossen Events mit Security-Mitarbeitern und plant im Voraus, wo sich Menschen bewegen und wohin er sich zurückziehen kann, falls es zu viel wird.
«Man sieht nur das virale Video von 30 Sekunden», sagt er sinngemäss. Die ganze Arbeit dahinter bekomme kaum jemand mit.
Was passiert, wenn alles plötzlich vorbei ist?
Doch Social-Media bleibt ein schnelllebiges Geschäft. Plattformen verändern sich, Trends verschwinden und ein Shitstorm kann jederzeit entstehen. Merson scheint sich darüber allerdings erstaunlich wenig Sorgen zu machen.
Und selbst wenn seine Karriere eines Tages ins Wanken geraten sollte, hätte er bereits einen Plan B.
«Wenn etwas schiefläuft, dann mache ich mit meinem Team eine Bäckerei auf», sagt er zu Nau.ch. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee offenbar nicht.

«Ich finde Bäckereien einfach cool», sagt Merson. Er sitze gerne dort, trinke Kaffee und entspanne. Nur beim Backen hapert es noch. Auf die Frage, ob er selbst backen könne, muss Merson lachen und verneint.
Mindestens für Social-Media seiner eigenen Bäckerei wäre er dafür bestens gerüstet.
Nach sieben Jahren wieder Single
Privat hat sich im Leben des Influencers ebenfalls einiges verändert. Merson ist derzeit Single. Zuvor war er sieben Jahre lang in einer Beziehung, die beiden lebten auch zusammen.
«Das war eine schöne Zeit», sagt er.
Ganz verabschiedet hat er sich vom Dating allerdings nicht. Auf Tinder lernte Merson kürzlich eine Psychologiestudentin kennen. Die beiden hätten rund drei Stunden miteinander gesprochen.
«Sie hat mich wirklich als Mensch gesehen», erzählt Merson. Und offenbar lief das Date nicht schlecht. Die beiden wollen sich wieder treffen.
Für eine feste Beziehung fehle ihm derzeit allerdings eigentlich die Zeit. Arbeit, Sport und seine Gesundheit hätten momentan Priorität.
Dazu kommt eine Frage, die sich ein gewöhnlicher Tinder-Nutzer wohl seltener stellen muss: Interessiert sich eine Frau wirklich für Stefano oder vor allem für die öffentliche Figur Steve Merson?
Jetzt soll Deutschland folgen
Mehrere neue Projekte seien bereits in Vorbereitung. Details will Merson noch nicht verraten, kündigt aber etwas an, «was es in der Schweiz noch nie gab».
Dabei denkt er längst über die Landesgrenzen hinaus. Auf die Frage, ob sich Steve Merson auch international vermarkten lasse, kommt die Antwort schnell: «Deutschland, ja. Das kommt bald.»
Wie genau das aussehen wird, lässt er offen. Klar ist nur: Merson will weiter wachsen und neue Wege gehen.
Und sollte das irgendwann nicht mehr funktionieren, bleibt immer noch die Bäckerei. Dann wäre Steve Merson wohl der erste Bäcker mit Sonnenbrille hinter dem Tresen.







