Stadt Zürich

So lässt sich Hunger in Äthiopischen Dörfern beenden

Menschen für Menschen
Menschen für Menschen

Zürich,

In Äthiopien kämpfen viele Kleinbauern täglich ums Überleben. Die Stiftung Menschen für Menschen unterstützt Familien dabei nachhaltig in ihrem Alltag.

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Menschen für Menschen fördert den Anbau von Kartoffeln in Hambela Wamena in Südäthiopien. - Rainer Kwiotek/Menschen für Menschen

Das Wichtigste in Kürze

  • Hunger ist in Südäthiopien Alltag: Nur ein Prozent der Familien isst dreimal täglich.
  • Menschen für Menschen unterstützt 3600 Tagelöhner- und Kleinbauernfamilien.
  • Mit Saatgut, Dünger, Schulungen und Tieren können Familien ihren Lebensunterhalt sichern.

Nigatu Shibiru und seine Frau Dukani Hotesa leben mit ihren drei kleinen Söhnen im Dorf Sike Bokosa. Die Familie hat nur ein winziges Stück Land, es ist nicht grösser als ein Viertel eines Fussballfelds. Sie hatten nie genug. Dann erkrankte Nigatu an Tuberkulose. «Ich hatte Angst, dass er stirbt», sagt Dukani. Die Behandlung war so teuer, dass sie ihren wichtigsten Besitz verkaufen mussten: zwei Packpferde, einen Ochsen, eine Milchkuh.

«Schon im Alltag haben die Kleinbauern zu kämpfen. Aber wenn eine Krankheit dazukommt, geht es buchstäblich ums Überleben», sagt Michael Kesselring, Co-Geschäftsführer von Menschen für Menschen. «Wir helfen ihnen, individuell angepasst an ihre eigenen Möglichkeiten.»

Kleines Land, grosse Ernte

Wer nur wenig Land hat, so wie Nigatu Shibiru, braucht Pflanzen, die auf kleiner Fläche viel Ertrag bringen. Seine Familie erhielt Saatkartoffeln, Dünger und Beratung. Die erste Ernte brachte bereits die Wende. NIgatu Shibiru grub rund 1000 Kilogramm Kartoffeln aus. Ein Teil blieb als Nahrung für die Familie, ein Teil als Saatgut. Den Rest verkaufte der Kleinbauer. Vom Erlös kaufte er zwei Schafe. Durch den Verkauf der Lämmer kann die Familie weiter aufbauen und vielleicht bald wieder einen Ochsen kaufen, hofft der Kleinbauer. «Aber das Allerwichtigste ist, dass wir jetzt unsere Kinder mit Essen versorgen können», sagt seine Frau Dukani.

Hambela Wamena ist ein ländlicher Distrikt in der Region Oromia im Süden Äthiopiens. Auf rund 871 Quadratkilometern leben etwa 214’000 Menschen – mit kaum Infrastruktur, fast ohne Industrie und nur schwachem Handel. Die Landwirtschaft ist die Lebensgrundlage. Die meisten Familien bewirtschaften weniger als ein Hektar Land, oft mit sehr geringen Erträgen. «In einer Basiserhebung von Menschen für Menschen gaben 96 Prozent der Haushalte an, nicht das ganze Jahr über genug zu essen zu haben», betont Michael Kesselring. «Ein zentrales Problem ist der fehlende Zugang zu Krediten: Bauernfamilien können weder in besseres Saatgut noch in Dünger oder Vieh investieren.» Überbevölkerung verschärft die Lage zusätzlich, weil die Felder mit jeder nachkommenden Generation immer kleiner werden.

Enge Begleitung

Die äthiopischen Fachleute im Projekt von Menschen für Menschen besuchen die Familien regelmässig. Sie zeigen ihnen standortangepasste Anbaumethoden und helfen ihnen, ihre Ernten zu steigern und zu diversifizieren, etwa mit eiweissreichen Hülsenfrüchten. Ausserdem bekommen sie leistungsfähiges Saatgut und Dünger über Genossenschaften auf Basis fairer Mikrokredite. Gleichzeitig fördert die Schweizer Stiftung den Aufbau von Viehbeständen als wichtiges Startkapital.

Insgesamt unterstützt Menschen für Menschen 3600 Tagelöhner- und Kleinbauernfamilien mit insgesamt rund 25’000 Menschen dabei, ihre Ernährung und ihr Einkommen nachhaltig zu verbessern. Ziel ist, dass die Familien sich in ihren Heimatdörfern eine stabile und menschenwürdige Existenz aufbauen können.

Kapital auf vier Beinen

Auch Esatu Dugo und Gadise Hotesa erhielten vier robuste Mutterschafe. Ein Lamm ist bereits da, die anderen Tiere sind trächtig. Das Ehepaar lebt mit drei Töchtern im Dorf Dimtu Hambela. Esatu ist Tagelöhner. Er verputzt Lehmwände, schneidet Gras in Kaffeegärten oder pflückt Kaffeekirschen. Er verdient umgerechnet rund einen Franken pro Tag. Aber oft findet er nur einmal pro Woche Arbeit. Deshalb lässt die Familie regelmässig Mahlzeiten ausfallen. «Heute gibt es kein Mittagessen», sagt Esatu. Umso mehr setzt die Familie jetzt die Hoffnung auf ihr Vieh. «Ich arbeite hart. Ich möchte Land pachten», sagt Esatu. Die Schafe sind dafür der Schlüssel: Lämmer lassen sich nach vier bis fünf Monaten verkaufen, ältere Tiere erzielen hohe Preise, an Festtagen noch mehr. «Für viele Tagelöhner ist Vieh eine der wenigen Möglichkeiten, Kapital zu erwirtschaften und eine Existenz aufzubauen», erklärt Michael Kesselring. «Diesen Weg ermöglichen wir 350 Familien.»

Kreislauf des Wachstums

Mit einem gezielten, überschaubaren Anschub lasse sich viel erreichen, betont Kesselring. «Wenn Wissen, Saatgut oder ein paar Tiere dazukommen, können Familien beginnen, sich aus eigener Kraft aus der Armut herauszuarbeiten.» 88 Franken finanzieren Gerstensaatgut und Dünger für eine Familie. 112 Franken ermöglichen drei bis vier Schafe als Start in eine Tierhaltung, die eine Familie ernähren kann. 142 Franken decken Saatkartoffeln, Dünger und Schulung für eine Familie ab. Entscheidend ist dabei die Nachhaltigkeit: «Die Unterstützung erfolgt auf Basis fairer Mikrokredite. Die Rückzahlungen fliessen an bäuerliche Kooperativen zurück und werden dort als neue Kredite an weitere Familien vergeben. So wächst ein Kreislauf des Wachstums im Dorf, ohne weitere Inputs aus der Schweiz.»

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