Zürcher Bars: Gäste stören sich an CBD-Joints!

Hanfgeruch stört einige Gäste auf den Terrassen von Zürcher Bars. Erste Lokale untersagen nun das Rauchen von CBD-Joints.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Gäste stören sich ab Gras-Geruch auf den Terrassen von Zürcher Bars.
- Erste Lokale haben nun Joint-Verbote verhängt.
«Tagblatt»-Leserin Milena Müller staunte nicht schlecht, als sie den Hinweis auf dem Tisch des Grand Cafés Lochergut sah. «Als Zeichen des gegenseitigen Respekts bitten wir Sie, keine Joints (auch CBD) am Tisch zu rauchen», stand auf einem Schildchen.
Müller raucht CBD-Cannabis, um sich zu entspannen. Das Gras ohne Rauschwirkung enthält weniger als 1 Prozent THC und ist bei Grossverteilern und Kiosken erhältlich. Seit 2016 darf dieses Cannabis legal in der Öffentlichkeit geraucht werden.
«Was ich nicht verstehe, ist, dass meine Begleitung ihre normalen Zigaretten rauchen darf», sagt Müller. Der CBD-Konsum sei erlaubt, sie werde mit diesem Verbot als Kifferin abgestempelt.
Die Geschäftsleitung des Cafés Lochergut will sich nicht zum Joint-Verbot äussern. «Die Hausregeln gelten für alle Gäste und dienen einem angenehmen Aufenthalt für alle», sagt Sprecher Marco Schättin.
Nulltoleranz ist einfacher
Das Grand Café Lochergut ist nicht das einzige Lokal, das gegen den Konsum von Joints vorgeht. Auch in einem Restaurant in der Europaallee weisen die Kellner darauf hin, dass CBD-Joint-Rauchen nicht erwünscht ist. Alexander Bücheli, Sprecher der Bar & Club Kommission Zürich, meint, man treffe solche Verbote in hiesigen Lokalen immer wieder an.

Es stehe den Gastronomen frei, im Hausrecht festzuschreiben, ob der Konsum von CBD auf der Terrasse oder im Fumoir verboten ist. Das kantonale Gastgewerbegesetz schreibt vor, dass der oder die Patentinhaber für gute Sitte und Ordnung sorgen müssen.
Ein Pateninhaber macht sich somit strafbar, wenn Drogenkonsum in seinen Räumlichkeiten und/oder auf der Terrasse toleriert würde. «Da es unmöglich ist, herauszufinden, ob es sich um illegales Gras oder CBD handelt, vereinfacht eine Nulltoleranz die Lage und schafft eine klare Situation», sagt Bücheli.
Um CBD zu erkennen, müssten Patentinhaber Tests durchführen, was nicht machbar sei. Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich, bestätigt, dass Gastronomen die Freiheit haben, selber zu entscheiden, ob sie Joints jeglicher Art verbieten.
«Der Geruch polarisiert und kann für einige Gäste sehr unangenehm sein», sagt er. Die Miete der Terrasse könne unter Umständen viel kosten, da sei es verständlich, dass man die Gäste nicht mit Hanfgeruch vergraulen wolle.
«Ich empfehle, diese Hausregel transparent zu deklarieren, damit es keine Diskussionen gibt», sagt Pfäffli. Hinweise auf den Tischen seien angebracht.
Alexander Bücheli fordert, dass die Schweiz mit der Legalisierung von Cannabis vorwärtsmacht. Insbesondere der Konsum solle nicht diskriminiert werden. Zurzeit ist ein Entwurf eines entsprechenden Gesetzes des Bundes in der Vernehmlassung.

Erkenntnisse aus Studien in allen grossen Schweizer Städten sollen in das Cannabisgesetz fliessen. Auch die Stadt Zürich testet den legalen Erwerb von Cannabis.
Damit will sie herausfinden, wie eine regulierte Abgabe zum Gesundheitsschutz beiträgt. An der Studie «Züri Can» nehmen 3100 Personen teil, diese wurde 2023 gestartet und bis 2028 verlängert.
Teilnehmer können das legale Cannabis in zehn sogenannten Social Clubs, im Drogeninformationszentrum und in zehn Apotheken in der Stadt kaufen. In den Social Clubs können sie das Gras auch gemeinsam rauchen.
«Wir müssen die Realität erkennen, dass über 10’000 Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher regelmässig Cannabis konsumieren», sagt Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri im Rahmen der letztjährigen Bilanz-Medienkonferenz zur Studie.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.




