Gymi-Prüfung wird im Kanton Zürich nicht abgeschafft

Wer ins Gymnasium will, muss im Kanton Zürich weiterhin eine Prüfung bestehen. Dies hat der Kantonsrat am Montag entschieden. Er hat einen Vorstoss von SP, Grünen und AL abgelehnt, die dieses System in Frage stellten.

Vergangene Woche war es wieder soweit: Rund 9000 Schülerinnen und Schüler legten die Aufnahmeprüfung ins Lang- oder Kurzzeitgymi ab. 18'000 Väter und Mütter bibberten mit – und investierten zuvor einiges an Zeit oder Geld in die Prüfungsvorbereitung.
Für Sylvie Matter (SP, Zürich) ist dieser Aufwand unverhältnismässig gross. Sie hat zudem grosse Zweifel daran, dass die Prüfung als Selektionskriterium wirklich etwas taugt. Es sei erwiesen, dass jene Kinder, bei denen die Eltern einen Vorbereitungskurs finanzierten, eher ins Gymi kämen als jene ohne Unterstützung.
So gehen in Schlieren beispielsweise nur 5,7 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach der Primarschule ins Gymi. In Küsnacht sind es hingegen 30,7 Prozent, in Uitikon gar 52 Prozent. «Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Prüfung nicht abgeschafft werden könnte.» Es gebe mehrere Kantone, die auf eine Aufnahmeprüfung verzichten würden, etwa Basel-Stadt oder Luzern.
In einem Postulat forderte sie von der Regierung deshalb eine Auslegeordnung über mögliche Folgen einer Prüfungsabschaffung. Grüne und AL unterstützten den Vorstoss. «Rund um diese Prüfung ist eine regelrechte Vorbereitungsindustrie entstanden», sagte Livia Knüsel (Grüne, Schlieren). Es stelle sich aber wirklich die Frage, ob es diese Prüfung noch brauche. «Es gibt ja auch noch eine Probezeit.»
Kathrin Wydler (Mitte, Wallisellen) lehnte den Vorstoss ab. Ohne Prüfung würde das Aufnahmeverfahren lediglich auf später verschoben, sagte sie. «Die Drop-Out-Quote wäre höher. Das ist aber nicht wünschenswert.» Die Prüfung hingegen sei ein bewährtes Instrument.
Die GLP war intern gespalten und beschloss Stimmfreigabe. Einer, der die Prüfungen beibehalten will, ist Benno Scherrer (Uster). Wer sich für eine Lehre entscheide, müsse ja auch Bewerbungen schreiben, Tests absolvieren und mit Absagen rechnen. «Etwas Ähnliches dürfen wir doch auch von jenen verlangen, die in ein Gymnasium gehen.»
Die FDP findet das heutige System «zwar auch nicht perfekt», wie es Marc Bourgeois (Zürich) ausdrückte. «Aber wir sehen keine Alternative.» Bourgeois erinnerte zugleich daran, dass «nicht alle ins Gymi müssen».
Auch mit einer Lehre könne man alles erreichen. Als Beispiel nannte er UBS-Chef Sergio Ermotti, der keine Matura machte, sondern eine Banklehre absolvierte. Die Abschaffung der Gymiprüfung wurde schliesslich mit 96 Nein zu 72 Ja Stimmen abgelehnt.





