Bedrohter ersetzt ungefährdeten Papagei im Zoo Zürich

Statt dem nicht gefährdeten Regenbogenlori fliegt neu der bedrohte Scharlachbrustlori durch die Voliere im Zoo Zürich. Der Zoo will bis 2030 den Tierbestand konsequent auf bedrohte Arten umstellen.

In ihrer Heimat, den indonesischen Inseln Bali und Lombok, lebt nur noch eine Handvoll Mitchell-Scharlachbrustlori, wie der Zoo Zürich am Mittwoch mitteilte. Illegaler Fang für den internationalen Heimtiermarkt habe die Papageien in wenigen Jahrzehnten an den Rand der Ausrottung gebracht. Möglicherweise seien auch die noch dort lebenden Vögel aus Fangaktionen entflohen.
Auch die zehn Tiere, benannt nach der scharlachroten Brust, die nun im Zoo Zürich eingezogen sind, stammen aus einer Zoo-Zucht in Grossbritannien. Danke dieser hätten im letzten Jahr 40 Tiere auf Bali wieder angesiedelt werden können. Papageien gälten weltweit als am stärksten gefährdete Vogel-Gruppe. «Etwa jede dritte der 410 Arten gilt als bedroht», heisst es in der Mitteilung.
Die bisherigen Bewohner der Voliere, die Regenbogenloris, hätten einen neuen Platz gefunden, sagte ein Mediensprecher des Zoos gegenüber Keystone-SDA. «Sie leben nun in einem anderen Zoo.» Es sei immer das erste Ziel des Zoos Zürich, einen neuen Platz für die Tiere zu finden. Wenn das nicht möglich ist, werden auch Tiere eingeschläfert, allerdings erst wenn sie krank sind.
Spezialisierte Zunge für Nektar
Wie fast alle Papageienarten seien auch Loris grundsätzlich sehr gesellige Vögel. An der Lebhaftigkeit und Buntheit in der Lori-Voliere werde sich daher mit dem Einzug der Neuen wenig ändern, heisst es weiter. Loris ernähren sich überwiegend von Nektar, Pollen und Früchten und übernehmen damit eine wichtige ökologische Rolle als Bestäuber.
Charakteristisch für Loris ist die spezialisierte Zunge mit pinselartigen Papillen zur Nektaraufnahme: Streckt der Lori seine Zunge in Blüten, richten sich die Papillen auf, und der Nektar bleibt daran haften. Beim Zurückziehen wird die Zunge an den Gaumen gepresst, wobei der flüssige Nektar in Hautfalten aufgefangen wird.
Bis 2030 sollen im Zoo Zürich nur noch bedrohte oder für die Forschung relevante Tiere leben. In den kommenden Jahren würden weitere nicht gefährdete Arten den Zoo verlassen und bedrohte neu hinzukommen. Der Anteil an bedrohten Tieren ist bei den Säugetieren, Amphibien und Reptilien ist laut Zoo schon heute bei über 70 Prozent. Vögel und Fische sind mit 54 und 31 Prozent noch weiter vom Ziel entfernt.





