Zürich: Aemtlerwiese bleibt umkämpft

Ob auf der Grünfläche im Zürcher Kreis 3 Schulraum-Provisorien entstehen, ist noch offen. Anwohner fürchten um ihre Erholungsoase.

Die Anwohner in Wiedikon ZH bangen um die Aemtlerwiese. Die Stadt plant, diese wegen der bevorstehenden Sanierung der Schulhäuser Aemtler A und Aemtler B mit drei Provisorien zuzustellen. Damit würde während fünf Jahren eine wichtige Grünfläche für das Quartier wegfallen.
Die Arbeiten hatten bereits begonnen, doch dann stoppten Rekurse des Nachbarn M.R.* das Vorhaben der Behörden. Der Architekt kämpft verbittert um den Erhalt der Wiese. Er beklagt, dass sich die Überbauung der Wiese nicht rechtfertigen liesse.
Das Baurekursgericht hat seine Beschwerde abgewiesen, doch der Mann, der dafür bekannt ist, die Stadt mit Klagen zu überziehen, zog den Entscheid an das Verwaltungsgericht weiter. Zurzeit ist der juristische Prozess noch hängig. M.R.* dachte, damit sei die Wiese gerettet, doch im letzten Herbst fuhren die Bagger trotzdem auf.
Die Stadt begann, Löcher zu graben, um 37 Erdwärmesonden zu erstellen, die für die geplanten Wärmepumpen nötig sind. «Niemand aus der Nachbarschaft wusste, was da passiert», sagte M.R.* damals zum «Tages-Anzeiger». Im Unterschied zur Sanierung und dem Bau der Provisorien erfordern Erdsonden keine Baubewilligung, sondern nur ein Meldeverfahren.

Laut M.R.* hätte die Stadt so auf schnellem Weg versucht, Bohrungen durchzudrücken. Also rekurrierte er auch gegen das Erdsondenfeld.
Moral der Geschichte: Da nicht absehbar ist, wie lange die Gerichtsverfahren die Sanierung blockieren, hat sich die Stadt entschieden, die Wiese im letzten April für eine halbe Million Franken wiederherzustellen.
«Bessere Lösungen»
Das freut nicht nur M.R.*, der sagt, die Aemtlerwiese bilde die schützenswerte Seele des von Gustav Gull im Jahr 1908 gebauten Ensembles, sondern auch andere Nachbarn. So unterstreicht Anwohner und Alt-FDP-Gemeinderat Flurin Capaul die Wichtigkeit der Wiese für das Quartier.
«Solche Freiflächen sind in der Stadt sehr beliebt und gesucht, da die Wiesenkapazität nicht gross ist.» Die Aemtlerwiese werde von Nachbarn stark genutzt, sei es, um Fussball oder Federball zu spielen, spazieren zu gehen oder zu picknicken.
Capaul betont, dass die Sanierung der Schulhäuser zwar notwendig sei. Er stellt jedoch die lange Bauzeit infrage, während der die Wiese aufgrund der Provisorien nicht genutzt werden könnte.
«Ich frage mich, was das städtische Hochbauamt fünf Jahre lang macht.» Die Stadt baue teuer, da könne man wenigstens erwarten, dass die Arbeiten rasch vorangingen.
Auch Capaul sieht den Bau der Provisorien auf der Wiese mit Skepsis. «Die Gefahr ist gross, dass diese nie mehr wegkommen.» Der Stadtrat setze in letzter Zeit immer häufiger auf Provisorien für den Schulbetrieb.
Laut Capaul haben es sich die Behörden mit der Umnutzung der Aemtlerwiese einfach gemacht. Beim Umbau der Schulhäuser müssten irgendwo Abstriche gemacht werden. Die Wiese vollzustellen, sei die bequemste Lösung.
Er meint, man hätte die Provisorien genauso gut auf den Hof der Schulanlage stellen können. «Dieses Vorgehen ist nicht durchdacht, die Bedürfnisse des Quartiers wurden nicht genug berücksichtigt.»
Ausserdem schlägt Capaul genauso wie der Rekurrent vor, zu warten, bis die Schule mit Fernwärme versorgt werden kann, anstatt Erdsonden für Wärmepumpen zu erstellen. Die FDP hat dazu einen Vorstoss im Gemeinderat eingereicht.
«Nicht nachvollziehbar»
Laut Stadt sind die geplanten Schulraum-Provisorien auf der Wiese die beste umsetzbare Variante. «Die Provisorien gewährleisten die Baustellensicherheit für Schulkinder sowie Lehrerinnen und Lehrer und ermöglichen einen reibungslosen Schulbetrieb während der Instandsetzung», sagt Franziska Martin, Sprecherin des Amts für Hochbauten.
Aus Sicht der Stadt Zürich als Bauherrschaft sei deswegen der Rekurs des Anwohners nicht nachvollziehbar. Auch der Rekurs gegen die Erdsonden sei bedauerlich, da damit ein Beitrag an die Energieeffizienz und ökologische Nachhaltigkeit geleistet werde. Martin versichert, dass die Provisorien «garantiert» nicht bestehen bleiben.
Weil es nicht absehbar sei, wie lange die Gerichts- verfahren andauern würden, habe man die Wiese für das Quartier «vorübergehend» wiederhergestellt. An einer Quartierinformation sei die Nachbarschaft über andere Freiflächen im Quartier informiert worden.
*Name der Redaktion bekannt
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.








