Oberland

«Geht um Gesundheit»: Zürcher Ausflugsbeiz macht Hitzefrei

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Hinwil,

Das Personal schwitzt und die Gäste bleiben aus. Ein Restaurant im Zürcher Oberland schliesst deshalb früher.

Hitze
Am Sonntag macht das Restaurant Sternen Rotenstein bereits um 18 Uhr zu. - sternenrotenstein.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Restaurant Sternen Rotenstein in Hinwil ZH macht am Sonntag wegen der Hitze früher Feierabend.
  • Die Pächterin will damit ihr Personal schützen.
  • «In einer Küche wird es locker über 40 Grad heiss», sagt der Präsident von Gastro Stadt Zürich.

Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke machen die Schweiz zu einem Backofen. Am Sonntag soll das Thermometer in der Region Zürich auf 37 Grad klettern. Gäste, die dann in der Ausflugsbeiz Sternen Rotenstein Znacht essen wollen, stehen vor geschlossenen Türen.

Das Restaurant im Zürcherischen Hinwil macht Hitzefrei!

«Aufgrund der angekündigten grossen Hitze schliessen wir ausnahmsweise bereits um 18 Uhr», teilt das Restaurant auf seiner Website mit. Die Küche schliesse bereits um 17 Uhr. Normalerweise ist bis 21 Uhr offen.

«Belastung war enorm»

Bereits am vergangenen Sonntag machte das Restaurant früher Feierabend.

Damals sei es sehr heiss gewesen, sagt Pächterin Sybille Müller. «Die Belastung für unser Team – insbesondere in der Küche – war körperlich und auch von der Konzentration her enorm.»

Machst du bei Hitze auch früher Feierabend?

Die Hitzewelle heizt die Küche auf. In einer Restaurantküche sei es von Natur aus schon warm, sagt Müller.

«Bei sehr hohen Aussentemperaturen kommt zusätzlich die Hitze von Herd, Grill, Fritteuse, Backofen, Steamer und Abwasch dazu.» Das Personal stehe über mehrere Stunden konzentriert am Arbeitsplatz, bewege sich viel und arbeite unter Zeitdruck.

«Irgendwann geht es nicht mehr nur um Komfort, sondern auch um Gesundheit, Konzentration, Belastbarkeit und Sicherheit», so Müller. Gerade in der Küche müsse man aufmerksam arbeiten können. «Mit heissen Geräten, Messern, schweren Pfannen und teilweise grossem Zeitdruck.»

Deshalb wollten sie hier Verantwortung übernehmen und nicht einfach «durchziehen», wenn es nicht zwingend nötig sei.

«Weniger Gäste»

Die Ausflugsbeiz mit Terrasse hat am letzten heissen Sonntag auch weniger Gäste angelockt.

Nach dem Mittagsgeschäft hätten sie «merklich weniger Gäste» gehabt, sagt Sibylle Müller. Auch deshalb würden sie früher schliessen.

«Auf unserer Terrasse ist es zwar schön, aber irgendwann wird es vielen Gästen trotz Sonnenschirmen einfach zu heiss.»

Hitze verschärft Situation

Doch hitzebedingte Schliessungen dürften Beizen einen Strich durch die Rechnung machen. Ihre wirtschaftliche Situation ist bereits angespannt. Rund 40 Prozent tiefere Umsätze verzeichnen die Gastrobetriebe im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dies zeigt die «Konjunkturumfrage Gastgewerbe» des ersten Quartals.

«Natürlich bedeutet eine frühere Schliessung grundsätzlich weniger Umsatz», sagt Sibylle Müller. Gleichzeitig müsse man aber realistisch sein.

Bei extremer Hitze am Abend kämen ohnehin deutlich weniger Gäste und das Team sei gleichzeitig stark belastet. «Dann steht der zusätzliche Umsatz nicht immer im Verhältnis zur Belastung.»

Sie betont: «Unsere Mitarbeitenden sind unser wichtigstes Gut.» Von der Kundschaft hätten sie dafür viel Verständnis und Wertschätzung erhalten.

In Küchen wird es «locker über 40 Grad»

Das Restaurant Sternen Rotenstein befindet sich auf dem Land, umgeben von Grünflächen. In städtischen Beizen drohen Personal und Gäste umso mehr zu schwitzen.

«In Beizen in der Stadt wird es zum Teil unerträglich heiss», sagt Nicolas Kern. Er ist Präsident des Verbands Gastro Stadt Zürich. «Wenn der Asphalt fast zu schmelzen beginnt, ist es auch auf Aussenplätzen nicht mehr angenehm.»

Er rechnet damit, dass diese Woche noch mehr Betriebe Hitzefrei machen. «In einer Küche wird es bei hohen Aussentemperaturen locker über 40 Grad heiss», sagt Kern. Wenn es für die Mitarbeitenden ans Lebendige gehe und kaum Gäste kämen, müsse man schliessen.

Um kurzfristig die Folgen des fehlenden Umsatzes möglichst gering zu halten, rät Kern, mit den Mitarbeitenden das Gespräch zu suchen. Man könne sie zu motivieren, Frei- oder Ferientage zu nehmen. «Meist haben sie aber ohnehin ein Pensum an Überstunden, sodass diese abgebaut werden können.»

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