Stadt Zürich

So erklärt Präsident Heimgartner den Wahlerfolg der SP

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Zürich,

Die SP ist die grosse Siegerin des Wahlsonntags: Im Gemeinderat holt sie vier neue Sitze und alle Kandidierenden werden haushoch in den Stadtrat gewählt.

Oliver Heimgartner
Der Einsatz der SP für mehr Kaufkraft und bezahlbares Wohnen sei belohnt worden, so Parteipräsident Oliver Heimgartner. - Mai Hubacher

Die SP ist die grosse Siegerin des Wahlsonntags: Im Gemeinderat holt sie vier neue Sitze und alle Kandidierenden werden haushoch in den Stadtrat gewählt.

Oliver Heimgartner, Präsident der Zürcher SP, im Interview zum Wahlerfolg.

Tsüri.ch: Die SP hat im Gemeinderat vier Sitze dazugewonnen und alle vier Stadtratskandidatinnen und Stadtratskandidaten schaffen den Sprung in die Exekutive. Überrascht Sie die Deutlichkeit dieses Resultats?

Oliver Heimgartner: Wir haben im Wahlkampf gespürt, dass die Bevölkerung viel Freude an unseren Ideen hat – das reicht von bezahlbarem Wohnraum bis zur Stärkung der Kaufkraft. Gleichzeitig weiss man am Ende nie, wie es ausgeht. Wir waren heute auch nervös und freuen uns nun umso mehr, dass es geklappt hat.

Tsüri.ch: Besonders Céline Widmer hat mit über 56'000 Stimmen ein überraschendes Glanzresultat verzeichnet.

Heimgartner: Es zeigt, dass die Leute grosses Vertrauen in die Personen haben, die wir aufgestellt haben. Aber ja, ehrlich gesagt hat mich überrascht, wie gut die Resultate der Stadtratskandidierenden, insbesondere jenes von Céline Widmer, ausgefallen sind. Das ist ein extrem grosser Vertrauensbeweis der Wählerschaft.

Stadtrat Zürich
Der neue Zürcher Stadtrat. Von links: Glättli (Grüne), Leupi (Grüne), Rykart (Grüne), Hauri (GLP), Brander (SP), Baumer (FDP), Golta (SP), Widmer (SP) und Langenegger (SP). - keystone

Tsüri.ch: Wie erklären Sie sich den Gewinn?

Heimgartner: Ich glaube, die SP hat in den letzten vier Jahren gezeigt, dass sie bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und vorwärtszuarbeiten. Das zeigt sich zum Beispiel an den städtischen Initiativen, die wir lanciert und durchgebracht haben.

Wir haben erst kürzlich über die Initiative für ein 365-Franken-Abo für den ÖV oder für die Verbilligung der Krankenkassenprämien abgestimmt. Damit haben wir gezeigt, dass wir ganz konkrete Fortschritte für die Kaufkraft der Bevölkerung erwirken können.

Auch beim Klimaschutz haben wir vorwärtsgemacht, etwa mit den Solarinitiativen, für die wir zusammen mit den Grünen sammeln – und ebenso in der Gleichstellung. Ich denke, dass dieses Wahlergebnis unsere Anstrengungen honoriert.

Tsüri.ch: Meinen Sie, die Mobilisierung gegen die Halbierungsinitiative hat der SP geholfen?

Heimgartner: Es ist immer schwierig einzuschätzen, welche Effekte solche Vorlagen haben. Aber klar: Wir haben uns stark gegen die Halbierungsinitiative engagiert und hoffen, dass wir damit möglichst viele Leute motivieren konnten, sich auch an den städtischen Wahlen zu beteiligen.

Bist du wählen gegangen?

Tsüri.ch: Was hat im Wahlkampf gezogen? Die SP ist ja vergleichsweise spät gestartet.

Heimgartner: Wir hatten viel beschränktere Mittel als etwa die FDP. Deshalb mussten wir schauen, dass wir diese sehr gezielt einsetzen. Wir konnten es uns schlicht nicht leisten, schon ab August in der ganzen Stadt mit Plakaten präsent zu sein.

Deshalb haben wir den Fokus auf die heisse Phase des Wahlkampfs gelegt – offenbar war diese Strategie erfolgreich.

Tsüri.ch: Trotz linker Mehrheit im Gemeinderat seit acht Jahren sind die drängendsten Probleme in Zürich dieselben: Die Wohnungsnot spitzt sich zu, bei der Mobilität stockt es. Was wollen Sie in der kommenden Legislatur anders machen?

Heimgartner: Wir möchten dafür sorgen, dass wir genau bei diesen Problemen, welche die Bevölkerung beschäftigen, jetzt endlich vorankommen. Es geht um fehlenden Wohnraum, steigende Preise und sinkende Kaufkraft, Klimaschutz, Mobilität und Gleichstellung.

Wir haben hier schon vieles angestossen: Von der Velorouten-Initiative über die Prämien-Initiative. Diese Vorlagen müssen wir nun mit Hochdruck in die Tat umsetzen.

Gleichzeitig stehen bereits neue Projekte wie die Anti-Airbnb-Initiative zur Abstimmung bereit. Unser Ziel für die nächsten vier Jahre ist klar: Wir wollen noch konkretere Resultate liefern.

Tsüri.ch: Welches Wahlversprechen werden Sie als allererstes angehen?

Heimgartner: Wir haben versprochen, eine neue Wohninitiative zu lancieren. Diese steht nun kurz vor dem Start.

Damit möchten wir die städtische Stiftung PWG substanziell mit Mitteln versorgen, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu sichern, bevor er in den Fängen der grossen Immobilienfirmen landet.

Wahlen Zürich
Simone Brander (SP) und Oliver Heimgartner, Präsident der Zürcher SP. - keystone

Tsüri.ch: Die EVP ist aus dem Gemeinderat geflogen, die SVP hat zwei Sitze gewonnen. Wie blicken Sie auf diese zunehmende Polarisierung?

Heimgartner: Mir macht es grosse Sorgen, dass die SVP zugelegt hat. Die Partei macht eine sehr asoziale Politik gegen die Schwächsten der Gesellschaft, aber auch gegen den Mittelstand. Die SVP bekämpft jede Vorlage, die wir zur Abstimmung bringen – etwa für mehr bezahlbaren Wohnraum.

Ich finde es sehr bedenklich, dass sie ihren Wählerinnen- und Wähleranteil steigern konnte, und hoffe, dass dies nicht dazu führt, dass sie im Gemeinderat Debatten noch stärker blockiert, als es bisher schon der Fall war.

Tsüri.ch: Wie schauen Sie nach diesen Ergebnissen auf die Kantonsratswahlen 2027?

Heimgartner: Ich hoffe sehr, dass wir den Schwung mitnehmen können. Aber jeder Wahlkampf ist eine neue Herausforderung: Wir müssen unsere Rezepte so erklären, dass auch die Menschen im ganzen Kanton verstehen, weshalb eine stärkere SP gut für sie ist. Das ist die Aufgabe für das kommende Jahr.

***

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst bei «Tsüri.ch» erschienen. Autor Kai Vogt ist Redaktor beim Zürcher Stadtmagazin.

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