Zürcher Polizei fordert PS-Beschränkung für Junge

Weil die Anzahl Raser-Delikte und Raser-Unfälle zunimmt, wird eine PS-Beschränkung für Junglenker gefordert. Der Nationalrat lehnte das vor drei Jahren aber ab.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Kanton Zürich nahmen die Raser-Delikte und -Unfälle zu.
- Im Schnitt hatten die Unfallfahrzeuge 475 PS.
- Deshalb wird nun eine PS-Beschränkung für Junglenker gefordert.
Im Kanton Zürich sinkt die Anzahl der Verkehrsunfälle und die Anzahl der Personen, die dabei schwer verletzt werden. Doch die Präsentation der Zahlen am Mittwoch war nicht nur eine erfreuliche Angelegenheit. Denn es gibt immer mehr Raser-Delikte. Dagegen soll nun etwas unternommen werden.
Im vergangenen Jahr registrierte die Kantonspolizei 9494 Unfälle – 1,1 Prozent weniger als der Durchschnitt der letzten fünf Jahre. 297 Personen wurden schwer verletzt, acht Prozent weniger als im Fünf-Jahres-Schnitt. Die Anzahl der Todesopfer lag mit 23 auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Die Anzahl Raser-Delikte aber ist seit 2020 von 140 kontinuierlich auf 230 gestiegen. Und dabei sind im letzten Jahr sechs Personen gestorben. Zudem endete rund jede vierte Raserfahrt in einem Unfall. Von Raserei ist die Rede, wenn eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung, beispielsweise 70 Stundenkilometer in einer 30er-Zone, waghalsige Überholmanöver oder Strassenrennen vorliegen.
Laut Thomas Iseli, dem Chef der Verkehrspolizei der Kapo, sind die meisten Raser junge Männer, viele davon mit ausländischer Nationalität. Oft wurden Autos der Marken Mercedes, BMW oder Audi, meist «geleast, geliehen oder gemietet», verwendet. Die Unfallfahrzeuge haben im Schnitt 475 PS.
Die Lenker würden zudem häufig Sicherheitssysteme deaktivieren oder den Rennmodus aktivieren. Iseli betont, dass das nur auf Rennstrecken erlaubt sei. «Dieses Verhalten ist ein Verbrechen», sagt auch Wernher Brucks, Chef der Stadtzürcher Verkehrssicherheit.
Kapo und Städte setzen auf Prävention
Bereits jetzt versuchen Kapo sowie die Städte Zürich und Winterthur, dem Raserproblem Herr zu werden. Bislang setzen sie auf Prävention: An Berufsschulen, in den sozialen Netzwerken und auf Plakaten weisen sie auf die möglichen Folgen des Rasens hin.
Michael Huwiler, Leiter Strassenverkehr bei der Staatsanwaltschaft Zürich, will weiter gehen: Gegenüber der «NZZ» fordert er eine «PS-Begrenzung für Junglenker». So solle «irgendwo bei 150 oder 200 PS Schluss» sein.
Denn die Zunahme der Raser-Delikte hänge direkt mit der Verfügbarkeit der PS-starken Autos zusammen. «Heute finden sich bei vielen Miet- und Leasingfirmen solche Angebote.» Vor 20 Jahren sei dies noch nicht der Fall gewesen.

Eine PS-Beschränkung für Neulenker oder Junge gibt es in anderen Ländern bereits. In Italien dürfen Lenker im ersten Jahr nach der Prüfung maximal mit 75 PS unterwegs sein. In Kroatien sind für Personen unter 25 Jahren nur Autos mit maximal 102 PS erlaubt.
Auch Iseli findet eine PS-Begrenzung «begrüssenswert». Es brauche einen Mix aus verschiedenen Ansätzen, um das Raser-Problem zu lösen. Eine Begrenzung würde zu weniger Delikten führen.
Und auch Wernher Brucks sagt: «Diesen jungen Männern darf man schlicht nicht so viel Leistung geben.»
Gegenwind für die Forderung dürfte es aber in der Politik geben: Vor drei Jahren lehnte der Nationalrat eine solche PS-Beschränkung ab. Und auch der Bundesrat sah keinen Handlungsbedarf, denn: Nur 3,6 Prozent der Unfälle mit Verletzten oder Todesopfern würden von Neulenkern mit Autos mit mehr als 136 PS verursacht.
Ein weiteres Argument der Gegner lautet: Das Problem sind die Lenker und nicht die Autos. Auch mit weniger PS könne man rasen.












