Stadtzürcher SP will nicht aufs Gratis-Cüpli verzichten

An Anlässen der Stadtzürcher SP wird es auch in Zukunft kostenlos Bier und Wein geben. Die Parteimitglieder haben ein Verbot von Gratis-Alkohol am Donnerstag abgelehnt.

«Es ist nicht so, dass wir uns die ganze Zeit auf Parteikosten betrinken», betonte Präsident Oliver Heimgartner vor der Abstimmung. Bei diesem Antrag gehe es primär um die Wahlfeiern, an denen eine Runde spendiert werde.
Die Geschäftsleitung wollte dies auch in Zukunft tun – und eine Mehrheit der Partei wollte ebenfalls nicht darauf verzichten. Sie lehnten ein Ende des Gratis-Cüplis mit 82 zu 35 Stimmen ab.
Die Versammlung unterstützte hingegen den Vorschlag der Geschäftsleitung, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Diese soll sich nun Gedanken darüber machen, wie Parteianlässe generell «inklusiver gestaltet» werden können, also niemanden ausschliessen.
Der Antrag auf ein Verbot von Gratis-Alkohol stammte von SP-Mitglied Benjamin Kobelt, der selber suchtkrank ist. «Die ständige Konfrontation mit Alkohol ist sehr anstrengend», sagte der 35-jährige Maurer bei der Vorstellung seines Anliegens.
So wie ihm gehe es vielen Menschen in der Schweiz. Ein Getränk kaufen zu müssen, statt sich einfach bedienen zu können, wäre gemäss Kobelt eine zusätzliche Hemmschwelle.
Für ihn hätte das Verbot von Gratis-Alkohol aber nicht nur Parteifeiern erleichtert, sondern wäre auch ein wichtiges Symbol gewesen. «Ich werde mich weiter dagegen wehren, dass auch nur zehn Rappen meines Mitgliederbeitrages in den Konsum von Drogen fliessen.»
Kobelts Antrag stiess aber nicht nur auf Ablehnung. Zahlreiche SP-Mitglieder stimmten dafür, weil sich «die politische Kultur zu oft um den Alkohol dreht», wie es jemand ausdrückte. Eine Arbeitsgruppe für inklusivere Anlässe sei nicht die Lösung.
Bei anderen Parteien war ein Verbot von Gratis-Alkohol bisher kein Thema. Die Grünen zeigten auf Anfrage Verständnis dafür. Allerdings habe Alkoholkonsum eine starke soziale Komponente, weshalb ein Verbot verständlicherweise auf Widerstand stossen würde, so Kantonalparteipräsidentin Selma L'Orange auf Anfrage.
Die Mitte zeigte sich ebenfalls skeptisch. «Wer Alkohol trinken möchte, soll dies in einem angemessenen Rahmen tun können – und wer darauf verzichtet, soll genauso selbstverständlich dazugehören», so Kantonalpräsidentin Tina Deplazes. Wichtig sei, dass immer alkoholfreie Alternativen angeboten würden.
FDP-Kantonalpräsident Filippo Leutenegger antwortete auf die Frage nach dem Gratis-Alkohol mit einem knappen Satz: «Schön, dass die SP keine grösseren Sorgen hat.»
Die SVP wiederum betonte, dass sie ihren Mitgliedern nicht vorschreiben wolle, was diese zu trinken hätten. «Erwachsene Menschen können selber entscheiden, ob sie Alkohol konsumieren möchten oder nicht», so Kantonalparteipräsident Domenik Ledergerber.






