Stadt Zürich

Zürcher Grüne wollen Flugwerbung-Verbot

Ginger Hebel
Ginger Hebel

Zürich,

Flugwerbung im Visier: Zürcher Grüne fordern die Prüfung eines Verbots auf städtischem Boden. Gegner sprechen von Intoleranz.

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Solche Plakate wie hier im Kanton Genf soll es in Zürich auf städtischem Grund gemäss den Grünen nicht mehr geben. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis 2040 sollen die Treibhausemissionen der Stadt Zürich auf Netto Null gesenkt werden.
  • Die Zürcher Grünen fordern darum ein Werbeverbot für Flugreisen auf städtischem Boden.
  • Die Gegner reagieren empört auf das Vorhaben.

Werbung beeinflusst Menschen – und damit auch ihr Konsum- und Reiseverhalten. Jetzt fordern die Grünen die Stadt Zürich auf zu prüfen, ob Werbung für Flugreisen auf städtischem Grund wie in Bahnhofshallen, an Plakatsäulen und in Trams und Bussen verboten werden kann.

Betroffen wären neben klassischen Flugangeboten auch Werbung für Ferien in Übersee oder Vielfliegerprogramme. Hintergrund ist das Ziel der Stadt, bis 2040 die Treibhausemissionen auf Netto Null zu senken.

Fliegst du im Sommer in die Ferien?

Während sich bisherige Klimamassnahmen vor allem auf Gebäude, Verkehr oder Entsorgung konzentrierten, geraten zunehmend auch indirekte Emissionen in den Fokus. «Rund ein Viertel der indirekten Emissionen verursachen die Zürcherinnen und Zürcher mit ihren Flugreisen – überwiegend private Reisen», sagt Roland Hohmann, Gemeinderat der Grünen.

Flugverbot steht nicht zur Diskussion

Für ihn stellt sich auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit. «Netto Null fordern, aber zum Shoppen nach Paris oder London fliegen – das passt für mich nicht zusammen.» Da die Stadt nur begrenzte Möglichkeiten habe, auf das Reiseverhalten der Bevölkerung einzuwirken, sehen die Befürworter in einem Werbeverbot einen Hebel für Veränderungen.

Zürcher Grüne
Plakate wie dieses in Genf sind den Grünen der Stadt Zürich ein Dorn im Auge. - keystone

Ein Flugverbot stehe jedoch nicht zur Diskussion, betonen die Initianten. Auch wolle man der Zürcher Bevölkerung nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen habe. Vielmehr gehe es um ein Umdenken. Reisen in ferne Länder seien teilweise unvermeidbar, «viele europäische Städte lassen sich aber auch mit dem Zug erreichen.»

Ähnlich argumentiert der Zürcher Grüne-Gemeinderat Martin Busekros: «Wenn man fliegen muss, um die Familie zu besuchen, ist das in Ordnung. Viele fliegen aber nur zum Spass.»

Der Einfluss von Werbung sei nicht zu unterschätzen. «Die Leute haben oft das Gefühl, dass sie etwas verpassen, wenn sie nicht auf die Malediven fliegen.» Werbung rege Konsum an und verstärke das Verlangen. «In diesem Fall ist das schädlich und widerspricht den Zielen der Stadt.»

Umdenken im Fokus

Aus Sicht des Schweizer Reise-Verbands (SRV) mit Sitz in der Stadt Zürich wäre ein städtisches Werbeverbot für Flugreisen ein unverhältnismässiger Eingriff in Wettbewerb und Konsumenteninformation.

Ein solches Verbot würde den Flugverkehr nicht reduzieren, sondern die Sichtbarkeit eines legalen Angebots einschränken. Auch betont der Branchenverband, dass nachhaltiges Reisen ein zentrales Thema sei, auch im Hinblick auf Klimawandel und Übertourismus.

Ferien Flugzeug
In Zürich wird aktuell über ein Flugwerbeverbot diskutiert. (Symbolbild) - keystone

Der Verband unterstützt ressourcenschonende Reiseformen, etwa Bahnreisen auf kürzeren und mittleren Distanzen, längere Aufenthalte statt häufiger Kurztrips sowie nachhaltigere Angebote vor Ort.

Im März 2025 beschloss eine knappe Mehrheit des links-grün dominierten Gemeinderats, kommerzielle Plakatwerbung auf öffentlichem Grund einzuschränken. Gegner reagierten empört, sprachen von zunehmender Intoleranz und Lebensfeindlichkeit und lancierten die Petition «Zürich soll leuchten».

«Niemand sollte Ferien stornieren»

Ob ein Verbot von Flugwerbung tatsächlich Wirkung zeigen würde, ist fraglich. Mit Blick auf die Sommerferien gehe es nicht um kurzfristige Effekte.

Roland Hohmann: «Niemand sollte die Ferien stornieren. Vielmehr geht es um Veränderungen jedes Einzelnen, um Zürichs Klimaziele glaubwürdig zu erreichen.»

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

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