Wie steht das Kantonsspital Winterthur finanziell da, CEO Speck?

Sandro Portmann
Sandro Portmann

Winterthur Stadt,

Das Kantonsspital in Winterthur ZH feiert seinen 150. Geburtstag mit einem grossen Fest für die Bevölkerung.

Kantonsspital Winterthur
«Das KSW soll ein Ort sein, an dem Menschen sich sicher und verstanden fühlen», sagt CEO Guido Speck. - pd

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Kantonsspital in Winterthur ZH feiert sein 150-jähriges Bestehen.
  • Für das Jubiläum wird ein grosses Fest organisiert.
  • KSW-CEO Guido Speck im Interview.

1876/1877 waren prägende Jahre für Winterthur ZH. In dieser Zeit entstanden mit dem Gewerbemuseum Winterthur, dem Technikum Winterthur, der AXA sowie dem Kantonsspital Winterthur Institutionen, die die Stadt bis heute prägen.

Am Samstag feiert das KSW seinen 150. Geburtstag gemeinsam mit der Bevölkerung.

KSW
Das Kantonsspital Winterthur gibt es mittlerweile seit 150 Jahren. - keystone

KSW-Chef Guido Speck erklärt im Gespräch, wo das Spital heute steht, welche Herausforderungen noch bestehen und weshalb das Spital vor allem von den Menschen lebt, die dort arbeiten.

Redaktion: Guido Speck, das Kantonsspital feiert Geburtstag. Wie ist die Stimmung?

Guido Speck: Das KSW ist seit 150 Jahren für die Menschen in und um Winterthur da. Das gemeinsam mit der Bevölkerung, den Mitarbeitenden und unseren Partnern feiern zu dürfen, ist eine tolle Sache.

Redaktion: Am Samstag, 6. Juni, ist die Bevölkerung zum Spitalfest eingeladen. Auf was darf sie sich freuen?

Speck: Wir stellen unser umfassendes Angebot vor. Dazu haben sich die verschiedenen Bereiche einiges einfallen lassen – von begehbaren Organmodellen bis zur Teddybären-Klinik.

Redaktion: Und was ist Ihr persönlicher Höhepunkt des Tages?

Speck: Mein persönliches Highlight ist das grosse Engagement des gesamten KSW-Teams für diesen Anlass.

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Das Kantonsspital in Winterthur. - Nau.ch / Simone Imhof

Redaktion: Die letzten Jahre waren für das Spital finanziell herausfordernd. Im Interview mit der «Winterthurer Zeitung» sagten Sie Anfang 2025, eine finanzielle Wende sei sichtbar. Wie steht das KSW finanziell heute da?

Speck: Wir haben die Trendwende geschafft. Heute steht das KSW auf einem stabilen Fundament und verfügt über die notwendigen finanziellen Ressourcen, um zukünftige Herausforderungen zu meistern.

Redaktion: Es wurde viel in Gebäude und Infrastruktur investiert. Es werden aber wieder Bagger auffahren. Welche Bauprojekte folgen noch?

Speck: Für ein neues Gebäude werden die Bagger frühestens in zehn Jahren auffahren, wenn wir mit dem Ersatzbau für das in die Jahre gekommene Bettenhaus S beginnen. Bei den Investitionen fokussieren wir uns auf den strategischen Schwerpunkt Tumorbehandlung.

Wir bauen eine Inhouse-GMP-Radiopharmazie auf, dies in Verbindung mit einem PET/CT-Quadra-Vision-Gerät sowie dem Ausbau unserer Roboterplattform und der Molekularpathologie. Das alles vereinen wir im dafür umgenutzten Haus T.

Hattest du im letzten Jahr einen Spitalaufenthalt?

Redaktion: Aktuell kommt es zeitweise zum Rückstau beim Parkhaus auf die Haldenstrasse mit teils gefährlichen Situationen. Werden mit der Erweiterung des Spitalangebots auch mehr Parkplätze gebaut?

Speck: Im Rahmen einer zukünftigen Bauetappe werden wir das prüfen und gegebenenfalls eine Bewilligung beantragen.

Redaktion: Die Privatklinik Lindberg steht vor dem Aus. Das KSW hat Interesse bekundet, Flächen des Nachbarn zu übernehmen. Wie ist der Stand?

Speck: Wir haben die Mietverträge im Mai unterzeichnet. Ab Anfang 2027 behandeln Akutgeriatrie und Palliativabteilung ihre Patientinnen und Patienten am Lindberg. Wir reagieren damit auf den steigenden Bedarf an stationären Behandlungsangeboten für ältere, oft multimorbide sowie schwerkranke Menschen.

Bestehende Flächen zu mieten, hat den grossen Vorteil der schnellen Verfügbarkeit. Gleichzeitig schaffen wir uns so auch Handlungsspielraum auf dem Kernareal.

