Fussball-Talk: Hat Alain Sutter in GC-Aufstellung Einfluss genommen?

GC kassiert erneut eine Klatsche und steht gegen Winti unter Druck. Wird der Abstiegskampf nochmal so richtig lanciert? Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- Vor dem Keller-Kracher gegen Winterthur steht GC unter Druck.
- Hat Alain Sutter vor dem 0:4 gegen Sion in die GC-Aufstellung Einfluss genommen?
- YB hilft das 3:3 in Basel im Kampf um Platz drei nicht weiter.
- Leader Thun kassiert in Lugano die zweite Niederlage in Serie.
- Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.
Nau.ch: Wir starten mit GC, das nach dem 0:5 in Genf jetzt auch 0:4 gegen Sion verliert. Eure Meinung zum Krisenclub?
Mischi Wettstein: Das ist ein toller Trainereffekt bei den Hoppers! Spass beiseite: Ich bin nicht überrascht. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wieviel Gernot Messner bei den Hoppers zu sagen hat.

Mir ist zu Ohren gekommen: Zwei Tage vor dem Spiel seien andere Spieler für die Aufstellung vorgesehen gewesen, zum Beispiel Amir Abrashi und Tim Meyer. Doch am Spieltag war dann wieder alles anders. Wer hat das geändert? Im Verdacht steht der «Leuchtturm», wie der GC-Sportchef unter den Spielern auch genannt wird.
Christoph Böhlen: Also du meinst Sportchef Alain Sutter? Ich bin mir nicht sicher, ob eine andere Aufstellung wirklich mehr Erfolg gebracht hätte. GC wirkt aktuell von A bis Z verunsichert.

Mischi Wettstein: Also bitte, Böhli: Das solche Sachen Unruhe bringen, erklärt sich doch von selber. Zudem muss man im Abstiegskampf auch auf Einheimische setzen, die wirklich wissen, worum es geht. Ob das nämlich für die vielen eingekauften Söldner gilt, glaube ich nicht! Da fehlt doch die Identifikation zu Land, Leuten und Verein.
Christoph Böhlen: Das sehe ich anders: Am Ende geht es doch um die Qualität. Die besten Elf sollen spielen, egal wie lange sie beim Club sind. Bei GC scheint so oder so der Wurm drin zu sein – ich weiss nicht, wie man bei den Hoppers jetzt den Bock umstossen will.
Mischi Wettstein: Ich habe gehört, dass Sportchef Sutter nach dem Spiel in der Kabine war. Er soll gesagt haben: «Es geht keiner raus, bevor ich nicht weiss, was das Problem ist.» Die Spieler sollten sich jetzt äussern – sonst wolle er die ganze Woche nichts mehr hören.
Natürlich sei es ruhig geblieben. Jetzt werden die Zügel angezogen: Zuletzt wurde die Präsenzzeit gelockert – jetzt gilt wieder eine Anwesenheitspflicht von 8 Uhr bis 17 Uhr.
Christoph Böhlen: Die Zügel werden auch im Umgangston angezogen: Nach dem Spiel erklärt Sutter bei SRF, dass es an den Spielern sei, den entscheidenden Schritt zu machen. Er zitiert dabei das Sprichwort: «Du kannst den Esel nur bis zum Wasser führen – trinken muss er selber.» Das sind ziemlich klare Worte?

Mischi Wettstein: Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich Sutter bewegt. Aber es ist doch ganz einfach, im Fussball ist immer das Unmögliche möglich. Für Alain Sutter gilt in dieser Saison: Marterpfahl oder Denkmal! Schliesslich kann GC immer noch den Liga-Erhalt schaffen und den Cup gewinnen. Am Samstag wartet der Keller-Kracher in Winterthur, eine Woche später der Cup-Halbfinal.

Nau.ch: Dazu kommen wir später, Mischi. Zuerst wechseln wir zu deinem FCZ, der in St.Gallen verliert.
Mischi Wettstein: Grundsätzlich habe ich gar nichts anderes erwartet. Aber wenn du wegen so eines «Schei**-Tores» verlierst, bei dem Keeper Silas Huber schlecht aussieht, tut es doppelt weh. Ich bin sicher: Gestern hat Yanick Brecher gedacht: Den hätte ich wohl gehalten. Und da war er wahrscheinlich nicht der einzige Goalie...

Christoph Böhlen: Für mich war das eines dieser Spiele, die uns in den nächsten Wochen noch häufiger erwarten werden: Für den FCSG geht es noch um etwas – beim FCZ nicht mehr. Da ist es logisch, hatten die Espen am Ende den längeren Atem.
Mischi Wettstein: Und es wird nicht besser: Nächstes Wochenende reist der FC Lugano nach Zürich und der hat auch noch Ambitionen. Wer Thun schlägt, kann auch beim FCZ gewinnen.
Nau.ch: Dann wechseln wir gleich zum Leader, der gegen Lugano zum zweiten Mal in Serie verliert. Weil der FCSG gewinnt, schrumpft der Vorsprung auf zwölf Punkte – die Entscheidung um den Titel wird also nochmal vertagt.

