Zürich: Das Kunsthaus zeigt 2027 Giacometti und Ai Weiwei

Das Kunsthaus Zürich hat sein Programm 2027 vorgestellt. Gezeigt werden unter anderem Giacometti, Wael Shawky, Ai Weiwei und Claes Oldenburg.

Das Kunsthaus Zürich stellt sein Jahresprogramm 2027 vor: Es spannt einen Bogen von Rembrandt und Alberto Giacometti bis zu Judith Bernstein, Selma Selman, Wael Shawky und Ai Weiwei und verbindet die eigene Sammlung mit internationalen Ausstellungsprojekten.
Ann Demeester, Direktorin des Kunsthaus Zürich: «Das Kunsthaus ist ein vielschichtiges Museum: In vier Gebäuden treffen Kunst aus verschiedenen Epochen und eine grosse Vielfalt künstlerischer Stimmen aufeinander: von Rembrandt, Alberto Giacometti, Claude Monet und Edvard Munch über die Zürcher Dadaisten bis zu Pipilotti Rist, Kiki Kogelnik und Sonja Sekula.
Diese Vielstimmigkeit prägt auch unser Jahresprogramm: Die Ausstellung von Claes Oldenburg blickt auf die goldenen Jahre der Pop-Art zurück, in «House of Nisaba» entwickeln mehr als 30 Kunstschaffende aus aller Welt neue Bildsprachen der zeitgenössischen Malerei, während Wael Shawky und Ai Weiwei neue Perspektiven auf aktuelle und historische Entwicklungen eröffnen. Im Zentrum steht dabei das Kunsthaus: ein Ort, der seit jeher den Austausch zwischen unterschiedlichen Welten ermöglicht und dies auch 2027 fortführt.»
Die Sammlung bleibt das lebendige Herz des Kunsthaus Zürich. 2027 zeigt sie sich in neuer Form: mit einer erweiterten Präsentation der Werke Alberto Giacomettis, einem neuen Ort für die Dada-Sammlung im Altbau und der Transformation des Müller-Baus in eine Plattform für Kunstschaffende und Kulturproduzierende. Hinzu kommt Ai Weiweis monumentale Installation im Foyer Haefner des Chipperfield-Baus.
VIELFALT DES PROGRAMMS 2027 IM DETAIL
Radikal, kompromisslos und von ungebrochener Aktualität: Judith Bernstein (*1942, Newark) ist eine feministische Künstlerin der ersten Stunde. Bekannt geworden mit ihren monumentalen Phallus-Kohlezeichnungen als radikale Form des Protests gegen Sexismus und testosterongetriebenes Kriegsgebaren, hinterfragt sie seit fünf Jahrzehnten patriarchale Unterdrückung und Macht. Die Ausstellung vereint Werke vom Beginn ihres künstlerischen Schaffens bis heute, von frühen Arbeiten, die in Reaktion auf den Vietnamkrieg entstanden sind, über die ikonischen, grossformatigen «Screws»-Zeichnungen der 1970er-Jahre bis zu der vor wenigen Jahren entstandenen Serie «Birth of the Universe».
Ab Mitte Februar: ENRICO DAVID
Fragil, maskiert, manchmal grotesk und zugleich von grosser Zartheit: Enrico Davids Figuren entziehen sich eindeutigen Zuschreibungen. In seinen poetisch- theatralen Bildwelten werden sie zu Protagonisten eines stillen Dramas und kreisen um eine der grossen Fragen: Was macht einen Menschen aus? Malerei, Textil, Stickerei, Papier, Keramik und Skulptur sind für den in London arbeitenden Künstler (*1966, Ancona) gleichwertige Ausdrucksmittel.
Darin entstehen Figuren und Zustände zwischen Körper und Kostüm, Person und Rolle. Die Schau vereint Werke aus verschiedenen Schaffensphasen mit einer subtilen und prägnanten Auswahl an Werken aus der Sammlung des Kunsthauses.
