Stadt Zürich

    So arbeitet gehörlose Moderatorin beim SRF

    Jeannette Gerber
    Jeannette Gerber

    Zürich,

    Die gehörlose Moderatorin Natasha Ruf baut mit der SRF-Sendung «Signes» Brücken zwischen Hörenden und Gehörlosen. Wir haben sie bei Dreharbeiten begleitet.

    Sie macht Sprache sichtbar
    Bei den Dreharbeiten für «Signes»: Natasha Ruf mit Kameramann Emilio Cocciadiferro. - Jeannette Gerber

    Das Wichtigste in Kürze

    • Natasha Ruf moderiert die SRF-Sendung «Signes».
    • Und das, obwohl sie gehörlos ist.
    • «Mein Ziel ist es, eine Brücke zwischen der Welt der Gehörlosen und der Welt der Hörenden zu bauen», sagt Ruf.

    Natasha Ruf spricht mit den Händen. Lebhaft, ausdrucksstark, mit einer Mimik, die ihre Gebärden unterstreicht. Die Moderatorin der SRF-Sendung «Signes» ist seit ihrer Geburt gehörlos.

    Die Redaktion durfte sie bei den Dreharbeiten in den Räumlichkeiten des Schweizerischen Gehörlosenbundes begleiten. An diesem Tag steht ein Interview mit André Marty, dem Verantwortlichen für Public Affairs beim Schweizerischen Gehörlosenbund (SGB-FSS), auf dem Programm.

    Lilian Signer dolmetscht Natasha Rufs Gebärden ins gesprochene Deutsch. Marty, der die Gebärdensprache ebenfalls beherrscht, antwortet in gesprochener Sprache.

    Mit dabei sind auch Co-Produzentin Christina Pollina und Kameramann Emilio Cocciadiferro von SRF. Während Pollina die Gebärdensprache beherrscht, verständigt sich Cocciadiferro mit Ruf über das Lippenlesen.

    Dass Menschen mit und ohne Hörvermögen miteinander kommunizieren, ist auch das Anliegen der Moderatorin. «Mein Ziel ist es, eine Brücke zwischen der Welt der Gehörlosen und der Welt der Hörenden zu bauen», sagt sie. Die Sendung «Signes», die auf SRF 1 ausgestrahlt wird, soll dazu beitragen.

    SRF
    Die Sendung «Signes» wird auf SRF 1 ausgestrahlt. (Symbolbild) - keystone

    «Für die fertige Sendung wird alles entsprechend aufbereitet: Die Gebärdensprache wird vertont, und die Lautsprache wird mit Untertiteln versehen, sodass die Inhalte sowohl für Gehörlose als auch für Hörende zugänglich werden», erklärt Ruf. Die Sendung erreicht laut ihr mindestens ebenso viele Hörende wie Gehörlose.

    Mehr als Moderation

    Die Freude an ihrer Arbeit ist Ruf anzumerken. Mit ihrer lebhaften Gebärdensprache und ihrer herzlichen Ausstrahlung zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre Laufbahn im Medienbereich startete bei Focus Film, einer Produktionsfirma, die sich auf Inhalte von und für gehörlose Menschen spezialisiert hat.

    «Dort lernte ich Schnitt, Kameraführung und Moderation und sammelte Erfahrungen als Nachrichtensprecherin sowie als taube Übersetzerin für TV und Social Media», erzählt Ruf. Später kam sie auch bei SRF zum Einsatz, wo sie gelegentlich für die Kindersendung «Clip und klar!» Inhalte in Gebärdensprache übersetzte.

    «2020 suchte SRF eine Moderatorin für die Gebärdensprachsendung ‹Signes›, und ich bekam den Job. In der Sendung wollen wir Hörenden die Welt der Gehörlosen näherbringen», sagt Ruf. Das Fernsehen ist allerdings nur ein Teil ihres Berufslebens.

    Neben ihrem 15-Prozent-Pensum bei SRF arbeitet sie zu 80 Prozent als Designerin für digitale Angebote bei der Zürcher Kantonalbank. Dort sorgt sie dafür, dass Websites und Anwendungen einfach zu bedienen und auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind.

    Seit zehn Jahren ist Natasha Ruf mit ihrer Partnerin zusammen, die drei erwachsene Kinder hat. Im vergangenen Juni haben die beiden geheiratet. Die Beziehung mit einer hörenden Partnerin war für Ruf zunächst Neuland.

    Gebärdensprache
    Ruf: «Die Gebärdensprache wird vertont, und die Lautsprache wird mit Untertiteln versehen, sodass die Inhalte sowohl für Gehörlose als auch für Hörende zugänglich werden.» (Symbolbild) - keystone

    In ihrer Freizeit zieht es die Moderatorin am liebsten nach draussen: Sie surft, kitet und fährt Snowboard. Neuerdings hat sie auch Hyrox für sich entdeckt, einen Fitnesswettkampf, der Ausdauer und Kraft kombiniert.

    Kampf um Anerkennung

    Während Ruf heute selbstverständlich in Gebärdensprache moderiert, war deren Verwendung in der Schweiz lange alles andere als selbstverständlich. An Schweizer Schulen wurde die Gebärdensprache über Jahrzehnte unterdrückt und vielerorts sogar verboten.

    Stattdessen herrschte der sogenannte Oralismus vor: Gehörlose Kinder mussten sprechen und von den Lippen ablesen lernen. Bei dieser pädagogischen Lehrdoktrin stand die Anpassung an die hörende Gesellschaft im Vordergrund.

    Kannst du dich in Gebärdensprache verständigen?

    Die Anerkennung der Gebärdensprachen ist bis heute ein politisches Thema. In der Ausgabe von «Signes» diesen Samstag steht das 75-Jahr-Jubiläum der World Federation of the Deaf (WFD) in Rom im Mittelpunkt. Dabei geht es unter anderem um die rechtliche Anerkennung der Gebärdensprachen.

    Im Interview mit Natasha Ruf macht André Marty deutlich, dass die rechtliche Anerkennung der Gebärdensprachen in der Schweiz noch immer ein wichtiges Anliegen ist. «Der Schweizerische Gehörlosenbund fordert die Anerkennung und Förderung der Gebärdensprache sowie die Gleichstellung von gehörlosen und hörbehinderten Menschen. Dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage», sagt er.

    Am 23. September hat der Nationalrat einen entsprechenden Vorstoss angenommen. Nun liegt das Geschäft beim Ständerat.

    «Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder werden die Gebärdensprachen in einem eigenständigen Gesetz anerkannt oder ihre Anerkennung wird im Behindertengleichstellungsgesetz verankert.»

    Beim Schweizerischen Gehörlosenbund ist die Gebärdensprache längst selbstverständlich: Wer dort eine Stelle antritt und die Sprache noch nicht beherrscht, muss sie innerhalb des ersten Jahres erlernen.

    Hinweis

    Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt Zürich» erschienen.

    Kommentare

    User #5682 (nicht angemeldet)

    Warum wird immer alles miesmachermässig herunterkommentiert? Steckt ein einäugiges einmeiniges System von Dystopietrollen dahinter?

    User #2348 (nicht angemeldet)

    Warum machen hier eigentlich Medien für andere Medien Werbung? Ist das alles wie ein Club? Gibt es in der Schweiz gar keine Medienvielfalt? Stecken da alles unter einem Dach?

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