«Preise ausser Rand und Band»: Mini-Wohnung kostet fast 2900.-

Auf dem Zürcher Wohnungsmarkt wird derzeit eine 1.5-Zimmer-Mietwohnung für satte 2870 Franken angeboten. Den Mieterverband ärgerts.

Das Wichtigste in Kürze
- Auf dem Zürcher Wohnungsmarkt findet sich derzeit ein Inserat für eine 1.5-Zimmer-Wohnung im Quartier Enge.
- Der monatliche Mietzins hat es in sich: 2870 Franken werden verlangt.
- Es zeige, dass die Mietpreise «ausser Rand und Band» geraten seien, so der MieterInnenverband Schweiz.
«An einer der begehrtesten Wohnlagen Zürichs erwartet Sie diese exklusive 1.5-Zimmer-Gartenwohnung im hochwertigen Neubau.» Damit wirbt ein Wohnungsinserat für eine Wohnung im beliebten Zürcher Quartier Enge.
Geboten werden unter anderem eine Designküche, ein privater Gartensitzplatz und eine eigene Waschmaschine. Auch ein sogenanntes «Free Cooling»-System, das die Räume im Sommer um einige Grad herunterkühlt, lockt.
Doch beim Preis der angebotenen Mini-Wohnung dürften selbst Zürcher leer schlucken: Für die 43,5 Quadratmeter kleine Wohnung werden monatlich stolze 2870 Franken verlangt.
Mietpreise sind «ausser Rand und Band» geraten
Für Urban Hodel, Co-Generalsekretär des MieterInnenverbands Schweiz, ist das Inserat kein Einzelfall. Es zeige, dass die Mietpreise «ausser Rand und Band» geraten seien.
«Die Preise steigen generell ungebremst», sagt er zu Nau.ch. Die Angebotsmieten seien seit 2021 schweizweit um mehr als 50 Prozent gestiegen. «Während die Gewinne und Renditen steigen, wird das Portemonnaie der Mieterinnen immer stärker belastet.»
Den konkreten Mietzins wolle er zwar nicht abschliessend beurteilen. Dafür kenne man die Bau- und Bodenkosten des Projekts nicht. Klar sei aber: Die hohen Bodenpreise gehörten mit zu den Gründen für die steigenden Mieten.
Hodel verweist zudem auf das Mietrecht. Dieses schreibe vor, dass sich Mieten an den tatsächlichen Kosten orientieren und nur eine begrenzte Rendite zulässig sei. Aus seiner Sicht werde dies heute jedoch zu wenig überprüft.
Immobilienexperte: «Ausgesprochen ambitioniert»
Auch für Immobilienexperte Harry Büsser vom Vergleichsdienst Comparis gehört die Wohnung preislich zur Spitze des Zürcher Marktes.
«Der Mietzins ist ausgesprochen ambitioniert», sagt er gegenüber Nau.ch. Dennoch liege das Angebot «nicht völlig ausserhalb dessen, was derzeit im obersten Segment verlangt wird.»
Entscheidend sei, dass nicht nur die Wohnfläche bezahlt werde. «Bezahlt werden zusätzlich der Erstbezug, der private Garten, der Neubaukomfort und die gefragte Lage», erklärt Büsser.

Für eine gewöhnliche 1,5-Zimmer-Wohnung wäre ein solcher Preis aussergewöhnlich hoch. Im kleinen Markt hochwertiger Neubauwohnungen mit grosszügiger Aussenfläche sei das Inserat dagegen «kein vollständiger Ausreisser».
Dass die Preise in diesem Segment stark nach oben getrieben werden, hänge auch mit einem strukturellen Effekt zusammen. «Küche, Bad, Haustechnik und Erschliessung beanspruchen auch bei einer kleinen Wohnung viel Fläche und verursachen hohe Kosten. Deshalb sind kleine Wohnungen pro Quadratmeter üblicherweise teurer als grosse.»
Bei der inserierten Wohnung werde eben nicht nur eine kleine Wohnfläche, sondern ein «kompaktes Komfortpaket» angeboten.
Nur für wenige erschwinglich
Trotzdem dürfte sich die Zielgruppe in Grenzen halten. Nach einer häufig verwendeten Faustregel sollte die Miete höchstens rund einen Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen. Um sich die Wohnung leisten zu können, wäre laut Büsser deshalb ein monatliches Bruttoeinkommen von rund 8600 Franken nötig.
Ob der verlangte Preis tatsächlich bezahlt werde, lasse sich heute noch nicht sagen. «Wird die Wohnung rasch vermietet, hat der Anbieter die Zahlungsbereitschaft richtig eingeschätzt», sagt Büsser.
Bleibe das Inserat hingegen lange online oder werde der Mietzins gesenkt, sei die Preisvorstellung wohl zu hoch gewesen.
Der Anbieter der Wohnung hat eine Anfrage von Nau.ch nicht beantwortet.