Alberto Giacometti (1901, Borgonovo – 1966, Chur) zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Moderne und schuf mit seinen schmalen Figuren Ikonen des 20. Jahrhunderts. Ab März 2027 führt eine erweiterte Präsentation in vier Räumen des Chipperfield-Baus durch Giacomettis Schaffen: von frühen Arbeiten über Hauptwerke der surrealistischen Phase bis zu jenen hoch aufragenden, fragilen Figuren, die als Inbegriff moderner Skulptur gelten. Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen kreisen um jene Frage, die Giacometti ein Leben lang umtrieb: Wie lässt sich der Mensch erfassen?
Ab April: HOUSE OF NISABA. NEW STORIES OF PAINTING
Die Malerei wird immer wieder für tot erklärt, ist aber quicklebendig. Nisaba, die mesopotamische Göttin der Schrift, des Wissens und des Geschichtenerzählens, ist Namensgeberin dieser Ausstellung über die Malerei der Gegenwart. Inspiriert von Mythologie, Literatur, Film, sozialen Medien und Popkultur entstehen rund 35 Gemälde eigens für die Schau.
Sie zeigen, wie Kunstschaffende aus der Schweiz, Europa, den USA und dem Globalen Süden heute ihre eigenen Bildwelten, neue allegorische Bildsprachen und Geschichten entwickeln. Sie reagieren damit auf eine Gegenwart, in der Bilder unablässig zirkulieren und gemeinsame Symbolsysteme zunehmend individuellen Bedeutungen weichen. Mit unter anderem Michael Armitage, Omar Ba, Sabian Baumann, Kevin Beasley, Nicole Eisenman, Hamishi Farah, Louisa Gagliardi & Adam Cruces, Melanie Kitti, Valentin Rilliet, Mohammed Sami, Cinga Samson, Agnes Scherer, Selma Selman, Salman Toor und Evelyn T. Wang.
Geschichte ist nie nur das, was geschehen ist – entscheidend ist, wer sie erzählt. Wael Shawky (*1971, Alexandria, lebt in Westasien), einer der international profiliertesten multimedial arbeitenden Künstler seiner Generation, wechselt die Perspektive und bringt Gewissheiten ins Wanken. In virtuosen Filmen, Installationen und Musiktheater-Produktionen vereint er verschiedene Kunstdisziplinen und zeigt Menschen im Geflecht politischer, religiöser und gesellschaftlicher Kräfte.
Die Ausstellung vereint die gefeierte Trilogie «Cabaret Crusades» (2010–2014), die mit Puppen die Kreuzzüge aus arabischer Sicht erzählt, und «Drama 1882» (2024), eine filmische Oper über die britische Besetzung Ägyptens. Eine neue Filminstallation zur Geschichte der Golfregion wird im Kunsthaus Zürich zum ersten Mal in Europa gezeigt. Unterstützt von Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst.
Ein riesiges Eiscornet, ein erschlaffter Lichtschalter aus Stoff oder eine überdimensionale Pistole – bei Claes Oldenburg (1929, Stockholm – 2022, New York) wird die Welt so fremd wie bei «Alice im Wunderland». Auch heute wirkt Oldenburgs Kunst erstaunlich aktuell: Sie stellt Fragen nach Konsum, Wert und unserer Beziehung zu Alltagsobjekten. Dass diese Ausstellung in der Dada-Stadt Zürich stattfindet, ist nur folgerichtig: Oldenburg gilt als einer der wichtigsten Neo-Dadaisten.
Diese griffen in den 1950er- und 1960er-Jahren Ideen des Dadaismus auf und verbanden sie mit der Alltags- und Konsumkultur ihrer Zeit. Mit Biss und absurden Kontrasten stellt er den traditionellen Kunstgeschmack infrage. Unterstützt von UBS – Partnerin Kunsthaus Zürich.
Ab Ende Oktober: REMBRANDT UND SEIN KREIS. THE LEIDEN COLLECTION IN ZÜRICH. In Zusammenarbeit mit der Graphischen Sammlung ETH Zürich.
