Martin Jucker: «Das ging dieses Jahr gründlich schief»

Martin Jucker
Martin Jucker

Wetzikon,

«Nicht für jedes Problem gibt es eine technische Lösung», schreibt Martin Jucker über die Herausforderungen der Landwirtschaft.

Martin Jucker.
Martin Jucker schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Martin Jucker betreibt die bekannte «Jucker Farm» in Seegräben ZH.
  • Auf Nau.ch schreibt Jucker regelmässig Kolumnen.
  • Heute blickt er auf ein herausforderndes Jahr im Gemüsebau zurück.

Manchmal hat man einen Plan. Einen guten Plan sogar. Man hat etwas ausprobiert, verbessert, optimiert und am Schluss funktioniert es zwei Jahre hintereinander hervorragend.

Dann kommt ein neues Jahr und zeigt einem ziemlich deutlich, wer am längeren Hebel sitzt. 2026 war genau so ein Jahr.

Wir reden in der Landwirtschaft oft darüber, wie wir uns an den Klimawandel anpassen können. Es gibt tatsächlich viele Möglichkeiten. Wir können Böden aufbauen, Humus fördern, Begrünungen säen und mit regenerativen Methoden arbeiten.

Das alles hilft. Aber: Nicht für jedes Problem gibt es eine technische oder agronomische Lösung. Wenn eine Hitzewelle die nächste jagt und wochenlang kaum ein Tropfen Regen fällt, stossen auch die besten Ideen an ihre Grenzen.

Das Kürbis-Problem

Besonders geärgert hat mich dieses Jahr unsere Untersaat auf den Kürbisfeldern. Das Prinzip ist simpel: Zwischen den Kürbisreihen wächst eine zusätzliche Kultur, die den Boden bedeckt.

Kürbisfeld mit Untersaat nach der Ernte 2025
Kürbisfeld mit Untersaat nach der Ernte 2025. - zVg

Sie schützt vor Austrocknung, verbessert die Bodenstruktur und sorgt dafür, dass der Boden nicht nackt in der Sonne liegt. Die letzten Jahre hat das hervorragend funktioniert.

Genau deshalb waren wir überzeugt, den Dreh rauszuhaben. Nur hatte das Wetter andere Pläne. Zuerst mussten wir die Kürbisse hacken (den Boden auflockern und unerwünschtes Beikraut zerkleinern), damit sie sich gut entwickeln konnten.

Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

Danach wäre der richtige Zeitpunkt für die Aussaat gekommen. Dummerweise befanden wir uns da schon mitten in der ersten Hitzewelle.

Der Boden war trocken, die Temperaturen brutal hoch und die Aussichten miserabel. Wir säten teilweise trotzdem – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Gewachsen ist fast nichts.

Ein paar vereinzelte Gräser haben sich gezeigt. Das war's dann aber auch schon. Die schöne, schützende Begrünung, die wir geplant hatten, blieb weitgehend aus.

Statt eines grünen Teppichs lag da vor allem brauner Boden, auf den die Sonne den ganzen Sommer ungebremst einbrennen konnte. Und weil auf eine Hitzewelle gleich die nächste folgte, war der negative Effekt umso grösser. So wird aus einer guten Idee ziemlich schnell eine Nullnummer.

Findest du, dass der Klimawandel für immer mehr Hitzerekorde sorgt?

Natürlich gehört das dazu. Landwirtschaft war noch nie ein Beruf für Menschen, die jederzeit die Kontrolle haben wollen. Trotzdem ist es frustrierend. Vor allem dann, wenn man weiss, dass die Massnahme grundsätzlich funktioniert.

Dazu kam der enorme Aufwand fürs Bewässern. Zahlreiche Stunden verbrachten wir damit – viele davon nachts. Wasser organisieren, Pumpen kontrollieren, Felder versorgen. Die Kürbisse wären ohne diese Zusatzarbeit kaum durch den Sommer gekommen.

Zum Glück können wir in der Schweiz viele Gemüsekulturen bewässern. Deshalb werden die Regale auch dieses Jahr nicht leer bleiben. Für die Konsumentinnen und Konsumenten ist das eine gute Nachricht.

Aufwand steigt, Kosten auch

Für die Bauernhöfe sieht die Rechnung anders aus. Der Aufwand steigt, die Kosten ebenfalls, der Ertrag bleibt oft ähnlich und die Preise bewegen sich kaum.

Weil genügend Ware vorhanden ist, reagiert der Markt nicht auf die höheren Produktionskosten. Die zusätzlichen Arbeitsstunden und die Bewässerung verschwinden also nicht plötzlich, sie bleiben einfach beim Produzenten hängen.

Das beobachte ich inzwischen fast jedes Jahr. Irgendetwas verteuert die Produktion. Mal ist es das Wetter, mal die Energie, mal neue Vorschriften. Nur eines entwickelt sich selten im gleichen Tempo: die Erlöse.

Martin Jucker Biodiversität
Martin Jucker von der bekannten «Jucker Farm» in Seegräben ZH. - zVg

Nach vorne schauen

Trotzdem bringt Jammern bekanntlich keinen Regen. Inzwischen sind die grossen Hitzewellen vorbei. Der Herbst klopft bereits an die Tür, die ersten Bäume verfärben sich und zwischendurch fällt sogar wieder etwas Regen. Wir freuen uns am milden Wetter und am wieder grün werdenden Gras.

Und genau das ist wohl auch eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Landwirtschaft: Nach einem Jahr, in dem vieles daneben ging, trotzdem wieder nach vorne zu schauen.

Zur Person

Martin Jucker ist gelernter Obstbauer und hat sich mit der «Jucker Farm» in Seegräben ZH über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Er steht für innovative, nachhaltige und unabhängige Landwirtschaft. 2014 wurde er zusammen mit seinem Bruder Beat als bisher einziger Bauer zum Schweizer Unternehmer des Jahres gewählt.

Kommentare

User #4317 (nicht angemeldet)

Hm, also ich liege immer nackt in der Sonne.

User #4360 (nicht angemeldet)

Ihr müsst mehr Wasser auf die Äcker bringen, dann haben wir wieder grosse Kartoffeln. So einfach ist das.

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