Zürich: Breiter Rückhalt für die SRG SSR

Eine repräsentative Studie der Universität Zürich zeigt breiten Rückhalt für die SRG SSR. Bei den digitalen Kanälen gehen die Erwartungen aber auseinander.

Die Bevölkerung erwartet von der SRG SSR auch in Zukunft ein vielfältiges Angebot aus Information, Bildung, Sport, Kultur und Unterhaltung. Gleichzeitig unterscheiden sich die Erwartungen an die digitalen Kanäle: Websites und Apps erhalten mehr Zustimmung als Play Suisse. Jüngere Menschen wollen die SRG SSR auch auf Social Media und Streamingplattformen nutzen, ältere halten diese Kanäle aber nicht für wichtig.
Das zeigt eine repräsentative Studie der Universität Zürich.
58 % der Befragten halten öffentliche Medien wie die SRG SSR für gesellschaftlich wichtig oder sehr wichtig, weitere 26 % stufen sie als mittelmässig wichtig ein. Nur 17 % schreiben ihnen wenig oder keine gesellschaftliche Bedeutung zu. Rund zwei Drittel erwarten zudem, dass die SRG SSR zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt, den Austausch zwischen den Sprachregionen fördert, die Vielfalt der Schweiz abbildet und dass sie möglichst alle Menschen mit verschiedenen Angeboten anspricht.
«Die Resultate zeigen, dass die Bevölkerung den medialen Service public nicht auf einzelne Sendungen oder Bereiche wie Nachrichten reduziert», sagt Studienautor Linards Udris. «Er wird vielmehr als Infrastruktur verstanden, die unterschiedliche Gruppen verbindet und verschiedene Bedürfnisse abdeckt.»
Information hat Priorität, doch auch Sport und Unterhaltung gehören dazu. Auch in Zukunft erwartet die Bevölkerung ein breites Angebot. Information wird dabei von 77 % als wichtiger Bestandteil eingestuft.
Mehr als die Hälfte spricht sich zugleich dafür aus, dass die SRG SSR weiterhin Sport (52 %) und Bildung (52 %) anbietet; rund ein Viertel hält diese Sparten für nicht wichtig. Auch Kultur (47 %) und Unterhaltung (45 %) erhalten deutlich mehr Zustimmung als Ablehnung. Rund die Hälfte beurteilt den heutigen Umfang des Angebots in allen fünf Sparten als genau richtig.
34 % halten das Bildungsangebot für zu gering. Beim Sport hingegen beurteilt rund ein Drittel das Angebot als zu umfangreich.
Auch konkrete Formate aus verschiedenen Sparten gelten als Teil des Service public, doch nicht alle. Besonders hohe Zustimmung erhalten Hauptnachrichtensendungen, Wissenschaftsformate, populäre Sportübertragungen, Angebote zur Alltagskultur und Sendungen für Kinder. Kritischer sind die Befragten bei ausländischen TV-Serien oder Angeboten zur Literatur.
Unterschiedliche Bedürfnisse bei den digitalen Kanälen
Bei den Verbreitungskanälen bevorzugt die Bevölkerung insgesamt die eigenen traditionellen und digitalen Kanäle der SRG SSR. 70 % halten das Fernsehen auch künftig für wichtig, 47 % die Websites und Apps und 47 % Radio. Die Streaming-Plattform Play Suisse wird nur von 34 % als wichtig erachtet; auch für Social Media oder externe Plattformen wie YouTube oder Spotify fällt die Zustimmung insgesamt geringer aus.
Dahinter verbergen sich jedoch markante Altersunterschiede: Bei den 18- bis 24-Jährigen halten 70 % eine Präsenz der SRG SSR auf Social Media für wichtig, bei den über 55-Jährigen nur etwa ein Viertel. Eine Mehrheit der Jüngeren (53 %) wünscht sich auf digitalen Kanälen neben Video und Audio auch Textformate. «Wie bei den Sparten zeigt sich auch bei den Kanälen, wie unterschiedlich die Bedürfnisse in der Bevölkerung ausfallen», sagt Udris.
«Eine pauschale Reduktion der SRG-Angebote auf Social Media oder eine Umgestaltung der SRG-Websites zu einer reinen Mediathek würde gerade jene Gruppen treffen, deren Mediennutzung sich besonders stark ins Digitale verlagert hat.»
«Ausgewogenheit» wird relativ positiv beurteilt
Die inhaltlichen Leistungen der SRG SSR schätzt die Bevölkerung insgesamt positiv ein. Auch die in der Medienpolitik diskutierte «Ausgewogenheit» wird mehrheitlich positiv bewertet: 45 % finden, dass bei der SRG SSR unterschiedliche politische Meinungen ausgewogen zu Wort kommen, 43 % beurteilen die Themenauswahl als ausgewogen. 20 % beziehungsweise 16 % sehen Defizite; der Rest positioniert sich dazwischen.
Politisch rechtsstehende Menschen beurteilen die Ausgewogenheit etwas kritischer als linksstehende.
Fact-Checking als wichtigste neue Aufgabe
Mit der digitalen Transformation entstehen neue mögliche Aufgaben für öffentliche Medien. Besonders wichtig ist aus Sicht der Bevölkerung der Kampf gegen Desinformation: 68 % befürworten den Ausbau des Fact-Checkings bei der SRG SSR, nur 11 % halten das nicht für wichtig. Auch ein digitales Archiv mit Beständen von Museen (45 %) und eine Anlaufstelle für Medienkompetenzprojekte (41 %) erhalten vergleichsweise hohe Zustimmung.
Neue technische Infrastrukturen wie eine Social-Media-Plattform mit Schweizer Medien (34 %) oder ein nicht kommerzieller KI-Chatbot (31 %) werden zurückhaltender beurteilt.
Die Studie kommt zum Schluss, dass die künftige Legitimität des Service public wesentlich von Nutzung, Vertrauen und Wissen abhängt. Wer die Angebote der SRG SSR häufig nutzt, ihr vertraut und über ihre Funktionsweise und Rahmenbedingungen informiert ist, befürwortet eher ein breites Angebot.





