Linksextreme Andrea Stauffacher lässt Prozess in Zürich platzen

Andrea Stauffacher hat am Mittwoch ihren Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich platzen lassen. Unterstützer liessen eine Nachricht von ihr abspielen und bekundeten ihre Solidarität. Danach zogen die rund 50 Personen durch das Langstrassenquartier.

Stauffacher werde nicht in den Saal kommen, bestätigte ihr Anwalt vor Gericht. Der Richter verkündete darauf, dass sie unentschuldigt fernbleibe. Er wird einen neuen Termin ansetzen. Wann dieser sein wird, ist noch offen.
Eine Gruppe von rund 50 Unterstützern von Stauffacher fand sich vor dem Bezirksgericht Zürich ein. Ein grösseres Polizeiaufgebot stand bereit. Entgegen ersten Berichten war die 76-Jährige wohl nicht vor Ort.
Die Unterstützer bekundeten teilweise vermummt mit Transparenten und Musik ihre Solidarität mit der Beschuldigten. Auch mehrere Reden wurden gehalten. Ins Gericht ging aber niemand. Die Polizei stellte eine Sicherheitsschleuse auf und kontrollierte die Identität aller Prozessbesucher.
Nach den Reden zog die Gruppe über Ankerstrasse und Kanonengasse in einen Hinterhof bei der Langstrasse. Der Verkehr war kurzzeitig eingeschränkt. Die Polizei begleitete die Gruppe.
Die Staatsanwaltschaft wirft der vorbestraften Linksextremen die Teilnahme an zwei Demonstrationen vor, an denen es zu Ausschreitungen gekommen war. Ein Anklagepunkt ist mehrfache Gewalt oder Drohung gegen Behörden und Beamte. Stauffacher wird dabei nicht konkret vorgeworfen, gegen Polizisten gewalttätig geworden zu sein. Die Staatsanwaltschaft verlangt eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Für die Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung.
Sie habe an der Demonstration «Die Klimakrise ist jetzt!» am 11. Februar 2023 in Basel teilgenommen, an der mehrere Polizisten verletzt wurden. Minutiös listet die Anklage alle Verletzungen sowie Sachbeschädigungen auf. Die Beschuldigte sei mit den Gewalttätigkeiten einverstanden gewesen und habe sich auch nicht vom gewalttätigen Demonstrationszug entfernt, heisst es in der Anklageschrift.
Stauffacher, die sich im Vergleich zu anderen linksextremen Demonstrantinnen und Demonstranten öfters unvermummt zeigt, war laut Anklage auch am Umzug «Zürich Nazifrei» am 12. Februar 2022, einer Gegendemonstration zu einer Kundgebung von Corona-Massnahmengegnern, dabei.
Demonstranten hätten Sachbeschädigungen begangen und Pflastersteine und Mobiliar eines Restaurants Richtung Polizisten geworfen. Auch in diesem Fall sei Stauffacher «Teil der Zusammenrottung» gewesen und habe die Taten gebilligt. Laut Anklage versuchten die Demonstrantinnen und Demonstranten zur Kundgebung der Massnahmengegner auf dem Sechseläutenplatz vorzudringen.
Der letzte aufsehenerregende Fall von Stauffacher war ein Freispruch: 2022 kippte die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts eine Verurteilung nach Feuerwerkschüssen auf das türkische Konsulat in Zürich. Sie war zuvor der Gehilfenschaft für schuldig befunden worden, weil sich ihre DNA an der Abschussvorrichtung befand. Auch dafür hätte sie ins Gefängnis gehen müssen. Doch der Berufungskammer reichte das nicht als Beweis.
Stauffacher ist trotz fortgeschrittenen Alters weiterhin an Demonstrationen dabei, egal ob am 1. Mai oder wenn es um Solidarität mit Palästina geht.





