Body Confidence: Warum wir Selbstbewusstsein neu denken müssen

Körperliche Bewegung dient bei der Gen Z vor allem der mentalen Gesundheit. Die Zürcher Tänzerin Naomi Romero erklärt, warum Selbstbewusstsein überschätzt wird.

Das Wichtigste in Kürze
- Mittlerweile wird Bewegung mit mentaler Gesundheit und Identität verbunden.
- Dies gilt als Gegenbewegung zu den auf Social Media zelebrierten Schönheitsnormen.
- Die Zürcher Tänzerin Naomi Romero sagt dazu: «Stärke ist ein Gefühl, kein Look.»
In den letzten Jahren veränderte sich der Blick vieler junger Erwachsener auf den eigenen Körper spürbar. Die Gen Z ist deutlich stärker mit Schönheitsnormen und körperbezogenen Vergleichen konfrontiert als ältere Generationen – insbesondere über Social Media.
Gleichzeitig wächst ein Gegentrend: Inhalte zu Vielfalt, Body Neutrality und Selbstakzeptanz regen zu einem kritischeren Umgang mit klassischen Idealen an. Auch im Fitnessbereich entsteht ein Wertewandel.
Demnach dient körperliche Aktivität für die jüngere Generation heute weniger dem ästhetischen Zweck, sondern vielmehr mit mentaler Gesundheit, Identität und sozialer Teilhabe verbunden wird. Bewegung wird nicht «für den Körper», sondern für das Leben praktiziert.
Eine, die diese Entwicklung täglich beobachtet und mitprägt, ist die Zürcher Tänzerin Naomi Romero. Naomi hat sich in der Schweizer Tanzszene und international – vor allem als Heels-Artist – einen Namen gemacht.
Eine Zürcher Tänzerin erklärt, was Körperarbeit über innere Stärke verrät
Für Naomi ist der Körper längst mehr als ein ästhetisches Instrument – er ist ein emotionales und mentales System. Diese Erkenntnis entstand vor allem in ihren intensiven Trainingsphasen, unter anderem in New York, wo sie täglich stundenlang tanzte und mit vielseitigen Methoden arbeitete.
Dort erlebte sie unmittelbar, wie stark mentale Verfassung und körperliche Präsenz miteinander verwoben sind. «Wenn du dich innerlich klein fühlst, tanzt du auch klein», sagt sie. «Und wenn dein Fokus fehlt, verliert der Körper sofort seine Balance.»

Diese Verbindung von Psyche und Körper wird heute stärker erforscht – etwa in Studien, die zeigen, dass Bewegung emotionale Regulation und Resilienz fördert. Für Naomi ist sie gelebte Realität: Jede Trainingseinheit wird zum Spiegel des Inneren.
Durch konsequente Arbeit an Kraft, Balance und Technik entwickelte sie nicht nur eine starke physische Basis, sondern auch eine innere Ruhe. «Tanzen hat mir gezeigt, dass Stärke ein Gefühl ist, kein Look. Du kannst nicht ‹stark aussehen› – du musst es erleben und dann strahlst du es aus. Dahinzukommen ist allerdings ein Prozess, der viel innere Arbeit erfordert.»
Selbstbewusstsein ist trainierbar
Selbstbewusstsein wird oft überschätzt – als hätte man es oder eben nicht. Naomi sieht täglich, wie falsch dieser Gedanke ist. Heels Dance, ihr prägendster Stil, beweist es besonders klar: Stärke ist kein Talent, sondern Training.
Heels Dance ist eine Form, die Stärke, Sinnlichkeit und Verletzlichkeit verlangt. Genau deshalb wirkt sie wie ein Spiegel: «Im Heels kommt niemand beim ersten Mal selbstbewusst ins Studio. Niemand. Selbstbewusstsein entsteht, wenn der Körper lernt, sich sicher zu fühlen.» Der Stil verlangt Mut, Präsenz und Kontrolle – und zeigt damit gnadenlos, was innerlich blockiert.

Die Lektionen, die Naomi durch das Tanzen gelernt hat, lassen sich weit über das Tanzstudio hinaus anwenden. Sie gibt sie in Workshops weiter – und sie funktionieren für jeden, der Selbstbewusstsein, Präsenz und innere Stabilität stärken möchte:
1. Präsenz beginnt im Körper: Durch Atmung, bewusstes Gehen oder kurze Body-Scans lässt sich die Wahrnehmung sofort erden und der Fokus zurückholen.
2. Kleine Veränderungen, grosse Wirkung: Der Körper weiss oft schneller als der Kopf, wohin es geht. «Power Poses are a thing!» Bewusste Haltung – Schultern lösen, Brustbein anheben, Füsse bewusst aufsetzen – beeinflusst die Selbstwahrnehmung und das Auftreten.
3. Scheitern ist Teil des Prozesses: Fehler und Stolperer gehören zum Lernen. Sie sind Information, keine Bewertung. Dieser Perspektivwechsel stärkt Resilienz und reduziert Selbstkritik.
4. Selbstbewusstsein entsteht durch Tun: Selbstbewusstsein entsteht, wenn der Körper vertraut – und das Vertrauen wächst nur durchs Tun. Nicht Affirmationen, sondern praktische Erfahrung baut Sicherheit auf. Wer sich körperlich ausprobiert, lernt automatisch, Grenzen zu spüren und Raum einzunehmen.
Worauf dieser Trend hinweist
Die Kombination aus Social-Media-Druck und wachsender Körperdiversität führt zu einem neuen Verständnis von Selbstbild: Der Körper ist kein makelloses Projekt, sondern ein Erfahrungsraum.
Naomi fasst es so zusammen: «Wenn der Körper sich verändert, verändert sich das Selbstgefühl. Und wer lernt, sich selbstbewusst zu bewegen, bewegt sich selbstbewusster durchs Leben.»




