Gratis wohnen am Zürichsee – doch dieses Inserat hat einen Haken

Ein Traumhaus am Zürichsee, kostenlos – doch das Inserat richtet sich nur an Frauen mit einem ganz bestimmten Lebensstil.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mann bot gratis Wohnen am Zürichsee an – mit ungewöhnlichen Bedingungen.
- Das Inserat richtete sich an Frauen, die einen intimen Rollenspiel-Lebensstil mittragen.
- Der Anbieter bestreitet sexuelle Absichten – Experten warnen vor Abhängigkeitsrisiko.
Grosses Haus, Pool, Garten, Blick auf den Zürichsee – gratis wohnen, aber mit «DDLG-Vibe». Ein Facebook-Inserat aus Schönenberg ZH hat in einer Gruppe für handfesten Aufruhr gesorgt.
Das Angebot lief unter dem Modell «Wohnen gegen Hand»: Wer einzieht, zahlt keine Miete, hilft dafür im Haushalt und Garten. Grundsätzlich nichts Ungewöhnliches: Solche Modelle existieren zuhauf, von Tierbetreuung auf dem Bauernhof bis zur Mithilfe bei älteren Personen.
Was steckt hinter DDLG?
Für Aufregung sorgte nicht das Modell selbst, sondern zwei Dinge: Das Inserat richtete sich explizit an Frauen und warb mit einem «Safe Space» mit «Little Space / DDLG-Vibe».
Viele Nutzerinnen und Nutzer reagierten irritiert. Manche fragten, was die Begriffe überhaupt bedeuten. Andere sprachen von einem sektenartigen Eindruck oder warnten vor Abhängigkeit.
DDLG steht für «Daddy Dom / Little Girl». Der Begriff stammt aus BDSM-Subkulturen und beschreibt ein Rollenmodell rund um Dominanz und Machtgefälle zwischen einvernehmlich handelnden Erwachsenen.
«Little Space» beschreibt einen mentalen Zustand, in dem sich eine erwachsene Person bewusst kindlicher oder schutzbedürftiger gibt. Beides muss nicht zwingend sexuell sein, wird in entsprechenden Kreisen aber klar diesem Spektrum zugeordnet.
Anbieter: «Keinerlei sexueller Kontext»
Gegenüber Nau.ch nimmt der Anbieter ausführlich Stellung. Er habe das Inserat bewusst in der Gruppe «Wohnen gegen Hand unzensiert» veröffentlicht, für ihn stehe «unzensiert» für ehrliche Kommunikation.
Die Erwähnung von DDLG sei eine proaktive Information gewesen, damit potenzielle Mitbewohnende vorab wüssten, welcher Lebensstil im Haus gepflegt werde.
Im Haus lebe er gemeinsam mit seiner 26-jährigen Schwester. «Little Space» versteht er als mentalen Rückzugsort vom Alltag – als private Form der Entspannung, «ohne jeglichen sexuellen Kontext».
Seine Schwester lebe diesen Lebensstil seit Jahren selbstbestimmt. Zwei freie Zimmer hätten der neuen Person zur exklusiven Nutzung gestanden.
Den Vorwurf, explizit eine Frau gesucht zu haben, weist er zurück: Gesucht worden sei eine Person, «die menschlich in unser Umfeld passt».
«Verletzlichkeit könnte ausgenutzt werden»
Susanne Schaaf von der Fachstelle Infosekta kennt das konkrete Inserat nicht, ordnet es aber klar ein. Wer mit Begriffen wie «Safe Space» oder «starke Schultern» werbe, spreche gezielt vulnerable Menschen an.
Diese sehnten sich oft «genau nach diesem vordergründigen Schonraum». Vulnerable Personen seien oft nicht in der Lage, «problematische Dynamiken auf Anhieb zu erkennen und sich gesund abzugrenzen».

Das DDLG-Konzept sei das «genaue Gegenteil» professioneller Schutzräume, sagt Schaaf. Während seriöse Angebote die Autonomie fördern, sieht Schaaf hier eine problematische Beziehungsdynamik.
Der Gastgeber übernehme Führung und Fürsorge und suche gezielt Frauen, die bereit seien, sich in einen «kindlichen Zustand» zurückzuziehen. «Es besteht das Risiko, dass die Verletzlichkeit der Frauen ausgenutzt wird», sagt Schaaf.
Frauen in instabilen Lebenssituationen rät sie, solche Angebote zu meiden. Wer es dennoch ausprobieren wolle, solle vorher mit einer Vertrauensperson sprechen und einen Plan B haben. Zudem empfiehlt Schaaf ein eigenes Einkommen und klar definierte Grenzen.
Der ursprüngliche Beitrag ist inzwischen gelöscht. Der Anbieter begründet das damit, dass die Diskussion unsachlich geworden sei. Niemand habe das direkte Gespräch gesucht, stattdessen sei öffentlich geurteilt worden.












