Linke fordern Bericht zu «rassifizierten Büsten» in Zürcher Schule

Die linke Ratsseite stört sich an den «rassifizierten Büsten» im Zürcher Schulhaus Hirschengraben. Am Mittwoch hat sie einen neuen Bericht gefordert. Mit 62 zu 56 Stimmen kam der Antrag durch.

Der Stadtrat solle prüfen, ob die 16 Holzbüsten während schulischer Nutzungen der Aula abgedeckt werden könnten, forderte die AL ursprünglich in einem Postulat. Den Vorstoss brachte sie kurzfristig ein, weil am Mittwoch der Umbau des Schulhauses Hirschengraben zur Tagesschule auf der Traktandenliste stand. Dieser war unumstritten, nur die SVP lehnte die fast 10 Millionen Franken für die Tagesschule ab.
Eine lange Diskussion entwickelte sich aber um das Postulat. Dabei war einmal mehr das bereits vorhandene Gutachten ein Thema. Der frühere FDP-Schulvorsteher Filippo Leutenegger hatte dieses noch in Auftrag gegeben. Gemäss Gutachten sind alle Figuren gleichwertig dargestellt und alle aus dem selben Holz. Die Figuren seien stereotyp und nicht herabwürdigend. Alle seien als «fremde» Exoten dargestellt. Die Figurenpaare vermittelten mit der Ebenbürtigkeit von Mann und Frau zudem ein emanzipatorisches Geschlechterbild.
Das Grundkonzept der «Völkergalerie» sei allerdings vom Verständnis der Zeit geprägt, das Menschen nach «Rassen» eingeteilt und aufgrund äusserlicher Merkmale kategorisiert habe, hiess es im Bericht.
Das vorliegende Gutachten regte einen «bewussten Umgang» mit diesen Figuren an. Eine Entfernung der Figurenköpfe würde demnach das Gesamtkunstwerk des Aula-Raumes zerstören. Der Stadtrat setzte sich für eine Kontextualisierung – eine Einordnung in einen Zusammenhang – ein.
Kaum schulische Nutzung
Für die AL ist das Gutachten eine «Gefälligkeit», wie Sophie Blaser sagte. Und weiter: «Der aktuelle Zustand ist nicht haltbar». Eine Kontextualisierung wäre aber für Erwachsene sinnvoll. Für die Öffentlichkeit solle die Aula zur Wissensvermittlung der kolonialen Verstrickungen in der Vergangenheit der Stadt Zürich und der Rassismusprävention und Rassismussensibilisierung zugänglich gemacht werden.
Leuteneggers Nachfolger als Schulvorsteher, Balthasar Glättli (Grüne), lehnte die Abdeckung der Büsten zwar ab. Er wies aber auch drauf hin, dass die Aula kaum schulisch genutzt werde. Und sein Departement plane eine breite Kontextualisierug, «nicht nur QR-Codes». Für Kinder soll es etwa Unterrichtsmaterialien zur Entstehungsgeschichte und zu kritischen Fragen geben.
SVP und FDP hatten wenig Verständnis für den Antrag der AL. Sie verwiesen auf das Gutachten. Stefan Urech (SVP) sah «kein Problem». «Niemand wird herabgewürdigt oder abschätzig dargestellt», sagte er. Roger Suter (FDP) fand, den Kindern müssten die Büsten erklärt werden, eine Abdeckung würde da nicht helfen.
«Ungenügendes Gutachten»
Abdecken wollten auch andere Parteien nicht. Aber sie verstanden, warum sich die AL am Gutachten abarbeitet. Dieses sei schlicht ungenügend, fand etwa Serap Kahriman (GLP). Sie forderte eine Textänderung beim Postulat. Statt abzudecken, sollte der Stadtrat die Büsten altersgerecht in einen Kontext setzen, etwa mit Erklärvideos oder Tafeln.
Die SP hatte ebenfalls eine Textänderung bereit. Die Abdeckung sei keine langfristige Lösung. Stattdessen schlug Dominique Späth vor, dass ein neues Gutachten geprüft werde. Dabei sollte der Umgang bei Schulnutzung neu geprüft werden, und Direktbetroffene sollten miteinbezogen werden.
Die AL sprach sich schliesslich für die Änderung gemäss SP aus. Die linke Mehrheit stimmte dem Postulat zu.






