Stadt Zürich

In den Züri-Säcken landen zu viel Lebensmittel

Keystone-SDA Regional
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Zürich,

Die erstmals durchgeführte Abfallanalyse der Stadt Zürich zeigt grosses Verbesserungspotenzial: Im Züri-Sack landen zu viele Lebensmittel und Wertstoffe. Die Stadt will nun die Kreislaufwirtschaft massiv fördern.

Laut einer Abfall-Analyse der Stadt Zürich landen zu viel vermeidbare Lebensmittelabfälle in den Züri-Säcken. (Archivbild)
Laut einer Abfall-Analyse der Stadt Zürich landen zu viel vermeidbare Lebensmittelabfälle in den Züri-Säcken. (Archivbild) - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Zum ersten Mal hat die Stadt Zürich detailliert unter die Lupe genommen, was die Bevölkerung sowie die ansässigen Betriebe im Abfall entsorgen. Die Ergebnisse wurden am Freitag präsentiert. Für die Analyse wurden 832 Kehrichtsäcke und 367 Anlieferungen auf dem Recyclinghof untersucht und sortiert. Die Ergebnisse zeigen, wo Möglichkeiten zur Verbesserung liegen:

Hoher Foodwaste-Anteil: Ein beträchtlicher Teil der Sackfüllung ist eigentlich noch essbar. Genau 19,6 Prozent des Gesamtgewichts im klassischen Züri-Sack machen vermeidbare Nahrungsmittelabfälle aus.

Wertstoffe statt Restmüll: Im normalen Hauskehricht verstecken sich massenhaft wiederverwertbare Stoffe. Den grössten Anteil teilen sich organische Küchenabfälle wie Rüstabfälle sowie Plastikverpackungen und Getränkekartons. Gefolgt werden sie von Karton, Papier und Altglas.

Papierberge bei kleineren Unternehmen: Bei kleineren und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten führt Papier die Abfallliste mit ganzen 24,1 Prozent an. Davon wären 7,6 Prozent direkt wiederverwertbar gewesen. Die übrigen Müllfraktionen gleichen im Wesentlichen denen von Privathaushalten.

Intakte Schätze im Sperrgut: Beim Blick aufs Sperrgut dominieren rein vom Gewicht her alte Möbel, während nach Stückzahl gezählt vor allem Haushalts- und Gebrauchsgegenstände entsorgt werden. Überraschend ist deren Zustand: Stolze 68,1 Prozent dieser weggeworfenen Sachen funktionieren noch einwandfrei, während weitere 3,3 Prozent repariert werden könnten.

Stadträtin Simone Brander (SP) betonte, dass die städtische Klimapolitik bis zum Jahr 2040 das Netto-Null-Ziel vorgibt, was eine Reduktion der indirekten Treibhausgasemissionen um 30 Prozent gegenüber 1990 verlangt. Da Abfall hochgradig klimarelevant ist, müssen gezielte Bereiche schrumpfen:

Essbare Lebensmittel: Weil jede Einwohnerin und jeder Einwohner in Zürich jährlich durchschnittlich 23,4 Kilogramm geniessbare Lebensmittel in den Abfall wirft, steht der Kampf gegen den Foodwaste ganz oben auf der Prioritätenliste.

Energieintensive Materialien: Das Recycling von Materialien schont zwar wichtige Ressourcen, verbraucht im Prozess jedoch oft viel Energie – beispielsweise beim Schmelzen von Altglas. Daher gilt es, Wertstoffe gar nicht erst im Verbrennungsofen landen zu lassen.

Die jährliche Gesamtmenge: Mit dem langfristigen Konzept «Circular Zürich» soll das gesamte Abfallaufkommen der Stadt schrumpfen. Das Ziel von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) ist es, den jährlichen Kehrichtausstoss pro Kopf von aktuell 145 Kilogramm auf 110 Kilogramm zu drücken.

Um die jetzige Recyclingquote von 46 Prozent auf über 50 Prozent anzuheben, reicht herkömmliches Sammeln nicht aus. Die Kreislaufwirtschaft gilt als Königsweg, weshalb sich ERZ vom reinen Entsorger hin zu einem modernen Kompetenzzentrum wandeln möchte. Folgende konkrete Massnahmen laufen bereits oder stehen kurz vor dem Start:

Ausbau der Infrastruktur: Das Netz der mobilen Recyclinghöfe soll bis zum Ende des Jahres 2026 auf 32 Standorte anwachsen. Gleichzeitig treibt die Stadt den flächendeckenden Ausbau der Bioabfallsammlung voran.

Optimierung bestehender Sammlungen: Bereits umgesetzt sind neue Trennsysteme für Wertstoffe auf öffentlichem Grund sowie eine Verdoppelung des Abholrhythmus für Karton auf jede Woche.

Flächendeckendes Plastik-Recycling: Durch den Beitritt zum Schweizer Recyclingsystem «RecyPac» sollen Kunststoffe und Getränkekartons separat gesammelt werden. ERZ spannt hierfür mit Grossverteilern zusammen, da diese bereits über die nötige Infrastruktur und Logistik verfügen.

Förderung von Wiederverwendung und Reparatur: Um Gegenstände länger im Umlauf zu halten, fördert die Stadt Bring- und Holtage sowie Tauschzonen an den Abgabestellen.

Aufklärung gegen Lebensmittelverschwendung: Gegen die Lebensmittelverschwendung helfen gezielte Aufklärungskampagnen an Schulen und Kontrollen in städtischen Kantinen. Die Bevölkerung soll dazu animiert werden, bewusster einzukaufen, Haltbarkeitsdaten besser zu verstehen und kreativer mit Resten zu kochen.

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