«Warnstufe vier»: Schulen machen nun doch Hitzefrei

Die anhaltende Hitzewelle macht das Lernen unmöglich. Schulen schicken die Schülerinnen und Schüler heim – trotz abgeschafftem Hitzefrei.

Das Wichtigste in Kürze
- Schulen in der Region Zürich schicken die Kinder am Nachmittag nach Hause.
- Hitzefrei gibt es seit 2003 offiziell jedoch nicht mehr.
- Die Betreuung sei trotzdem sichergestellt, sagt ein Rektor.
Bereits vor acht Uhr morgens ist das Thermometer auf 25 Grad geklettert. Die Hitze hat die Schweiz auch am Donnerstag fest im Griff. In den Schulen in Meilen ZH müssen die Schülerinnen und Schüler aber etwas weniger schwitzen. Sie bekommen Hitzefrei!
Am Donnerstag- und Freitagnachmittag findet kein Unterricht statt. Die Schulpflege hat die Massnahme am Mittwoch an einer ausserordentlichen Sitzung beschlossen. Dies bestätigt Jörg Walser, Rektor der Schule Meilen, gegenüber Nau.ch.
Grund dafür seien die anhaltend hohen Temperaturen, sagt Walser. «Den Ausschlag gab die Warnstufe vier.» Ab Donnerstag gilt diese Warnstufe neu unter anderem auch für den Kanton Zürich. Dafür muss die mittlere Tagestemperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen bei 27 Grad oder mehr liegen.
Hitzefrei trotz Obhutspflicht?
In den letzten Tagen hat die Schule den Unterricht am Nachmittag bereits angepasst. «Die Schülerinnen und Schüler können sich bei Hitze weniger konzentrieren», sagt Jörg Walser.
Die Lehrpersonen hätten deshalb kreative Alternativprogramme organisiert. «Eine Lehrerin ging mit der Klasse zum Beispiel unter einen Baum und spielte Ukulele.»
Auch in Dübendorf ZH können Lehrpersonen am Donnerstag- und Freitagnachmittag Hitzefrei geben. Das Vorgehen der Schulen überrascht.
Aufgrund der Obhutspflicht dürfen Schulen Kindern nicht Hitzefrei geben und nach Hause schicken. Seit 2003 ist Hitzefrei in allen Kantonen abgeschafft.
Unbetreut zu Hause sein wird aber niemand. «Alle, die aber nicht zu Hause bleiben können, werden selbstverständlich von den Lehrpersonen betreut», sagt Jörg Walser.
Für die meisten Schülerinnen und Schüler heisst es wohl: ab in die Badi! Badi-Muffel müssen sich aber nicht im Schatten verkriechen.
Auch Kinder, welche die freien Nachmittage lieber in der Schule verbringen wollten, seien willkommen, sagt Walser. Es werde ein Alternativprogramm geben.
Zu heisse Schulzimmer
Die Hitzewelle überrollt die Schweizer Schulen.
«Viele Schweizer Schulbauten sind auf sommerliche Überhitzung ungenügend vorbereitet.» Dies sagte Dr. Beat A. Schwendimann kürzlich. Er ist Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).
Grosse Glasflächen, unzureichende Dämmung und geringe thermische Speichermasse lassen die Räume morgens schnell aufheizen. Vor allem Klassenzimmer in älteren Bauten werden zum Backofen.
Messungen zufolge können die Temperaturen in Baselbieter Klassenzimmern auf bis zu 42 Grad klettern. Der LCH fordert in einem Positionspapier, dass Lehrpersonen den regulären Unterricht ab einer Innentemperatur von 30 Grad aussetzen.










