Stadtzürcher SVP distanziert sich von eigenem Kantonsrat

Die SVP-Fraktion des Stadtzürcher Gemeinderats hat sich am Mittwoch von ihrem eigenen Kantonsrat und Parteikollegen Christoph Marty distanziert. Grund sind seine sexistischen und homophoben Äusserungen nach den Ausschreitungen am Hardplatz.

«Die Gemeinderatsfraktion distanziert sich vehement von diesen Äusserungen», sagte Stephan Iten zu Beginn der Ratssitzung. Die SVP stehe immer zur Polizei, egal welches Geschlecht oder welche sexuelle Orientierung die Polizistinnen und Polizisten hätten.
SVP-Kantonsrat Marty, einst selber Gemeinderat, hatte die Stadtpolizei auf Facebook kritisiert, weil nach den Ausschreitungen am Hardplatz keine Randalierer verhaftet wurden.
Frauen und «Hinterlader»
Vielleicht liege es daran, dass das Korps wegen der «linksversifften Führung» mittlerweile zu drei Vierteln aus Frauen und «Hinterladern» bestehe, schrieb er. Letzteres ist ein Schimpfwort für Homosexuelle.
Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) dankte der SVP, dass sie sich von ihrem Parteikollegen distanzierte. Die Gewaltbereitschaft sei erschreckend gewesen. Die Polizeimitarbeitenden seien mit Flaschen, Steinen und Feuerwerk angegriffen worden.
In so einer Situation Leute festzunehmen sei nicht realistisch. Die Ermittlungen würden laufen, sagte Rykart weiter. «Wer Bild- oder Filmaufnahmen hat, soll sie der Polizei zur Verfügung stellen.»
AL will Strafverfahren
Auch andere Fraktionen bezeichneten Martys sexistische und homophobe Äusserungen als «bedenklich», etwa die AL. Allerdings würden solche Leute immer noch in der Partei geduldet, kritisierte Moritz Bögli. Er hoffe deshalb, dass gegen den SVP-Kantonsrat ein Strafverfahren eingeleitet werde, wegen Verstosses gegen das Diskriminierungsverbot.
In der Nacht auf den 11. Oktober hatte die Auflösung einer illegalen Party am Hardplatz mit Krawall geendet. Polizistinnen und Polizisten wurden mit Feuerwerkskörpern, Steinen und Flaschen angegriffen. Ein Polizist wurde verletzt, mehrere Polizeifahrzeuge wurden massiv beschädigt.





