Zürcher Gewerbler wollen «zweiten Platzspitz» verhindern

In Zürich ist die Drogenszene in den letzten Jahren wieder sichtbarer geworden. Nun fordern betroffene Gewerbler Massnahmen gegen einen «zweiten Platzspitz».

Das Wichtigste in Kürze
- 1992 wurde in Zürich die offene Drogenszene am Platzspitz geräumt.
- Nun gibt es wieder mehr offenen Drogenkonsum in der Stadt.
- Anwohnende und Gewerbler wollen an der Gessnerallee einen «zweiten Platzspitz» verhindern.
In den späten 1980ern und frühen 1990er-Jahren galt er als eine der grössten offenen Drogenszenen Europas: der Platzspitz in Zürich.
Täglich hielten sich bis zu 3000 Drogenkonsumentinnen und -konsumenten am Platzspitz auf. Der offene Konsum und Handel mit Drogen wie Kokain und Heroin gehörte zum Alltag.
Nach zahlreichen Überdosen, anderen gesundheitlichen Notfällen und Gewalt wurde der Platzspitz im Februar 1992 schliesslich geräumt. Die Drogenszene verlagerte sich an den Letten, wo sie bis 1995 Bestand hatte.
Danach setzte die Stadt Zürich auf eine neue Drogenpolitik. Diese setzt auf Prävention, Therapie und Repression gegen den Drogenhandel. Aber auch auf Schadensminderung durch Spritzentausch und Konsumräume.
Offene Drogenszene in Zürich «ist für uns so nicht mehr tragbar»
Nur: Seit einiger Zeit wird die Drogenszene in der Stadt Zürich wieder sichtbarer. Auch rund um die Gessnerallee nahe dem Hauptbahnhof.
Das beunruhigt die Gewerblerinnen und Gewerbler in der Gessnerallee zusehends, wie sie gegenüber SRF erklären. Melanie Stierli, die einen Kosmetiksalon betreibt, erklärt: «Das ist für uns so nicht mehr tragbar.»
Denn die Süchtigen würden vor ihrem Laden offen Drogen konsumieren und verkaufen, berichtet Stierli. «Sie haben auch schon ein Sofa vor unser Geschäft gestellt, so dass die Kundinnen sie direkt sehen konnten.»
«Es gibt immer mehr Dealer und mehr Konsumierende»
Zudem zeigten sich die Süchtigen vermehrt aggressiv. Das sei für ihre Mitarbeitenden belastend.
Auch ein anderer Gewerbler äussert sich gegenüber SRF ähnlich: «Es gibt immer mehr Dealer und mehr Konsumierende – von Jahr zu Jahr.» Es sei eine Entwicklung, die man beinahe täglich verfolgen könne.

Dass die Drogenszene in Zürich wieder offener wird, ist auch der Stadt bekannt. Die Gessnerallee sei eine von insgesamt vier Orten in der Stadt, in der die Drogenszene wieder offener sichtbar geworden sei.
Anwohnende und Gewerbler wollen keinen «zweiten Platzspitz»
Aus diesem Grund ist man an jenen Orten mit mehr Polizeipatrouillen unterwegs. Das bringt jedoch laut den Gewerbetreibenden wenig. Stattdessen würden sich die Polizei und die Dealer ein Katz-und-Maus-Spiel liefern.
Nun wollen sich die Anwohnenden gemeinsam mit den Gewerblern wehren und die Politik einschalten.
Aktuell sammle man Unterschriften, denn: Sie wollen keinen «zweiten Platzspitz» vor der Haustür. Stattdessen solle die Drogenszene bei der Gessnerallee geräumt werden.