Mischi Wettstein: In Lugano kann man auch mal verlieren, das ist kein Weltuntergang. Dass der Spannungsbogen nicht mehr so gross ist, wenn du in Richtung Titel rollst, ist doch verständlich. Jetzt kommt der FCB nach Thun, da wird sich das Lustrinelli-Team wieder am Riemen reissen: Diese Affiche vor eigenem Anhang ist deutlich reizvoller.
Christoph Böhlen: Aber bei dir kommen trotz der beiden Niederlagen keine Zweifel am Thuner Titel auf, oder?
Mischi Wettstein: Was ist denn das für eine Frage? Ich glaube, du beginnst zu zittern, mein «Domizil Thuner»?
Christoph Böhlen: Ich zittere gar nicht! Für mich ist klar, dass der FCSG das nicht mehr aufholen wird. Aber ich bin gespannt, ob die Thuner ihren ersten Titel im Stadion oder auf dem Sofa feiern werden. Letzteres wäre doch bitter für ein so einmaliges Märchen.
Nau.ch: Bleiben wir im Kanton Bern: YB gleicht beim FCB spät zum 3:3 aus. Mischi, du warst am Ostersamstag im Joggeli: Wie war das Sechs-Tore-Spektakel?
Mischi Wettstein: Ich wurde in einem intensiven Spiel sehr gut unterhalten. Für mich gab es zwei unterschiedliche Halbzeiten: In den ersten 45 Minuten war der FCB sicher besser, inklusive Zaubertor von Shaq – dem Höhepunkt des ganzen Spiels. Nach der Pause hat sich YB am Riemen gerissen und kommt dank zwei Joker-Toren spät zum Ausgleich.
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Christoph Böhlen: Die Formkurve von YB ist durchaus okay, von den letzten sechs Spielen hat man nur eines verloren. Zudem scheint die Moral zu stimmen, wie das späte 3:3 zeigt.
Auch wenn es viel Unverständnis für den Stürmer-Entscheid von Gerardo Seoane gibt: Ich verstehe, dass man Samuel Essende auswärts Toptorschütze Chris Bedia vorzieht. Der Kongolese ist ein Arbeitstier – ihm fehlen einfach noch die Tore. Aber natürlich hätte ein Sieg mehr geholfen im Kampf um Platz 3. Denkst du, der Europa-Zug ist für YB abgefahren?

Mischi Wettstein: Eine einfache Antwort: Mit einer Leistung wie in der ersten Halbzeit, dann ist der Europa-Zug abgefahren und deine Berner können eigentlich vorzeitig in die Ferien abreisen. Spielen sie so, wie nach der Pause, dann könnten sie im Saison-Endspurt eine Serie hinlegen. Im Fussball ist alles möglich – aber es sind noch andere Teams in der Verlosung. Das wird sicher schwierig.
Übrigens muss ich etwas zugeben, Böhli: Im Duell meiner «Lieblingsspieler» FCB-Leroy gegen YB-Gigovic hat sich dein YB-Bosnier deutlich durchgesetzt!
Christoph Böhlen: Endlich kommst du zur Einsicht, Mischi! Gigovic kommt mir regelmässig zu schlecht weg, es war schon wieder ein starker Auftritt. Wahrscheinlich auch beflügelt durch die WM-Quali mit Bosnien. Du Glückspilz kannst ihn dann in den USA gegen unsere Nati bewundern.

Mischi Wettstein: Und genau, weil er gegen unsere Nati spielen wird, bleibt er weiterhin auf meiner «Schwarzen Liste».
Nau.ch: Wechseln wir zum FC Luzern. In Spiel 1 nach der Bekanntgabe der Trennung von Trainer Mario Frick verliert man 0:3 gegen Servette.
Mischi Wettstein: Hat denn jemand erwartet, dass der FCL in Genf gewinnt? Es hat ja niemand gesagt, dass Servette keine Qualität hat. Und die FCL-Spieler wissen jetzt, dass der Trainer nächste Saison nicht mehr da ist. Zudem wird es in der Relegation Group nur noch um die Goldene Ananas gehen. Ist diese Zusatzschleife mit Frick bis Ende Saison wirklich nötig?

Christoph Böhlen: Wenn ich dich richtig verstehe: Du hättest Mario Frick also gleich ersetzt, statt mit ihm die Saison zu beenden?
Mischi Wettstein: Wenn man weiss, dass der Trainer Ende Saison geht, fehlen die Aufmerksamkeit und der Spannungsbogen. Das ist doch menschlich und das belegt auch das Resultat in Genf. In dieser Konstellation kann man in dieser Saison nichts mehr erwarten. So ist es nur noch «Kehraus». Da hätte es sicher andere Lösungsansätze gegeben. Zum Beispiel mit einer Übergangslösung.
Ich bin auch sehr gespannt, wie lange der FCL sich Zeit lässt, bis der neue Trainer bekanntgegeben wird. Hätte man einen klaren Plan, könnte man doch auch vorwärts machen und den Namen baldmöglichst bekanntgeben. Klarheit hat noch keinem Verein geschadet.
Christoph Böhlen: Da bin ich anderer Meinung: Erstens hat sich Mario Frick verdient, nach 4,5 Jahren einen sauberen Abschied zu erhalten. Und in diesen sieben Spielen sieht man beim FCL genau, wer sich weiterhin in den Hintern klemmt und Gas gibt. Wer sich jetzt hängen lässt, nur weil der Trainer wechselt, den kann man im Sommer gleich mitschicken.

