Billig-Weine aus dem Ausland machen Winzern Geschäft kaputt

Billige Importweine machen den Schweizer Weinbauern das Geschäft kaputt. In einer Kampagne kämpfen sie für einen fairen Weinmarkt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Händler profitieren bei Importwein von enormen Margen.
- Schweizer Winzer Reben müssen schon Reben ausreissen, sagt Weinbauer Philibert Frick.
- Die Winzer hoffen auf Zollkontingente, die Weinhändler sind dagegen.
Ein Oldtimer-Konvoi fährt derzeit durch Schweizer Städte und Dörfer. Am Steuer sitzen aber nicht etwa Fans der historischen Fahrzeuge, sondern Weinbauern. Geht es nach Weinbauer Philibert Frick, haben Oldtimer und Wein viel gemeinsam.
«Oldtimer sind das Symbol einer alten Tradition», sagt Frick zu Nau.ch.
Der Schweizer Weinbau setze auch auf eine alte Tradition. Die Oldtimer würden alle noch sehr gut fahren. «Genauso viel Qualität ist in unseren Produkten.»
An den Oldtimern prangen verschiedene Botschaften. «Wenn Weinberge gehen, verschwindet mehr als nur Wein», steht auf einem grünen VW.
An einem Coupé fragt ein Plakat, warum Händler an importiertem Wein bis zu zehnmal mehr verdienten als mit Schweizer Wein.
«Ein paar hundert Hektaren ausgerissen»
Der Oldtimer-Konvoi ist Teil der Kampagne der Schweizer Weinbauern im Kampf für einen fairen Weinmarkt. Am Dienstag ist der Konvoi gerade am Zürichsee unterwegs – einer Region mit 136 Hektaren Weinland.
Mit einer Rebfläche von über 600 Hektaren ist der Kanton Zürich der grösste und bedeutendste Deutschschweizer Weinbaukanton.
In jedem Kanton gebe es Weinreben, sagt Kampagnenleiter Philibert Frick. «Wir kämpfen dafür, dass wir die Reben weiter unterhalten und Trauben erzeugen können.»
Die Lage auf den Schweizer Rebhängen ist dramatisch. Manche Winzer müssen ihre Rebstöcke ausreissen.
Der Bund unterstützt die freiwillige Rodung befristet auf zwei Jahre finanziell. In Genf laufen laut Philibert Frick bereits seit einem Jahr Ausreiss-Programme.
Selbst betreibt er ein Weingut in Bougy-Villars VD. «Im Kanton Waadt werden ein paar hundert Hektaren ausgerissen», sagt Frick.
Aus dem Kanton Wallis verfüge er über keine Zahlen. «Aber auch dort ist es ganz schlimm.»
«Kein Interesse, Schweizer Wein zu verkaufen»
Das Problem: Importweine machen den Schweizer Weinbauern das Geschäft kaputt. Diese sind zunehmend günstiger, werden aber auch unter anderen regulatorischen Bedingungen hergestellt als einheimische Weine.
«Momentan liegt der Preis von Importwein bei 36 Rappen pro Liter», sagt Philibert Frick. Grössere Händler können enorme Margen draufschlagen. «Da haben sie kein Interesse, Schweizer Wein zu verkaufen.»
Für die Schweizer Weinbauern ist das bitter. «Wir sind dagegen, dass wir unsere Reben ausreissen müssen», sagt er. «Damit ein paar grössere Firmen und Händler riesige Profite machen.»
Winzer kritisieren Beizen: «Viele» bieten keine Schweizer Weine an
Unverständlich ist für die Weinbauern auch das Angebot auf der Weinkarte von Restaurants.
«Es gibt viele Restaurants, die keine Schweizer Weine anbieten», sagt der Kampagnenleiter. «Sowas könnte man sich in Italien oder Frankreich nicht vorstellen.»
Gleichzeitig kämpfen die Weinbauern mit einem sinkenden Weinkonsum. 2024 registriert der Bund im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von knapp acht Prozent.
Zum Trinken zwingen wollten sie die Leute nicht, betont Philibert Frick. «Wir möchten, dass die Leute weniger, aber qualitativ guten Wein trinken.»
Hoffnung gibt den Winzern ein Gesetz, das aktuell in der Vernehmlassung ist. Wirtschaftsminister Guy Parmelin sieht vor, das Zollkontingent für Wein nach der Inlandleistung zu verteilen.
Weinhändler wehren sich gegen Gesetz
Die Vereinigung Schweizer Weinhandel spricht sich dagegen aus. Sie warnt vor einer massiven Verkleinerung des Schweizer Weinmarkts und einem noch stärkeren Rückgang des Gesamtkonsums.
Zudem erweise sich dieser bundesrätliche Vorschlag als verfassungs- und gesetzeswidrig. «Diese Inlandleistung verstösst gegen das Prinzip des freien Wettbewerbs», so der Verband.
Auch behindern sie Händler, Importeure und Schweizer Kellereien massiv in ihren geschäftlichen Aktivitäten.
Stattdessen setzt sich der Verband für den Aufbau eines Weinmarktfonds ein. Dort würden sich die Akteure aller Wertschöpfungsstufen der Weinbranche zusammenschliessen und einen finanziellen Beitrag erbringen.
So könnte der Sektor laut dem Verband dringend notwendige Instrumente für die Produktion und die Marktbearbeitung entwickeln und einsetzen.










