Zürich-Schwamendingen: Wirbel um Velovorzugsroute in Unterführung

Mit einer neuen Verkehrsführung in der Saatlen-Unterführung will die Stadt Zürich Platz für die geplante Velovorzugsroute schaffen. Die Pläne sorgen für Kritik.

In der geplanten Velovorzugsroute von der Oerlikoner- bis zur Opfikonstrasse gibt es im übertragenen Sinn eine störende «Schwelle», zumindest für manche Kritikerinnen und Kritiker des Projekts.
Gemeint ist die vor wenigen Jahren im Rahmen der Einhausung Schwamendingen neu gebaute Saatlen-Unterführung. Bereits beim Neubau sorgte sie für Diskussionen.
Grund: Neben der Autounterführung gibt es einen separaten Fuss- und Veloweg. Ein solcher Mischverkehr sorge immer wieder für Konflikte, wurde argumentiert.
Auch sei bereits beim Bau klar gewesen, dass die Stadt dort eine Velovorzugsroute plane. Trotzdem sei die Unterführung nicht breiter gebaut worden.
Der Neubau der Saatlen-Unterführung war kein städtisches Projekt, sondern eines vom Bundesamt für Strassen Astra. Die Stadt wurde in die Planung nicht miteinbezogen.
Im Rahmen der geplanten Umsetzung der Velovorzugsroute will die Stadt in der Saatlen-Unterführung neu Einbahnverkehr einrichten. Autos könnten dann nur noch in Richtung Schwamendingerplatz fahren.
Der Bus soll weiterhin vom Schwamendingerplatz durch die Unterführung in Richtung Oerlikon und Affoltern verkehren. Zudem soll in der Unterführung künftig Tempo 30 statt des heutigen Tempo 50 gelten.
Mit dem Einbahnregime erhofft sich die Stadt, Platz für die Velovorzugsroute durch die Unterführung neben dem Autoverkehr zu schaffen. Der separate Fuss- und Veloweg soll aber auch in Zukunft befahrbar bleiben.

An einer Informationsveranstaltung vom Montag mit Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart und Tiefbauvorsteherin Simone Brander kritisierten Anwesende allerdings den geplanten Einbahnverkehr. Damit müssten Anwohnende mit dem Auto Umwege in Kauf nehmen.
Zu reden gab auch in Schwamendingen die Parkplatzfrage. Insgesamt sollen auf der 3,4 Kilometer langen Strecke 153 Parkplätze aufgehoben werden. Die städtischen Vertreterinnen und Vertreter betonten, dass es in Schwamendingen mehr Parkplätze als verkaufte Parkkarten gebe.
«Die vorhandenen Parkplätze decken folglich den Bedarf ab», so der Standpunkt der Stadt. Der Güterumschlag entlang der Velovorzugsroute sei weiterhin möglich.
Die öffentliche Planauflage für die Velovorzugsroute Oerlikonerstrasse – Opfikonstrasse erfolgt nach den Sommerferien. Realisiert werden soll sie voraussichtlich ab 2030.

Zum Ende der Veranstaltung versuchte Stadträtin Simone Brander noch einmal, den Nutzen der Velovorzugsrouten für die Sicherheit der Velofahrenden hervorzuheben.
Immerhin sei es im vergangenen Jahr zu 510 Velounfällen gekommen. Die Zahl der Schwerverletzten sei gestiegen. Überdies sei der Wunsch nach Velovorzugsrouten durch den Volkswillen breit abgestützt.
«Und gemäss Studien wird auf Velovorzugsrouten nicht gerast», schob Stadträtin Karin Rykart nach. «97 Prozent der Velofahrenden fahren korrekt.»
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.







