Stadt Zürich

Ein Tram bewegt Zürich

Jan Strobel
Jan Strobel

Zürich,

Überlastete Busse, ein rasant wachsendes Quartier und ein Streit um Bäume: Am 14. Juni kommt das umstrittene Tram Affoltern vor das Stadtzürcher Stimmvolk.

Tram Affoltern
Neugestaltung mit viel Grün: So soll sich in Zukunft die Wendeschlaufe
des Trams Affoltern beim Holzerhurd präsentieren. - Visualisierung PD

Am 14. Juni befinden die Stadtzürcher Stimmberechtigten über nichts Geringeres als ein «Schlüsselprojekt für die VBZ». So jedenfalls bezeichnet Stadtrat Michael Baumer, Vorsteher der Industriellen Betriebe, das geplante Tram
Affoltern.

Zur Abstimmung steht der städtische Anteil an diesem Projekt in Höhe von insgesamt 159,1 Millionen Franken. Konkret beteiligt sich die Stadt mit 60 Millionen Franken am kantonalen Verkehrsfonds, um eine rechtzeitige Finanzierung zu ermöglichen und einen möglichen Stillstand des Projekts zu verhindern. Die restlichen 99,1 Millionen sind für Erneuerungs- und Aufwertungsmassnahmen vorgesehen.

Tatsächlich wäre das Tram Affoltern fast auf die lange Bank geschoben worden. Der Regierungsrat hatte das Projekt 2024 aus finanziellen Gründen in seiner Planung zurückgestellt. Dann kam es zum Deal mit der Stadt.

Mit den städtischen 60 Millionen Franken konnte der Anteil des Kantons an der
Finanzierung auf 305,5 Millionen Franken gesenkt werden. Der Bund wiederum unterstützt das Tram Affoltern im Rahmen der Agglomerationsprogramme mit 127 Millionen Franken.

Für die Stadt ist eine schnelle und direkte Tramverbindung des rasant wachsenden Quartiers Affoltern mit dem Stadtzentrum drängender denn je. Gemäss Prognosen werden bereits im Jahr 2035 über 30'000 Menschen in diesem Stadtquartier leben.

ÖV Letzigrund Tram Betrieb
Stadtrat Michael Baumer (FDP). - keystone

Bis 2050 wird mit einer Zunahme der ÖV-Nachfrage um 50 Prozent gerechnet. «Bereits heute ist die Buslinie 32 überlastet, die Kapazitätsgrenze erreicht», so Stadtrat Michael Baumer. «Daran würden auch kürzere Taktzeiten nichts ändern.» Das Tram Affoltern würde hier angesichts des prognostizierten Wachstums zusätzlichen Raum schaffen.

Bäume als Konfliktherd

Geplant ist eine zweigleisige Strecke von vier Kilometern zwischen Holzerhurd und Brunnenhof entlang der Wehntalerstrasse. Dabei sei «ein sehr ausgewogener Kompromiss» zwischen ÖV, Auto- und Veloverkehr sowie für Zufussgehende gefunden worden, sagt VBZ-Direktor Martin Sturzenegger.

Auf der Wehntalerstrasse als wichtiger Zubringer zur Autobahn wird die bestehende Autokapazität allerdings erhalten. So forderte es der Kanton. Lediglich im Abschnitt zwischen Neuaffoltern und Glaubtenstrasse wird eine Fahrspur zugunsten von mehr Platz für den ÖV, für Velofahrende und Zufussgehende aufgehoben.

Ein besonderer Fokus bei der Strassenraumgestaltung liegt auf den Bäumen. Die Baumallee wird neu mit klimarobusteren Bäumen erneuert.

«Zwar werden dafür 564 Bäume gefällt», rechnet Martin Sturzenegger vor, «dafür aber 851 neue gepflanzt. Das sind also bis zu 30 Prozent mehr Bäume.» Zusätzlich soll der neue Furttalpark entstehen.

Tram Affoltern
Das Tram soll Affoltern in der Zukunft eine bessere Anbindung gewährleisten. (Visualisierung) - VBZ

Erhalten werden soll das historische Restaurant Frieden. Das Gebäude im Eigentum der Stadt hätte eigentlich der neuen Baulinie weichen müssen. Nun wird es im Baurecht an einen privaten Investor abgegeben und verschoben.

Was die Gegner meinen

Für die Gegner des Projekts, insbesondere der Fraktionen der AL, der Grünen und Teile der GLP, stehen ökologische Bedenken im Vordergrund. Sie stören sich insbesondere an der geplanten Verbreiterung der Strasse und damit den Baumfällungen.

«Bis die Ersatzbäume ausgewachsen sind und ihre
klimatische Wirkung entfalten, werden Jahrzehnte vergehen», so der Standpunkt. Zudem finde kein Anreiz zum Umstieg vom Auto aufs Tram statt.

Gefordert wird eine Überarbeitung des Projekts mit weniger Strassenfläche, weniger Baumfällungen und «einer Finanzierung, die dem bewährten System des Zürcher Verkehrsverbunds entspricht». Der Stadtrat, kritisierten die Grünen, habe sich «vom Kanton über den Tisch ziehen lassen».

In der Zwischenzeit sollen dichtere Taktfolgen bei den Buslinien und grössere Fahrzeuge für die nötigen Kapazitäten sorgen.

Braucht es das Tram Affoltern?

Auch die SVP lehnt das Tram Affoltern ab. Bei dem Projekt gehe es «einmal mehr» um eine «Schikanierung der Autofahrer». Zudem gehe es nicht an, dass die Stadtbevölkerung Mehrkosten von 60 Millionen Franken selbst tragen soll, weil «die dogmatisch ausgerichtete Mehrheit des Gemeinderats nicht auf eine kantonale (Mit-)Finanzierung warten möchte».

Selbst wenn die Stadtzürcher Stimmberechtigten ein Ja für den städtischen Beitrag am Tram Affoltern in die Urne werfen; in trockenen Tüchern ist das Projekt dann noch nicht. Der vom Regierungsrat im Februar 2026 verabschiedete kantonale Baukredit kommt demnächst in die parlamentarische Debatte im Kantonsrat.

Bei einem Referendum braucht es auch eine kantonale Abstimmung. Falls alle Hürden genommen werden, soll der Bau 2028 beginnen, die Inbetriebnahme ist ab 2031 geplant.

Hinweis

Jan Strobel ist Redaktor beim «Tagblatt der Stadt Zürich».

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