SRF-Sportfrau bewirbt Bitcoin, ohne dass es der Sender wusste

SRF-Moderatorin Sibylle Eberle fordert Menschen öffentlich zum Bezahlen mit Bitcoin auf. Ihr Arbeitgeber wusste nichts von dem Auftritt.

Das Wichtigste in Kürze
- Sibylle Eberle tritt öffentlich als überzeugte Bitcoinerin auf.
- Sie fordert andere dazu auf, mit Bitcoin zu bezahlen.
- SRF wusste nichts von ihrem Podcast-Auftritt.
- Geld oder andere Gegenleistungen erhielt sie laut Sender nicht.
Sibylle Eberle (42) steht vor der Kamera und moderiert «Sport aktuell». Business as usual. Was das Publikum nicht sieht: Privat lebt die SRF-Frau seit Jahren eine andere Leidenschaft.
Sie ist tief im Bitcoin-Thema und moderiert längst auch grosse Krypto-Konferenzen in Köln (D), Kreuzlingen TG und Prag (CZ).
Nun packt sie im Podcast des Zürcher Anbieters «House of Satoshi» über ihre Begeisterung aus.
Extra-Ausflug fürs Bitcoin-Glace
Der Anbieter stellt Eberle als «SRF-Sportmoderatorin und Bitcoinerin» vor. Die Journalistin sei seit Jahren «tief im Bitcoin-Rabbit-Hole».
Das zeigt sich auch im Alltag. «Sobald ich irgendwo die Möglichkeit habe, zahle ich immer mit Bitcoin», sagt Eberle im Podcast.
Wenn Eberle unterwegs bei einem Geschäft den Hinweis «Bitcoin accepted here» entdeckt, freut sie sich jedes Mal. «Ich bin auch schon ins Liechtenstein gefahren, extra um ein Glace zu essen, weil ich sah, da kann man mit Bitcoin zahlen.»
«Dann habe ich noch mehr Bitcoin»
Wer seine Bitcoin lieber horten will, statt sie auszugeben, bekommt von Eberle Kontra.
«Ich sage immer: Hey Leute, wenn ihr könnt, dann zahlt mit Bitcoin», erklärt sie im Podcast. Ihr Argument: Die ausgegebenen Bitcoin könnten danach einfach wieder nachgekauft werden.
«Wenn ich für 30 Franken mit Bitcoin zahle und dann für 50 Franken nachkaufe, habe ich ja dann noch mehr Bitcoin.»
Für Eberle ist die Kryptowährung deshalb längst mehr als eine spekulative Wertanlage.
«Bitcoin ist für mich schon heute Geld und war es aus meiner Sicht eigentlich schon immer», sagt sie.
SRF wusste von nichts
Beim Sender sorgt der Auftritt nun für Klärungsbedarf.
«SRF wurde über die Podcast-Teilnahme nicht informiert und hat diese nicht bewilligt», sagt Mediensprecher Roger Muntwyler gegenüber Nau.ch.
Bezahlt wurde Eberle dafür nicht, betont der Sender.

Sie habe «weder Honorar noch Vergünstigungen oder Gegenleistungen» erhalten. Der Auftritt sei als Privatperson und nicht in ihrer Funktion als SRF-Mitarbeiterin erfolgt.
Nebenbeschäftigungen seien bei SRF grundsätzlich erlaubt. Die Informationspflicht liege aber bei den Mitarbeitenden.
Sender spricht mit Moderatorin
Für Moderationspersonen aus Sport, Unterhaltung oder Kultur gelten laut SRF weniger strenge Regeln als für jene aus dem Informationsbereich. Trotzdem dürfe auch bei ihnen ein externer Auftritt keine Zweifel an der journalistischen Unabhängigkeit wecken.
«Die publizistische Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von SRF», hält Muntwyler fest.
Der Sender stehe deshalb nun mit Eberle im Austausch. Zu möglichen Konsequenzen oder internen Abläufen äussert sich SRF nicht.
Offen bleibt auch, ob Eberle ihre Moderationen an Bitcoin-Konferenzen jeweils bei ihrem Arbeitgeber gemeldet hat.
SP will klare Regeln
Auch die Politik schaltet sich ein.
«In solchen Fällen erwartet die SP Schweiz, dass das SRF entsprechende Regeln hat und anwendet», sagt SP-Mediensprecherin Elisa Jeanneret gegenüber Nau.ch.
Ob Eberles Bitcoin-Engagement künftig eingeschränkt werden soll, lässt die Partei offen.
Eberle selbst beantwortete eine Anfrage von Nau.ch nicht.