Redaktion: Wird auch Personal übernommen?

Speck: Die Lernenden können ihre Ausbildung am KSW beenden. Das haben wir so mit der Privatklinik Lindberg vereinbart. So erhalten wir die Ausbildungsplätze in Winterthur. Von den Lernenden abgesehen übernehmen wir keine Mitarbeitenden.

Redaktion: Die Zahl kardiologischer Eingriffe steigt. Anfang Mai verkündete das Kantonsspital Winterthur, dass ein drittes Herzkatheter-Labor eröffnet wird. Profitiert hier das KSW vom derzeit schlechten Ruf der Herzchirurgie des Unispitals Zürich?

Speck: Die steigende Nachfrage nach Herzkatheteruntersuchungen und -eingriffen spüren wir schon länger. Ein Grund dafür ist, dass die Menschen älter werden und häufiger am Herzen erkranken.

Zudem wächst das Einzugsgebiet des KSW, da immer mehr Ärztinnen und Ärzte Patientinnen und Patienten an uns überweisen. Mit dem dritten Herzkatheterlabor schaffen wir die notwendigen Kapazitäten, um den gestiegenen Versorgungsbedarf in der Region zu decken.

Redaktion: Die neue Imagekampagne des KSW zum Jubiläum rückt den Menschen in den Fokus, etwa Frau Lüthi, die Demenzpatientin mit dem schönsten Lachen der Station. Erwarten die Patienten heute mehr von einem Spital als nur Fachkompetenz?

Speck: Davon bin ich überzeugt. Fachkompetenz wird bei einem Zentrumsspital wie dem KSW von der Bevölkerung vorausgesetzt. Das KSW soll ein Ort sein, an dem Menschen sich sicher und verstanden fühlen – ein Spital mit Herz und Kompetenz.

Am KSW ist die interprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr stark. Alle setzen sich gemeinsam für das Wohl der Patientinnen und Patienten ein. Das spüren und erfahren die Menschen, wenn sie bei uns sind.

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Das Kantonsspital in Winterthur. - Nau.ch / Simone Imhof

Redaktion: Vor welchen Herausforderungen steht das Spital?

Speck: Das KSW ist bestrebt, seine begrenzten Ressourcen wirkungsvoll einzusetzen. Wir haben diesbezüglich schon viel erreicht. Aber es gilt dranzubleiben. Wir wollen unsere Kapazitäten intelligenter und vernetzter steuern, um auch bei steigenden Patientenzahlen jederzeit eine ausgezeichnete, effiziente und wirkungsvolle Medizin anbieten zu können.

Im Bereich der Digitalisierung sind wir daran, den Patientennutzen erlebbar zu machen und gleichzeitig unser Personal zu entlasten. Diese Entwicklungsarbeit erfolgreich zu meistern, erfordert viel Engagement und Ausdauer. Damit wir den Standort Lindberg erfolgreich und reibungslos in Betrieb nehmen können, sind wir mit einem motivierten Projektteam daran, die erforderlichen Arbeiten umzusetzen.

Redaktion: Wie sieht das Spital der Zukunft aus?

Speck: Das KSW wird auch in Zukunft eine zuverlässige und hochwertige medizinische Versorgung gewährleisten und ein attraktiver Arbeitgeber sowie Ausbildungsbetrieb für die Region bleiben.

Dabei wollen wir eine Vorbildfunktion übernehmen und zeigen, dass sich medizinische Qualität und finanzieller Erfolg nicht ausschliessen, sondern gegenseitig positiv beeinflussen.

Redaktion: Sie sind seit zwei Jahren CEO des Kantonsspitals. Was prägte diese Zeit?

Speck: Als ich 2024 gestartet bin, war der Auftrag klar: die finanzielle Schieflage des KSW innerhalb von zwei Jahren zu korrigieren und das Spital wieder auf eine nachhaltige Basis zu stellen.

Parallel dazu haben wir 2025 erstmals eine umfassende Unternehmensstrategie entwickelt – ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft. Daraus sind unsere drei strategischen Schwerpunkte entstanden: Geburtshilfe, Tumorbehandlung und Altersmedizin.

Die vergangenen zwei Jahre haben mir gezeigt: Ein Spital wird nicht durch Gebäude, Technologien oder Organigramme erfolgreich, sondern durch Menschen, die an eine gemeinsame Zukunft glauben.

Der aussergewöhnliche Einsatz unserer Mitarbeitenden hat den Unterschied gemacht. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Dieser Erfolg gehört dem gesamten Team KSW – und er ist Ansporn, den eingeschlagenen Weg mit derselben Entschlossenheit weiterzugehen.

Dieses Interview ist zuerst in der «Winterthurer Zeitung» erschienen.


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