VBZ prüfen neues Sicherheitssystem wegen medizinischer Vorfälle

Die Kollison eines Flexity-Trams und eines Cobra-Trams im September 2025 ist geklärt: Auslöser war ein medizinisches Problem beim Cobra-Chauffeur. Drei Personen wurden beim Unfall schwer verletzt, eine Person erlitt leichte Verletzungen.

Der Unfall passierte am 15. September 2025 auf dem Verkehrsknotenpunkt Albert-Näf-Platz beim Bahnhof Oerlikon: Ein Chauffeur eines Cobra-Trams der Linie 14 steuerte dabei ungebremst in die Seite eines kreuzenden Flexity-Trams der Linie 11.
Dieses hätte Vortritt gehabt. Wegen der Kollision entgleisten beide Tramzüge teilweise. Die Tramchauffeure und ein Passagier wurden schwer verletzt, eine Person erlitt leichte Verletzungen.
Der am Mittwoch publizierte Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust zeigt nun, was der Auslöser für den schweren Vorfall war: ein medizinisches Problem des Cobra-Chauffeurs, das bis dahin unbekannt war. Die Tauglichkeitsprüfung im August, also wenige Wochen zuvor, hatte noch keine Einschränkungen gezeigt.
Ein Sicherheitssystem, das bei Handlungsunfähigkeit der Tramfahrer hätte eingreifen könnte, haben Cobra-Trams bisher nicht. Gemäss Sust-Bericht gibt es heute aber Systeme auf dem Markt, die das Lenkverhalten fortlaufend auswerten und die Augenbewegungen analysieren. Im Notfall greifen diese Systeme automatisch ein.
Auch bei anderen Tramunfällen waren medizinische Probleme schon die Ursache. Statt reflexartig abzubremsen, fahren Chauffeurinnen und Chauffeure bei auftretendem Kontrollverlust weiter. Gemäss Sust-Bericht liegt dies daran, dass die Betroffenen reflexartig noch Routine-Handlungen im Führerstand machen würden.
Die VBZ würden jetzt prüfen, die gesamte Cobra-Flotte mit einem solchen Notfallsystem nachzurüsten, heisst es im Untersuchungsbericht weiter. Bisher sind solche Aufmerksamkeitsassistenten in Schweizer Trams nicht Pflicht. Die Sust empfiehlt dem Bund nun, diese künftig vorzuschreiben.
In SBB-Zügen gibt es ein solches Aufmerksamkeitssystem bereits, das sogenannte Totmannpedal. Dabei handelt es sich um eine Fläche, auf der der Lokführer seine Füsse abstellt. Fällt der Druck auf dieses Pedal weg, etwa weil der Lokführer das Bewusstsein verliert, und quittiert er dies nicht als Fehlalarm, leitet der Zug automatisch den Bremsvorgang ein. Damit wird verhindert, dass ein Zug führerlos weiterfährt.






