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Zürich: Neuer Beratungscluster soll die Politik in Krisen beraten

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Zürich,

Mark Eisenegger, Professor am IKMZ der Universität Zürich, erklärt, wie das Nationale Netzwerk Behörden berät. Erstes Symposium am 25. November in Zürich.

Zürich
Neuer Beratungscluster soll die Politik in Krisen beraten. - newsletter.uzh.ch

Deshalb bringt der Cluster Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen und Institutionen zusammen. Die Zusammenarbeit beginnt zudem nicht erst dann, wenn eine Krise eingetreten ist. Wir erfassen schon jetzt die vorhandenen Kompetenzen und entwickeln gemeinsame Arbeitsweisen.

Bei einer konkreten Anfrage können wir dadurch rasch ein interdisziplinäres Team zusammenstellen.

Mark Eisenegger

Gibt es ein Erlebnis in den letzten Jahren, das Ihnen persönlich gezeigt hat, wie wichtig wissenschaftliche Beratung geworden ist?

Am deutlichsten hat mir das die Corona-Pandemie vor Augen geführt. Wir haben am fög in zwei Studien untersucht, wie die Schweizer Medien über die erste und die zweite Pandemiewelle berichteten. Wissenschaftliche Expertise war damals enorm gefragt und in der Öffentlichkeit und in Medien sehr präsent.

Gleichzeitig zeigte sich, wie schwierig es ist, unter Zeitdruck gesichertes Wissen, vorläufige Befunde und Unsicherheiten verständlich einzuordnen.

Auffällig war auch, dass vor allem medizinische Fachrichtungen zu Wort kamen, obwohl die Pandemie praktisch alle Bereiche der Gesellschaft betraf. Andere Perspektiven, etwa aus den Sozialwissenschaften, waren deutlich weniger sichtbar. Für mich war das eine wichtige Erfahrung: In einer Krise genügt es nicht, kurzfristig einzelne Expertinnen und Experten beizuziehen.

Es braucht frühzeitig aufgebaute, interdisziplinäre Strukturen und einen kontinuierlichen Austausch zwischen Wissenschaft und Behörden. Genau dafür wurde das Nationale Netzwerk geschaffen.

Das Netzwerk soll die Politik beraten, aber selbst keine Politik machen. Wo verläuft diese Grenze?

Unsere Rolle lässt sich mit dem Konzept des «Honest Broker» beschreiben. Wissenschaftliche Beratung liefert nicht einfach nur einzelne Fakten, sie schreibt der Politik aber auch keine bestimmte Entscheidung vor. Wir bereiten den Stand des Wissens auf, zeigen Unsicherheiten und wissenschaftliche Kontroversen und stellen verschiedene Handlungsoptionen mit ihren möglichen Chancen, Risiken und Folgen dar.

Politische Entscheidungen beziehen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch Werte, Interessen, rechtliche Erwägungen und gesellschaftliche Abwägungen ein. Dafür tragen die demokratisch legitimierten Organe die Verantwortung. Wir schaffen eine möglichst gute Entscheidungsgrundlage, nehmen die Entscheidung aber nicht vorweg.

Wie lässt sich dabei die Unabhängigkeit der Wissenschaft gegenüber den Behörden gewährleisten?

Die Behörden formulieren ihren Beratungsbedarf. Wie wir die Fragen wissenschaftlich bearbeiten und wie wir die Ergebnisse einordnen, entscheiden wir als Forschende selbst. Wir werden finanziell nicht entschädigt und unterliegen keinen Weisungen.

Zur Unabhängigkeit gehört für mich auch, Themen aufzugreifen, die politisch vielleicht gerade nicht im Zentrum stehen. Entscheidend sollten ihre wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz sein, nicht ihre politische Opportunität.

Fundierte Forschung braucht Zeit, in einer Krise müssen Entscheidungen aber oft schnell fallen. Wie lässt sich dieser Widerspruch lösen?

Ganz auflösen lässt er sich nicht. Der Schlüssel liegt deshalb in der Vorbereitung. Wir vernetzen die Fachleute bereits vor einer Krise, kennen ihre Kompetenzen und beschäftigen uns mit wiederkehrenden Mustern – etwa mit der Frage, welche Faktoren eine Gesellschaft gegenüber Desinformation resilient oder vulnerabel machen.

Im Krisenfall muss die Wissenschaft dann die beste verfügbare Evidenz zusammenführen und klar unterscheiden: Was ist gut belegt, was ist plausibel, und was wissen wir noch nicht? Gerade bei neuartigen Krisen wird es häufig keine eindeutigen Antworten geben. Diese Unsicherheit darf man nicht verdecken.

Wissenschaftliche Beratung muss auch Wissenslücken sichtbar machen.

Der Beratungscluster befindet sich noch im Aufbau. Was geschieht als Nächstes?

Die personellen Strukturen stehen. Jetzt geht es darum, ihre Kompetenzen systematisch zu erfassen, gemeinsame Arbeitsweisen zu entwickeln und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Bundesstellen zu konkretisieren.

Ein wichtiger Schritt ist unser erstes Symposium am 25. November an der Universität Zürich. Es verbindet die interne Vernetzung des Clusters mit dem Austausch nach aussen. Dort wollen wir die Forschungsschwerpunkte, Methoden und verfügbaren Datenbestände der Mitglieder kennenlernen und eine Art Wissenslandkarte erstellen.

So können wir bei einer Anfrage rasch erkennen, wer über die passende Expertise verfügt. Am Abend findet zudem ein öffentliches Podiumsgespräch mit internationalen Expertinnen und Experten zum Thema statt.

Kommentare

User #4603 (nicht angemeldet)

Experimente haben gezeigt, das wenn normalen Bürger sämtliche relevanten Informationen unverfälscht zur Verfügung gestellt werden, diese die richtigen Entscheidungen fällen können. Dann wären jedoch Politiker und deren Berater überflüssig!

User #1580 (nicht angemeldet)

Wer schmiert denn diese "Wissenschaftler"? Wie wird die Korruption verhindert, daß solche "externen" dann die vorgebenen Ergebnisse liefern und gegenteilige, als die gewünschten, unterdrücken? Das wird also nicht funktionieren.

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