Stadt Zürich

Zürich: Wohnung im Seefeld ist plötzlich 77 Prozent teurer

Simon Binz
Simon Binz

Zürich,

Eine Zürcherin kündigte ihre Dreizimmerwohnung im Seefeld – und staunte, als sie das neue Inserat sah: Die Vermieterin verlangt plötzlich 1732 Franken mehr!

Mietvertrag
Der Mieterverband rät, sich nach der Unterzeichnung eines Mietvertrages, nach dem alten Mietzins zu erkundigen. (Symbolbild) - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Zürcherin bemerkte nach ihrer Kündigung eine Mietpreiserhöhung von 77 Prozent.
  • Helvetia Immobilien begründet dies mit gestiegenen Marktpreisen an der Toplage.
  • Für den Mieterinnen- und Mieterverband Zürich ist der Fall symptomatisch.

Eine günstige Wohnung zu finden ist in der Stadt Zürich praktisch unmöglich. Ein Problem dahinter: Die Mieten kennen in den letzten Jahren nur noch eine Richtung – und zwar nach oben.

Ein Grund für den rasanten Anstieg sind die Immobilienverwaltungen. Wird eine Wohnung neu vermietet, werden die Mietkosten zum Teil massiv nach oben gedrückt. Was das für ein Ausmass annehmen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Zürcher Seefeld-Quartier.

Findest du deine Miete zu hoch?

Eine dortige Dreizimmerwohnung, acht Jahre lang bewohnt, kostete plötzlich 77 Prozent mehr: Was eine Zürcherin nach ihrer Kündigung erlebte, sorgt für Aufsehen. «Kassensturz Espresso» berichtet über den Fall.

«Wie kann sowas sein?«

Die Frau wohnte mit ihrer Familie demnach seit rund acht Jahren in der Wohnung der Helvetia Immobilien. Als die Familie beschloss umzuziehen und fristgerecht auf den Sommer hin kündigte, tauchte das Inserat kurz darauf mit einem neuen Preis auf.

Statt 2248 neu 3980 Franken Bruttomiete – ein Aufschlag von 1732 Franken! Die «Espresso»-Hörerin ist der Anstieg absolut unverständlich. «Wir haben uns gefragt, wie kann sowas sein, in der heutigen Zeit? Wie kann man so hohe Mieten verlangen bei der derzeitigen Wohnungsknappheit?»

Helvetia verweist auf Toplage und gestiegene Marktpreise

Auf Anfrage der «SRF-Sendung» erklärten die Helvetia Immobilien schriftlich, bei Wiedervermietungen werde geprüft, inwiefern der bisherige Mietzins dem orts- und quartierüblichen Niveau entspreche.

Die Liegenschaft befinde sich an Toplage nahe dem Zürichsee, wo die Mietpreise in den letzten Jahren stark gestiegen seien. Daher könne die Mietzinsanpassung nach längerer Zeit ohne Mieterwechsel höher ausfallen.

Mieterverband: Institutionelle Vermieter erhöhen systematisch

Für den Mieterinnen- und Mieterverband Zürich ist der Fall symptomatisch. Gerade bei institutionelle Vermietern wie Versicherer und Pensionskassen sei ein Trend festzustellen, die Mieten bei einem Mieterwechsel rascher an die sogenannten Marktmieten anzugleichen.

Mieterhöhungen von über 40 oder gar über 70 Prozent seien die Folge – besonders in Gebieten, wo die Mieten bereits hoch seien. Also etwa in der Stadt Zürich. Das sagt Walter Angst Co-Geschäftsleiter des Verbandes.

Walter Angst Zürich
Walter Angst ist Co-Geschäftsleiter des Mieterverbands Zürich. - zVg

Er fasst zusammen, worum es geht: «Dass man einfach auf Teufel kommt raus, erreichen will, dass der Mietzinsvertrag in die Höhe schnellt und man damit dann natürlich auch Aufwertungsgewinn in der Bilanz verbuchen kann.«

Das sei das «ganze Spiel», das auf Kosten der Mieterinnen und Mieter gespielt werde, so der Experte.

Was Betroffene tun können

Wer eine neue Wohnung bezieht, hat ab Einzug 30 Tage Zeit, den Anfangsmietzins anzufechten. Laut Mieterverband sind Erhöhungen von 10 bis 20 Prozent bei einem Mieterwechsel grundsätzlich vertretbar – abhängig davon, wie lange der letzte Wechsel zurückliegt.

Wer sich wehren möchte, sollte sich nach Vertragsunterzeichnung nach dem alten Mietzins erkundigen. Da Mietzinsanfechtungen komplex sein können, empfiehlt der Verband, professionelle Hilfe zu suchen.

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