Beni Thurnheer und seine Ehefrau wohnen getrennt

Trotz Hochzeit wohnen Beni Thurnheer und seine Frau getrennt. Eine Paartherapeutin erklärt, warum ein solches Beziehungsmodell erfolgreich sein kann.

Das Wichtigste in Kürze
- Beni Thurnheer und seine Frau sind seit acht Jahren verheiratet, leben aber getrennt.
- Durch die getrennten Haushalte fallen Alltagsreibungen weg, erklärt eine Paartherapeutin.
- Doch das Beziehungsmodell hat nicht nur Vorteile, sondern birgt auch Risiken.
Seit acht Jahren sind sie verheiratet. Doch zusammenziehen? Steht nicht zur Debatte.
Die Rede ist von SRF-Legende Beni Thurnheer (77) und seiner Ehefrau Kathrin Hildebrand. Der ehemalige Sportmoderator und Showmaster erklärt im TeleZüri-«SommerTalk», warum ein gemeinsames Daheim aktuell nicht infrage kommt.
«Man geht sich weniger auf den Wecker»
«Das ist die neue Form, die uns gefällt. Wer zum anderen zieht, wird unglücklich», sagt Thurnheer. Er habe seinen Freundeskreis an einem anderen Ort als seine Frau. Warum also sollte einer von ihnen das aufgeben.
Thurnheer wohnt in Seuzach ZH, während seine Frau in der Ostschweiz lebt.
Der 77-Jährige glaubt, dass das Beziehungsmodell von ihm und seiner Liebsten sogar weniger Konfliktpotenzial bietet. «Man geht sich sicher weniger auf den Wecker, da bin ich überzeugt», meint er.
Doch stimmt das auch? Nau.ch hat bei einer Paartherapeutin nachgefragt. Und tatsächlich: Das getrennte Leben in einer Beziehung hat einige Vorteile.
Beziehungsmodell ist «sehr vielversprechend»
Das Modell nennt sich «Living Apart Together», erklärt Tamara Altermatt auf Anfrage. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie: «Getrennt zusammenleben.» Wichtig sei in diesem Fall, dass die Wohnform bewusst gewählt wurde, und nicht aus Vermeidung von Nähe oder Konflikten.
«Nach einigen Jahren als Paartherapeutin aber halte ich dieses Modell für ein sehr vielversprechendes. Oft zeigen sich mehr Respekt, weniger Diskussionen und mehr Würde», so Altermatt. Zudem würden die eigenen vier Wände eine Rückzugsmöglichkeit und somit auch eine Regulationsmöglichkeit bieten.

Und weiter erläutert sie: «Man begegnet sich anders, wenn man ‹zu Besuch› ist und die Gefahr von symbolischen Verbindungen oder Selbstverständlichkeiten ist geringer. Das hält oft auch die Lust und Leidenschaft länger lebendig.»
Die Paartherapeutin rät zudem: «Oft lohnt es sich, Zeit allein zu verbringen und somit dem anderen auch wieder was erzählen zu können.»
«Nähe zur Wahl machen statt zur Gewohnheit»
Ist das Modell also womöglich sogar das Geheimnis einer langen Liebe? «Da ist etwas dran», meint Altermatt. Sie würde das jedoch ein wenig differenzierter fassen.
«Es ist nicht die getrennte Wohnung an sich, die Beziehungen schützt, sondern der Effekt, den sie oft hat. Nämlich, dass Begegnung freiwillig und bewusst bleibt statt gewohnheitsmässig.»
Die Paartherapeutin erklärt weiter: «Viele Konflikte in Langzeitbeziehungen entstehen nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus der Reibung des Alltäglichen.» Fallen diese Reibungspunkte weg, so bleibe mehr Raum für die eigentliche Beziehungsqualität.
Ihr Fazit? «Ich denke, die eigene Tür zu haben heisst nicht, eine Beziehung auf Distanz zu halten. Es heisst, Nähe zur Wahl zu machen statt zur Gewohnheit.»
Modell erfordert mehr aktive Kommunikation
Das Modell «Living Apart Together» birgt aber auch Risiken. Beispielsweise, dass Nähe und Verbindlichkeit über die Zeit erodieren, wenn beide sich zu sehr in ihrer Eigenständigkeit einrichten, warnt Altermatt.
Es erfordere mehr Organisation und aktive Kommunikation, um Nähe herzustellen, die beim Zusammenleben sonst «automatisch» entsteht. Die Sexual- und Beziehungstherapeutin sieht darin die grösste Gefahr: «Das leise Aneinander-vorbei-Leben.»

Weniger geteilter Alltag bedeute zudem weniger gemeinsam bewältigte Herausforderungen, meint Altermatt. «Was die Beziehung in mancher Hinsicht weniger ‹erprobt›», so Altermatt.
Auch ein Ungleichgewicht könne entstehen, wenn eine Partnerin oder ein Partner sich insgeheim mehr gemeinsamen Alltag wünscht. Und: «Im Ernstfall – Pflegebedürftigkeit, gesundheitliche Krisen – kann die räumliche Distanz zur echten Belastung werden.»
Beni Thurnheer lernte Gattin Kathrin erst spät kennen
Für wen sich «Living Apart Together» eignet, lässt sich pauschal nicht beantworten, so Altermatt. Für bestimmte Lebensphasen und Persönlichkeitstypen könne das sehr stimmig sein.
«Besonders für Menschen, die spät im Leben – mit gefestigten Gewohnheiten, eigenem Zuhause, eventuell eigenen Kindern aus früheren Beziehungen – zusammenfinden, kann es die realistischere und stabilere Lösung sein», meint die Paartherapeutin.

Das ist auch bei Beni Thurnheer und seiner Ehefrau der Fall. Die beiden waren davor mit anderen verheiratet und haben sich erst kennengelernt, als sie etwa 60 Jahre alt waren. «Und da hast du deine Wurzeln definitiv geschlagen, das ist etwas anderes als mit 25», sagt Thurnheer.
«Gibt genug Skripte, nach denen wir leben»
Für wen welches Modell am besten passt, sei sehr individuell, meint Tamara Altermatt. Im Aufbau von gemeinsamen Lebensstrukturen oder bei familiären Strukturen mache das Zusammenleben oft Sinn – sei aber auch nicht zwingend.
«Für mich ist am aller wichtigsten, dass sich die Paare wagen, selbst zu spüren und auszuprobieren. Allgemeine ‹Skripte›, nach denen wir leben und unsere Beziehungen gestalten, gibt es nämlich genug», meint die Paartherapeutin abschliessend.