«Rembrandt und sein Kreis» fokussiert auf den grössten und innovativsten Meister des Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei und sein Umfeld. Die Ausstellung präsentiert herausragende Werke der Leiden Collection, die von Dr. Thomas S. Kaplan und Daphne Recanati Kaplan begründet wurde. Sie umfasst über ein Dutzend Gemälde Rembrandts und zählt zu den weltweit wichtigsten Privatsammlungen niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts.
Erstmals hat das Schweizer Publikum Gelegenheit, mehr als 40 Bilder aus der Sammlung zu sehen. Ein weiteres Highlight der Schau ist «Frau am Virginal» – das einzige Werk Johannes Vermeers, das sich noch in Privatbesitz befindet. Parallel dazu widmet das Kunsthaus Rembrandt gemeinsam mit der Graphischen Sammlung ETH Zürich eine Präsentation als Meister der Druckgrafik.
Im Zentrum von Selma Selmans opernhafter Performance steht die Demontage eines Autos – einer Mercedes-Benz S-Klasse, die sie ihrem Vater vor zwei Jahren zum 60. Geburtstag schenkte und nach seinem kürzlichen Tod erbte. Das Auto fungiert dabei nicht nur als Objekt der Trauer und Erinnerung, sondern verweist auch auf eine Ökonomie, die Selmans Leben und künstlerische Praxis durchzieht. Für ihre Malerei verwendet die Künstlerin häufig gefundene und ausrangierte Gegenstände wie Autos, Satellitenschüsseln oder Haushaltsobjekte, auf denen sie spekulative persönliche Geschichten festhält.
In diesem Fall handelt es sich bei dem geerbten Auto um ein Objekt, das einst einen Moment der Emanzipation und Freiheit verkörperte und sich nun in einem Zwischenzustand befindet – nicht länger der kostbare Besitz eines Vaters und noch kein Kunstwerk. Die Performance wird zum Ritual, das diesen Übergang markiert. Begleitet wird Selma Selman von der Opernsängerin Natasa Tasic Knezevic, dem Tontechniker Dauwd, einem Cellisten sowie ihrem Performer-Team, bestehend aus Muhamed Selma, Meho Husic und Andreas Ritt, die die Künstlerin bei der Demontage des Autos unterstützen.
Die Performance wird in Zusammenarbeit mit dem Schauspielhaus Zürich und der Mercedes-Benz Collection organisiert.
ONGOING: Das partizipative Programm «Kunst für Alle» macht zeitgenössische Kunst weiterhin frei zugänglich. Zu sehen und erleben sind Monster Chetwynds über acht Meter hoher Kopf «Zardoz» als Erfahrungs- und Denkraum, Jeffrey Gibsons farbenintensive Installation im Foyer des Chipperfield-Gebäudes (bis 3. Januar 2027) sowie Ai Weiweis monumentales Panorama in zwei gegensätzlichen Teilen, gefertigt aus Tausenden von Spielbausteinen, unterstützt von der Monsol Foundation (ab Juni 2027).
Ann Demeester, Direktorin des Kunsthaus Zürich: «Wir möchten mit unserem Programm 2027 Menschen zum Nachdenken anregen, sie mit Kunst in Staunen versetzen, zum Verweilen ermuntern und Lust auf ein vergnügtes Weitersehen machen».
Ergänzende Informationen und einen detaillierten Überblick über alle Ausstellungen und Projekte bietet das Jahresprogramm 2027.
Ein Video mit der Direktorin Ann Demeester führt zusätzlich durch die wichtigsten Programmpunkte.
Bis 21.2.27: Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss 20.11.26–3.1.27: Ralph Lemon und Kevin Beasley. Residuum (Tell it anyway)
Gratis-Eintritt, Rabatte und weitere Leistungen mit Jahresmitgliedschaft 2027 (gültig ab sofort): Erwachsene CHF 149.–/Paare CHF 249.–/Jugendliche bis 25 Jahre CHF 49.–.
Das PDF des Jahresprogramms 2027 können Sie hier herunterladen und das Video mit Direktorin Ann Demeester hier anschauen.