Mischi Wettstein: Böhli, die heiligen Ostertage sind vorbei! Eine Übergangslösung und einen sauberen Schnitt von Mario hätte man – gut verkauft – auch hinbekommen. Nach einem 0:3 in Genf spricht alles für meine Argumente.
Nau.ch: Wir haben mit dem Abstiegskampf begonnen – und schliessen den Kreis auch damit: Winterthur verliert in Lausanne mit 1:2.
Mischi Wettstein: Winterthur verpennt Wochenende für Wochenende die Chance, GC noch mehr unter Druck zu setzen. Ein Punkt in Lausanne hätte da durchaus geholfen. Doch mit dieser Niederlage kommt man eben nicht vorwärts.
Das Kellerduell am Samstag hat vorentscheidenden Charakter: Gewinnt GC, sind es acht Punkte – das holt der FCW in fünf Spielen nicht mehr auf. Mit einem Sieg verkürzt das Team von Päti Rahmen aber auf zwei Punkte. Dann kehrt die Hoffnung auf die Schützenwiese zurück – und bei GC brennt es lichterloh!

Christoph Böhlen: So wie GC zuletzt aufgetreten ist, traue ich dem FCW tatsächlich den Coup zu. Hand aufs Herz: Es wäre auch für uns Zuschauer die letzte Chance auf etwas Spannung in der Super League. Bei einem GC-Sieg ist die Saison bis zur Barrage gelaufen.
Nau.ch: Was ist euch sonst noch aufgefallen?
Mischi Wettstein: Ein grosses Kompliment an Urs Fischer: Er hat Mainz am 14. Spieltag als Schlusslicht übernommen und aus dem Bundesliga-Keller geführt. In der «Fischer-Tabelle» belegen die 05er sogar Rang 5. Einfach Wahnsinn! Fischer ist DER Feuerwehrmann überhaupt: Wenn jemals wieder ein Bundesliga-Club im «Seich» ist: Einfach Urs anrufen.

Christoph Böhlen: Den Gratulationen schliesse ich mich an. Und ich gratuliere dem FC Aarau zum Sieg im 5:4-Spektakel gegen Rappi. Das Aufstiegsrennen geht im Gleichschritt weiter, auch Vaduz gewinnt. Und heute warten schon die nächsten Spiele in der Challenge League.
Mischi Wettstein: Jetzt kommst du mit der Challenge League, dabei steigt heute der CL-Hammer Real gegen Bayern!! Cool, wo Du deine Prioritäten setzt… Ich glaube du verwechselst heute wohl die beiden «CL»: Heute hat die Champions League Priorität – nicht die Challenge League.
Christoph Böhlen: Ich ehre halt einheimisches Schaffen. Aber ich glaube, für das Spiel in Madrid sind wir uns doch einig: Wir drücken beide dem Bundesligisten die Daumen?
Mischi Wettstein: Selbstverständlich, das ist für einmal keine Frage: Wir einigen uns auf Bier und Brezen!

| Super League - Super League: Regular Season (07.04.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 32 | 23 | 7 | 2 | 72:36 | 71 | |
| 2. | ![]() | 32 | 17 | 7 | 8 | 62:38 | 59 | |
| 3. | ![]() | 32 | 15 | 8 | 9 | 49:38 | 54 | |
| 4. | ![]() | 32 | 15 | 9 | 8 | 50:42 | 53 | |
| 5. | ![]() | 32 | 12 | 7 | 13 | 48:35 | 49 | |
| 6. | ![]() | 32 | 13 | 11 | 8 | 64:59 | 47 | |
| 7. | ![]() | 32 | 10 | 13 | 9 | 62:59 | 39 | |
| 8. | ![]() | 32 | 9 | 11 | 12 | 56:56 | 39 | |
| 9. | ![]() | 32 | 10 | 13 | 9 | 47:54 | 39 | |
| 10. | ![]() | 32 | 10 | 18 | 4 | 45:62 | 34 | |
| 11. | ![]() | 32 | 5 | 18 | 9 | 38:65 | 24 | |
| 12. | ![]() | 32 | 4 | 21 | 7 | 35:84 | 19 | |
| Super League - Super League: Regular Season (07.04.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 32 | 71 | |
| 2. | ![]() | 32 | 59 | |
| 3. | ![]() | 32 | 54 | |
| 4. | ![]() | 32 | 53 | |
| 5. | ![]() | 32 | 49 | |
| 6. | ![]() | 32 | 47 | |
| 7. | ![]() | 32 | 39 | |
| 8. | ![]() | 32 | 39 | |
| 9. | ![]() | 32 | 39 | |
| 10. | ![]() | 32 | 34 | |
| 11. | ![]() | 32 | 24 | |
| 12. | ![]() | 32 | 19 | |




















